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„Streiche des Scapin“ mit Neuem Globe Theater

Molières beglückendes Schmierentheater

HAMELN. Nicht ganz so perfekt wie erhofft und bitteres Manko am Sonntag Nachmittag im Theater: viel zu viele Plätze, die einen freien Tag hatten – und viel potenzielles Publikum, das einen brillanten Molière verpasste. Warum auch immer. Hier feierte eine hinreißende Truppe ihren komödiantischen Einstieg. Zu hoffen, dass sie noch oft den Weg von Potsdam in die Rattenfängerstadt findet – und dann: in ein ausverkauftes Haus.

veröffentlicht am 24.09.2018 um 17:34 Uhr

„Die Streiche des Scapin“ wurde vom Ensemble des Neuen Globe Theater hinreißend komödiantisch dargestellt. FOTO: PHILIPP PLUM
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Autor

Richard Peter Reporter

Es begann – anders als in Scapins Schelmenstreiche vorgesehen – mit Monsieur Molière, dem eben seine Spielstätte sozusagen unterm Arsch abgerissen worden war und nun – Glück im Unglück – in einer spieltechnischen Bruchbude einen Neustart versucht. Mit einem neuen Stück, zu dem Molière noch nicht einmal ein Titel eingefallen war – und das Ganze sollte in einer knappen Stunde über die Bühne gehen. Monsieur verzichtet auf die Uraufführung – zaubert mit „Scapin“ ein Repertoire-Stück aus dem theatralischen Hut.

Theater auf der Bühne und nebenbei auch dahinter mit Eitelkeiten, Animositäten und als alles verbindender Kleister: alle sind auf die Einnahmen angewiesen. Theater findet also statt und der Zeremonienmeister darf zum Start dreimal mit seinem Stab auf den Bühnen-Boden stoßen. Bühne auf der Bühne mit einem dreigeteilten Prospekt mit roten Plüschvorhängen und das ganze Elend eines jungen Liebhabers, der in Abwesenheit seines ebenso strengen wie reichen Vaters Argante, sich in Giacinta verliebt, heimlich geheiratet und jetzt die Hosen gestrichen voll hat, weil Papa in Neapels Hafen gelandet ist und seinerseits eine Frau für Oktave im Gepäck hat. Da hilft nur noch Scapin. Und der ist erstmals ahnungslos – soll aber dafür sorgen, dass Papa Argante der Hochzeit mit Giacinta zustimmt. Und Léandre, Sohn des reichen Kaufmanns Géronte, ist unsterblich in Zerbinetta verliebt und braucht dringend Geld, um seine Geliebte von Zigeunern loszukaufen.

Commedia dell’arte in Reinkultur und ursprüngliche Komödie mit drei klassischen Triebfedern: Liebe, zwei geizigen Alte und damit Geld. Und natürlich: ein cleverer Diener – Vorläufer von Beaumarchaises „Figaro“. Scapin, der die Fäden in der Hand hält. Kai Frederic Schrickel inszeniert und spielt auch den Géronte. Bezauberndes Schmierentheater. Gleichermaßen real und übertrieben. Und das ist die große Kunst: nichts ernst zu nehmen, aber das ernst. Egal, was diese Truppe auch macht: sie ist hinreißend komödiantisch. Aus nichts als Lust am Spiel und spielerischer Lust.

Kai Frederic Schrickel als Papa Géronte, dem Scapin 500 Taler aus den Rippen prügelt, dessen Regie, neben allem Visuellen auch perfekte Dialoge inszeniert – Klappsätze, die in überraschenden Pausen münden. Improvisationen, wie sie nicht schöner gespielt werden können, perfekt getimt. Beide Damen, Rike Joeinig zunächst als Mademoiselle Molière, dann als Giacinta und Petra Wolf als Zerbinetta – und einer wunderschönen Einlage als Giacintas Amme Nerida.

Schlussgag: die beiden jungen Damen, in die sich Oktave und Léandre verlieben, waren ihnen, als Töchter der beiden Alten, bereits vorherbestimmt. Viel Lärm um Nichts also – aber der, zu einem hinreißenden Theatererlebnis gebündelt und von einer liebenswerten Truppe vorgeführt, die Theater um des Theaters willen zu einem Erlebnis werden lässt.




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