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Blättern im Familienalbum

Plakate von Ausstellungen aus sieben Dekaden im Kunstkreis-Studio

HAMELN. „Lass uns doch mal die Plakate ausstellen“ – es war Claudia Thoem, die das, vermutlich auch inspiriert vom 70. Geburtstag des Kunstkreises, vorgeschlagen hatte. Jetzt hängen in etwa die Hälfte der Plakate, die sich in 70 Jahren angesammelt hatten, nicht nur an den Wänden. An Schnüren, quer durch den Ausstellungsraum gespannt, ungerahmt natürlich, wie nach einem „Kunstkreis-Waschtag“, wie Dr. Victor Svec es bei seiner Begrüßung zur ersten Ausstellung des neuen Jahres am Samstag im Kunstkreis formuliert.

veröffentlicht am 21.01.2019 um 09:29 Uhr

„Lass uns doch mal die Plakate ausstellen.“ Foto: wfx
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Autor

Richard Peter Reporter
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„Lustvolles Blättern im Familienalbum“, wie es Richard Peter in seiner Einführung nennt. Plakate als Anreiz und schnelle Vermittlung von Informationen – schlicht: Werbung.

Die Erfolgsgeschichte des Plakats reicht weit zurück bis ins 16. Jahrhundert, als in den Niederlanden Flugblätter im Befreiungskampf gegen spanische Besatzer erstmals auftauchten und mit Klebstoff an die Hauswände „geplackt“ wurden und als „Plakatten“ schnell Verbreitung fanden. Im Paris der 1890er-Jahre war es vor allem Toulouse-Lautrec, der seinen eigenen künstlerischen Plakat-Stil entwickelte – und mit „Moulin Rouge“ für Furore sorgte. Populär wurde die neue Kunst auch durch Litfaß. Heute, so Peter, gelten sie als Spiegel gesellschaftlicher Zustände. Nach und nach übernahmen Gebrauchsgrafiker die Gestaltung nach Vorgaben der Werbepsychologie. In den 70er-Jahren waren es die aus Amerika importierten Poster, die den Stil der Zeit beherrschten.

Das erste Kunstkreis-Plakat – noch im Studio am Langen Wall – wurde Gerhard Marcks gewidmet, gefolgt von „Die Frau als Künstlerin“ und bereits das dritte Erinnerungsstück von 1952 hat sich selbst zum Thema und hieß schlicht „Das Plakat“ und fand – nach einem überraschenden Rauswurf am Langen Wall – im Clubhaus am Markt statt.

Die Kunstkreis-Biografie „Vieles gibt uns die Zeit“ von Charlotte Flemes erinnert an die turbulenten Anfangsjahre mit unterschiedlichen Ausstellungsorten, aber auch an den Bau und die Erweiterung des Studios. Rund 45 Jahre Kunstkreis-Geschichte. Geradezu überwältigend die Vielzahl an Plakaten – höchst unterschiedlich gestaltet. Meist mit einem Werk des jeweiligen Künstlers sowie Angaben zur Zeit der Ausstellung und den Titeln, unter denen sie stattfanden. Ein buntes Sammelsurium zum 70. Geburtstag der so traditionsreichen Institution, die immer um ihre Existenz kämpfen musste.

„Plakate von Ausstellungen aus sieben Dekaden“, wie es in der Einladung heißt, und damit auch Leistungsschau und spannende Auswahl, die durch begrenzt vorhandene Bilderrahmen, aber auch räumliche Ausstellungskapazität geprägt ist. Gelegenheit für Erinnerungen – auch Diskussionen – für ein Publikum, dem ein Großteil der Plakate und die damit verbundenen Ausstellungen noch präsent sein dürfte. Umrahmt wurde die Vernissage mit sieben Musikstücken, die Holger Maas mit Beispielen aus jedem der sieben Jahrzehnte von Bill Haley über die Beatles und ABBA lebendig werden ließ.




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