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B-Tight und Monzy-De hatten das Publikum in der Sumpfblume binnen kürzester Zeit im Griff

Rappen in rasendem Tempo

HAMELN. Der Star des Abends ist bereits seit einigen Minuten überfällig. Da erschallt am Donnerstagabend plötzlich ein markerschütternder Schrei im Saal der Sumpfblume und findet am rückwärtigen Ende ein zaghaftes Echo. „Is’ eigentlich normal auf Konzert, dass die Leute alle rumschrei’n“, erklärt der Nebenmann des Rufers den anderen Jungs am Stehtisch. „Weißte“, fügt er kenntnisreich hinzu, „normal is’ normal, aber die Leute hier sind einfach zu steif dafür.“

veröffentlicht am 05.10.2018 um 18:27 Uhr

Eine starke Bühnenshow lieferten die Rapper (v. li.) Monzy-De und „Bobby“ B-Tight am Donnerstagabend vor einem gut 60-köpfigen Publikum in der Hamelner „Sumpfblume“ ab. Foto: br
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Burkhard Reimer Reporter

Schrei und Echo haben aber wohl doch etwas bewirkt. Begleitet von ohrenbetäubendem Lärm, der aus den riesigen Lautsprecherboxen dringt und mehr nach einer in nächster Nähe startenden Boeing 707 als nach Musik klingt, stehen plötzlich die Rapper Bobby B-Tight und Monzy-De auf der Bühne und legen los. Monzy-De ist seit einiger Zeit B-Tights Mitstreiter, und was beide da auf die Bühne bringen ist zweifellos eine Show, die von höchster Professionalität geprägt ist.

Denn rappen, ja, das können sie. Ihr in rasender Geschwindigkeit vorgebrachter Sprech-„Gesang“ wirkt mitreißend, zumal da er von stakkatoartigen, beinahe akrobatischen Bewegungen der Arme und Beine begleitet wird. Binnen kürzester Zeit haben B-Tight und Monzy-De ihr gut 60-köpfiges Publikum im Griff. Es ist offensichtlich der harte Kern der Rapper-Szene, der sich da in der Sumpfblume eingefunden hat, und der geht gleichermaßen bereitwillig wie begeistert auf das ein, was ihm von der Bühne herab geboten wird.

Wenn B-Tight „alle Hände hoch, ich will alle Hände sehen“, fordert, fliegen alle Hände in die Höhe, und wenn er will, dass alle Köpfe mit Käppis oder Kapuzen bedeckt werden, folgen die jungen Leute widerstandslos auch diesem Befehl. Dafür reicht B-Tight dann zur Belohnung hier und da ein Gläschen mit einer braunen Flüssigkeit ins Publikum. Gemeinhin firmiert das hochprozentige Getränk unter „Magenbitter“ oder „Kräuterlikör“, Kundige aber wissen, dass es ein Teufelszeug mit hohem Suchtpotenzial ist. Das kümmert B-Tight aber ebenso wenig wie die Frage, ob die Empfänger schon volljährig sind.

Er ist eben ein rundheraus fröhlicher Rapper. Da gehört solcherlei Gleichgültigkeit wohl ebenso dazu wie die Schnoddrigkeit, mit der B-Tight gegen ihn erhobene Vorwürfe beiseite schiebt. „Es gibt Leute, die sagen, ich wär‘ frauenfeindlich, gewaltverherrlichend und rassistisch“, erzählt er freimütig. „Aber diese Leute peilen eins nicht: Hier geht‘s um Rap!“

Ja, wenn das denn so ist, dann wird auch klar, warum die Wortwahl von B-Tight und Monzy-De in weiten Bereichen der Fäkal- und Genitalsprache entstammt. Wenn das „F“-Wort in den Texten eine Hauptrolle einnimmt, dann ist das eben Rap. Da scheint es nicht einmal die jungen Frauen im Publikum zu stören, wenn B-Tight und Monzy-De wiederholt nicht etwa nur das Verb, sondern, gänzlich unbekümmert, auch das – in den entsprechenden Kreisen leider längst als „normal“ geltende – übelste Schimpfwort für Frauen herausbrüllen.

Und für alle, die es immer noch nicht „gepeilt“ haben, sei hier noch etwas aus einem Text des selbsternannten „Königs der Rapper“ zitiert: „Ich bin ein Mörder, ein Gestörter …“

Mörder? Na, hoffentlich doch wohl nicht wirklich. Gestörter? Ja, das könnte wohl hinkommen.




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