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Florentina Pakostas Bilder entlarven männliche Macht

Retrospektive im Sprengel-Museum

HANNOVER. Was treibt Männer in Kriege? Und warum wollen Männer bis heute Frauen vorschreiben, was diese zu tun haben? Das sind Ausgangsfragen für das Schaffen von Florentina Pakosta, deren Werk im Sprengel Museum Hannover zur Zeit zu bewundern sind. „Feminismus ist eine Angelegenheit der menschlichen Gesellschaft, nicht nur von Frauen“, sagte die österreichische Künstlerin, die am 1. Oktober ihren 85. Geburtstag feiern wird.

veröffentlicht am 28.09.2018 um 13:45 Uhr

Florentina Pakosta steht vor dem Werk „Lachen! Selbstbildnis“ während ihrer Ausstellung im Sprengel Museum. Foto: dpa

Autor:

Christina Sticht

Begonnen hatte die Wienerin in den 1950er Jahren mit Milieustudien. Später zeichnete sie düstere Männer, denen Revolver aus dem Kopf oder Sägen aus dem Mund wachsen.

Von Beginn ihres Studiums an ist ihr Werk politisch und gesellschaftlich engagiert und reagiert vor allem auf die Diskriminierung von Frauen in der Kunstszene. Sie beginnt zunächst mit Milieustudien in Wien, später widmet sie sich der menschlichen Physiognomie und Körpersprache als Ausdruck von geschlechtercodiertem Machtverhalten.

Pakosta porträtierte auch Inhaber mächtiger gesellschaftlicher Positionen und suchte nach Gemeinsamkeiten in ihren Gesichtszügen. „Sie richtet den weiblichen Blick auf den Mann“, soder Direktor des Sprengel Museums, Reinhard Spieler. In den 1970ern zeichnete Pakosta männliche Genitalien. „Das ist bis heute ein echtes Tabu, wie man an Hollywood-Filmen sehen kann“, sagte Spieler.

In den 1980er Jahren brachte sie Ansammlungen von Schuhen oder Hüten auf die Leinwand. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 verlegte sie sich auf abstrakte dreifarbige Bilder von Netzwerken in Balkenstrukturen. Diese zeigten gesellschaftliche Hierarchien und seien teils noch aggressiver als die Männerköpfe, meinte der Museumschef. Bis zum 13. Januar sind im Sprengel-Museum in Hannover nun 123 Werke der Österreicherin zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, freitags freier Eintritt. Zu der Schau in Kooperation mit der Albertina in Wien ist auch ein Katalog erschienen.




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