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Scott Henderson zeigt seine Künste vor überschaubarer Fangemeinde

Schicksal eines Gitarrengotts

HAMELN. Scott Hendersons Gitarrenkünste für Saitenfreaks: Vom Können her darf sich Henderson locker unter all die Gitarrenhelden mischen. In der Hamelner Sumpfblume war der Mann, einst auch mit Chick Corea spielte, nun zu Gast.

veröffentlicht am 14.04.2019 um 18:14 Uhr

Scott Hendersons Gitarrenkünste für Saitenfreaks: Vom Können her darf sich Henderson locker unter all die Gitarrenhelden mischen. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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Jimmy Page, Jeff Beck, Jimi Hendrix, Ritchie Blackmore und Albert King nennt Scott Henderson als seine größten Vorbilder. Die genannten Gitarristen waren allesamt in Bands mit herausragenden Vokalisten oder sangen selbst. Das lässt sich natürlich besser verkaufen, weil das Konzept songorientiert ist und einen showtauglichen Frontmann bietet. Lediglich Beck verlegte sich nach Rod Stewarts Ausscheiden vorwiegend auf Instrumentales. Allesamt Gitarrengötter mit ganz eigenem und wiedererkennbarem Stil.

Hendersons Spiel entstammt dem Bluesrock, die Herangehensweise aber dem Jazz. Kein Wunder, hat er doch bereits mit Chick Corea, Jean-Luc Ponty und Joe Zawinul, dem legendären Weather Report-Keyboarder zusammengespielt. Hendersons Ruhm schlägt sich weniger in den Charts nieder, wohl aber dokumentieren etliche vordere Plätze in den Bestenlisten diverser Fachmagazine seine Reputation in Fankreisen. Sein Trio komplettieren der 26-jährige Drummer Archibald Ligonniere und der französische Bassist Romain Labaye.

Der 1954 geborene US-Amerikaner Henderson wächst in einer Zeit auf, in der Bluesrock seinen Popularitätshöhepunkt erreicht. Er spielt zunächst in diversen Clubs Coverversionen von Led Zeppelin bis James Brown, bis er den Stil entwickelt, der in der Sumpfblume bestaunt werden konnte. Der studierte Arrangeur und Komponist bietet alles, was das Gitarrenfan-Herz beglückt: Splitterakkorde, Fingerakrobatik das Griffbrett hoch und runter, martialische Rockriffs, fast freejazzige Exkursionen, klagende Wah-Wahs, aber auch schwebende Klänge, die Erholung von den Soundattacken bieten. Dies aber zu selten. Man muss sich schon an den atemberaubenden Fähigkeiten des Meisters an seiner mintgrünen Suhr-Gitarre berauschen können, um bei ausufernden Sirenen- und Kreisch-Sounds nicht nervös zu werden und um die mittels Vibratohebel imitierten Slide-Effekte zu goutieren.

Labaye und Ligonniere bieten mehr als eine Rhythmusbasis. Beide glänzen mit einem Solo, vor allem Labayes erstaunlich melodiöser Bass ist Balsam für die Ohren. Henderson, dessen Stücke mitunter Gefahr laufen, in selbstbeweihräuchernden Technikpräsentationen auszufransen, bekommen dennoch meist die Kurve zu wiedererkennbaren Riffs. Die Aufforderung ans Publikum, Gesang beizusteuern, kann natürlich nicht ernst genommen werden.

Vom Können her darf sich Henderson locker unter all die Gitarrenhelden mischen. Die Musik indes ist nicht als Crowd-Pleaser gedacht, und so haben sich gerade knapp 70 Fans vor der Bühne versammelt. Man musste den mageren Besuch befürchten, zog es Mitte März noch weniger Zuschauer in den Club, als die Vargas Blues Band ein hörenswertes Konzert gab, immerhin beworben mit einem Gitarristen, der nicht nur bei Santana spielte, sondern Vergleichbares drauf hat, und dem Neffen von Mick Jagger als Gastsänger, was für einen gewissen Glam-Faktor sorgte. Das Schicksal der Gitarrengötter im 21. Jahrhundert: Sie ziehen keine Massen mehr an. Hendersons Ziel, sagt er grinsend, sei ein Grammy für den längsten Song. Viel Glück!




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