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Versenkte Version von Shakespeares „Der Sturm“

Schiffbruch

HAMELN. Es könnten die Müllsäcke sein, die zuletzt nicht abgeholt wurden – die sich hier stapeln und das TAB zumüllen für Shakespeares „Der Sturm“ – sein letztes Werk, in dem man so gerne das Vermächtnis des „trunkenen Wilden“, wie Voltaire ihn nannte, gesehen hätte.

veröffentlicht am 17.01.2019 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 17.01.2019 um 20:00 Uhr

Verena Koch: Was immer sie sich auch gedacht haben mag – sie hat einen Riesen zum Zwerg gemacht. Foto: verena Koch/pr
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Autor

Richard Peter Reporter

Prospero, Shakespeares alter Ego, zerbricht den Zauberstab seiner Bühnenkunst, begräbt seine Bücher, die für die Stücke stehen. Was nicht ganz stimmt, weil zumindest noch ein „Heinrich VIII.“ nachgeliefert wird, vermutlich auch „Ein Wintermärchen“. Dennoch ein Vermächtnis, vorgezogener Schwanengesang eines ganz Großen der Bühne und allemal, wie Prospero von sich und vom Theater sagt: „Wir sind aus solchem Stoff wie der zu Träumen.“

Davon kann die Produktion Zweitspiel aus Linz – die als „Auswärtsspiel“ letzte Saison in der Schiller-Aula mit Schillers „Die Räuber“ noch überzeugte – hier nur träumen. Eines der poetischsten Werke, ein Märchenspiel um Macht und Intrigen und einem Prospero, der dank seiner Fantasie die Realität aufhebt. Von seinem Bruder Antonio als Herzog von Mailand mit seiner kleinen Tochter Miranda vertrieben und in einem Boot ausgesetzt, überlebt er nur, weil ihn sein alter Rat Gonzalo mit Lebensmitteln und seinen Büchern versorgt.

Seit Jahren lebt er nun auf einer einsamen Insel, versucht Caliban, den Sohn einer Hexe, zu zivilisieren und hat sich den Luftgeist Ariel gefügig gemacht, So lässt er das Schiff des Königs von Neapel, auf dem sich auch Antonio befindet, in einem Sturm Schiffbruch erleiden und hält die Geretteten auf seiner Insel fest. Nur Ferdinand, den Sohn des Königs, isoliert er, bringt ihn mit seinem Töchterchen zusammen. Der weise Alte, wieder als Herzog eingesetzt, verzichtet auf Rache – verzeiht. Ende gut, alles gut.

Bis auf die Inszenierung, die am Mittwochabend im schwach besuchten TAB mit diesem „Sturm“ Schiffbruch erleidet. Mehr noch: untergeht. Was immer sich Verena Koch, die das Debakel inszenierte und sich in verschiedenen Rollen von Prospero bis Caliban tummelt, sich auch gedacht haben mag – sie hat einen Riesen zum Zwerg gemacht. Der Zweite im unguten Bunde: Christian Manuel Oliveira als Ariel, Musiker und Kellermeister Stephano unterwegs. Bitter zu sehen, wie zwei hochbegabte Schauspieler, die ihr Handwerk eigentlich verstehen, Potenzial besitzen, sich hier aber mit Klamauk selbstverliebt produzieren und vermutlich alles spielen, nur nicht das Stück, das sie als von William Shakespeare angeben. Da werden Sketche – selbst sie banal – zum Selbstzweck, wird viel und unmotiviert gesungen – nur eines nicht: „Der Sturm“ gespielt. Schade um einen verlorenen – schlimmer: ärgerlich verpfuschten Abend samt Etikettenschwindel.




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