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Erlebnis für Ohr und Auge

Schwindelig gebreakt

HAMELN. Wenn Bach der Himmel ist, kann Mozart für sich das Paradies besetzen, während die Breakdance-Gruppe DDC eher mit Bodenhaftung spielt. Aber das nicht weniger begeisternd.

veröffentlicht am 27.01.2019 um 17:39 Uhr

Mozart und Breakdance – eine spannende Mischung. Foto: pr/flownmary
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Autor

Richard Peter Reporter
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„Breakin’ Mozart“ heißt das Programm – Klassik meets Breakdance. Eine einzigartige Begegnung im Hamelner Theater, die mit Mozarts Klaviersonate A-Dur, live gespielt, startet, bis mit der „Figaro“-Ouvertüre „Die Clique“ ihr Feuerwerk zündet. Das ist ganz groß, wie hier das Salzburger Wolferl samt Zopf auf Straßenkunst trifft. Akrobatik, dass dem Zuschauer schwindelig wird. Mozarts so geniale Musik spielt mit, gibt den Takt vor, der von der Truppe spielerisch aufgenommen wird.

Live auch die Königin der Nacht mit „Oh, zittre nicht ...“ aus der „Zauberflöte“. Staccato und die Kolloraturen umgesetzt in brillante Figuren, Pirouetten auf dem Kopf, synchrone Beinarbeit und nichts so ganz ernst genommen, satirisch gebrochen, aber immer bewundernswert präzise, weil die riskante Show nur so funktionieren kann mit Soli, in denen jeder seine Glanznummern vorführt, grandiose Duos mit riskanten Hebungen, Saltos aus dem Stand, unbeschreibliche Wirbel. Und alles scheinbar mühelos, mit einer Leichtigkeit, die einen vergessen lässt, wie viel Können und Schweiß dahinter steckt. Bewundernswert, wie sich hier Kraft, Körperbeherrschung, Lust am Tanz und Musikalität mischen. Wunderschön die „Elektra“-Arie mit Darlene Ann Dobisch aus „Idomeneo“. Zuvor schon das vertraute „Reich mir die Hand mein Leben“ aus dem „Don Giovanni“ als komödiantische „Paartherapie“. Mozarts Musik – mal original, dann verfremdet, mit Saxofon oder prägnanten Drums und das Wolferl als einer von ihnen. „Seitensprung“ – eine brillante Duo-Show mit akrobatischen Einlagen, bei denen Felice Aguilar mit dem Kopf hart auf den Bühnenboden aufschlägt und dennoch weitertanzt, mit riskanten Hebungen, spektakulären Tanzeinlagen. Bewundernswert, wie sie die Show durchtanzt, nur beim Applaus wegbleibt. Zu hoffen, dass sie sich nicht allzu schwer verletzt hat.

Mozarts brillante „Rache-Nummer“ der Königin der Nacht, witzig gebrochen mit Gregory Strischewsky. Kraftpaket – Spezialität: Springen auf einer Hand – wie Michael Lamprecht, aber auch Wirbelwind Marcel Geißler. Ebenbürtig Alexander Pollner, der zusammen mit Strischewsky und Geißler die einzelnen Szenen auch choreografierte. Dazu Raphael Götz und Krzysztof Malicki. Blendend eingefügt fürs Mozart-Spektakel die Hildesheimerin Tessa Achtermann und Matthias Veit am Klavier.

Ein Erlebnis allemal, dieses „Breakin‘ Mozart“, in dem Klassik sich so hinreißend mit Breakdance zu einer einzigartigen Show verbindet.




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