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Die „Singphoniker“ begeisterten mit Werken von Schubert und Kreisler

„Tauben vergiften im Park“

HAMELN. Es gab eine Vorbereitung auf das vierte Hamelner Konzert der „Dewezet Classics“ mit dem Vokal-Ensemble „Die Singphoniker“. Christian Bachmann informierte am Sonntag sehr kundig über Werke und Interpreten, und Richard Peter berichtete danach ausführlich über eben diese Information. Die Folge: unser Theater war am Konzertabend erfreulich gut besetzt, und man erwartete Besonderes. Das wurde aller-dings auch geboten.

veröffentlicht am 27.02.2019 um 16:42 Uhr
aktualisiert am 27.02.2019 um 17:50 Uhr

Das Vokal-Ensemble „Die Singphoniker“ überzeugte mt seinem feinst aufeinander abgestimmten Solo-Stimmen. Foto: geb

Autor:

E. W. Hollaender

Die Singphoniker, 1980 gegründet, sind wohl das älteste, bekannteste und inzwischen berühmteste Ensemble ihres Genres. Und nun erlebten wir sie in Hameln: sechs Herren, optisch nicht gerade auffallend, aber mit wahrhaft hochkarätigen Stimmen ausgestattet.

Ein Countertenor, zwei Tenöre, ein Bariton, ein Baß, dazu ein versierter Pianist, sie boten Musik von Franz Schubert und Georg Kreisler. Dabei handelt es sich um zwei eigentlich recht gegensätzliche Künstler, von der Zeit ihres Wirkens bis hin zum Wesen ihrer Werke gesehen. Und dennoch, seltsam, kaum begreiflich, es passte zusammen!

Schon der Anfang bestätigte das: Schuberts Lied „Sehnsucht“ mit einem Goethe-Text und Kreislers „Frühlingsmärchen“ ergänzten einander. Man hörte aber auch ausgebildete Solo-Stimmen, feinst aufeinander abgestimmt, mit absolut sicherer Intonation, delikater Dynamik. Wenn man von „Harmonie“ sprechen wollte, hier erlebte man sie in Vollendung. Dann die aufregenden, sarkastischen, teilweise auch bösen Stücke von Georg Kreisler: Erfrischend, vielleicht gar verstörend vernahm man, wie eine Frau von „Jochen abgestochen“ wurde, fröhlicher dann, wie der „guade oide Franz“ in Austrias Gemarkungen, natürlich in Wien, herumgeisterte.

Mitreißend ging es zu, als die Singphoniker schmissig das „Bidlabu“ schmetterten. Und Kreislers Beziehung zu den Frauen klang auf in „Sie ist ein herrliches Weib“ (aber sie konnte eigentlich vieles nicht!).

Man erinnert sich auch an die schmunzelnd aufgenommene Textzeile „Schöne Frauen kosten sehr viel Geld!“ Nun ja. All diese Geniestreiche und viele weitere präsentierten die Sing-phoniker mit spürbarer Freude an plastischer Darbietung, auch am Karikieren und immer mit stimmli-chem Glanz.Bei den Schubert-Liedern mußte der dabei nicht gebrauchte blendende Countertenor Chirstopher Zehrer auch mal pausieren, der brillante Pianist Berno Scharpf hatte seine Passagen in einigen Kreisler-Stücken.

Im übrigen wurden die musikalischen Höhepunkte ergänzt durch hörenswerte Moderationen, bei denen die Sänger zu Rezitierenden wurden. Was dieser besondere Abend bot, wurde von der Hörerschaft begeistert aufgenommen.

Und was gab es als Zugabe? Natürlich das wohl bekannteste Kreisler-Stück „Geh’n wir Tauben vergiften im Park!“ Welch‘ Glück: die vielen Hamelner Tauben blieben verschont.




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