weather-image
23°
×

Der Künstler verstarb im Alter von 83 Jahren

Trauer um Friedrich Heißmeyer

HAMELN/LACHEM. Vor kurzem war er noch bei der Ausstellungseröffnung „…zu guter Letzt“ von Reinhard Lange im Kunstkreis, in dem er selbst mehrfach mit seinem so vielfältigen Werk vertreten war – vergangene Woche ist Friedrich Heißmeyer im Alter von 83 Jahren verstorben.

veröffentlicht am 28.01.2020 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 28.01.2020 um 21:00 Uhr

pe

Autor

Reporter

Ein Künstler, der nicht nur unterschiedliche Materialien, Formen und Formate geschaffen hat – wie kaum ein anderer mit verwandten Künsten kommunizierte. In seinem Scheunenatelier in Lachem war immer auch die Literatur – Lyrik vor allem – präsent. Auch die Musik und Prof. Jörn Arnecke, auch er Hamelner, hat immer wieder neue, nie gekannte Töne für die Vernissagen komponiert. Multikulti auf engstem Raum und Markenzeichen von Friedrich Heißmeyer.

Was ihn zusätzlich auszeichnete: seine Ursprünglichkeit. Ein Künstler, der eigentlich Landwirt werden sollte – sich aber für alles Künstlerische interessierte, sich universell inspirieren ließ. Plastiken in Holz, Stein, Eisen, Ton – und Holz nicht einfach Holz. Umgestaltung – und Stein in seiner Vielfalt, formbarer Ton und die Raku-Technik exzessiv ausgeschöpft. Worauf es Heißmeyer ankam: Materialien ihren spezifischen Ausdruck zu lassen. Bewusste Sprödigkeit, die seine Arbeiten dominiert.

Ob seine beiden so archaisch anmutenden Skulpturen wie das „Friedenstor“ am Albert-Einstein-Gymnasium, an dem er zuletzt als Kunsterzieher engagiert war oder sein „Trigon“ am Weserufer, auch die unzähligen Plastiken und Grafik-Blätter, die er geschaffen hat. Auf seinem Hof in Lachem hatte er sich mit dem Scheunenatelier, dem Skulpturengarten und zusätzlichen Räumen für seine Keramiken eine einzigartige Kulisse geschaffen. Unvergessen die Ausstellungen im Jahresrhythmus mit ihrem so unvergleichlichen Ambiente.

Heißmeyer, 1937 in Hameln geboren, studierte an der Folkwang-Schule in Essen, an der École des Beaux-Arts in Paris, in Berlin und London. War 30 Jahre lang Kunstlehrer am Ernestinum in Rinteln, bevor er nach Hameln wechselte. Ein Satz von Brancusi, einem poetischen Zwillingsbruder zu Heißmeyer, könnte als Motto über seinem Werk stehen als eine Art generelle Ortsbestimmung des Künstlers: „Wir müssen zugleich Gott sein, um zu schaffen, König, um zu herrschen und Sklave, um zu machen“.

Geradezu existenziell für Heißmeyers Kunst – Rhythmus, der ihm fast alles bedeutete. In der Skulptur gleichermaßen wie dem Bild und der Grafik aber auch den keramischen Arbeiten mit dem steten Wechsel der Formen, der Farben – und eben auch im Wort und natürlich: der Musik. Lieblingsgedichte: Lorcas „Stille neiget jedes Hauptes Stirn“ oder Ossip Mandelstams „Abschied ist der kleine Bruder des Todes“. Heißmeyer, der so viele „Symbole des Lebendigen“ schuf, wird Hameln fehlen.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige