weather-image
David Stoebel mit neuem Album

Trauma: „Mein Lehrerdasein beeinflusst mich als Rapper nicht“

MINDEN. Mit dem Song „Mi, Myself & I“ hat Rap-Musiker David Stoebel alias Trauma im Sommer dieses Jahres nicht nur seiner Heimatstadt Minden, sondern ein Stück weit auch sich selbst ein Denkmal gesetzt. Nach den Singles „Vorwort“ und „Kopf zur Sonne“ erscheint am Freitag das neue Soloalbum der einstigen Hälfte des Rap-Duos Stress & Trauma aus dem Umfeld von Curse: „Die Kunst zu leben“. Ein Gespräch mit dem hauptberuflichen Lehrer über seinen Hype in Minden, Inspiration durch seine Schüler, Alkohol und andere Einflüsse.

veröffentlicht am 25.10.2018 um 16:23 Uhr
aktualisiert am 25.10.2018 um 17:20 Uhr

Trauma veröffentlicht mit „Die Kunst zu leben“ sein neues Soloalbum. Foto: Artur Wiens/pr
Philipp Killmann

Autor

Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Wie hat sich dein Minden-Song „Mi, Myself & I“ auf dich als Rapper, Lehrer und Mindener ausgewirkt?

Es hat sich, wie immer, gar nicht so viel verändert. Natürlich hört oder sieht man manchmal die Leute tuscheln und die Kollegen sprechen mich darauf an. Meine Schulleitung zum Beispiel steht total hinter mir und schiebt den ganzen Hype sogar noch an. Was ich allerdings insgesamt gesehen sehr schön finde, ist, dass die Mindener sich mit diesem Song identifizieren können und seien es auch nur die Bilder, einzelne Zeilen, bestimmte Nennungen oder der Chorus. Und dafür geben sie mir Liebe zurück - das ist schon etwas Besonderes.

Inwiefern beeinflusst dich deine Arbeit als Lehrer als Rapper? In Songs wie „Lass es so sein“, der auch von Mobbing handelt, wirkt es als hätten dich vielleicht deine Schüler dazu inspiriert.

Ich denke gar nicht mal, dass mein Lehrerdasein mich als Rapper beeinflusst. Wahrscheinlich ist es eher anders herum. Ich war ja zuerst Rapper und wurde dann Lehrer. In der Schule bin ich, wahrscheinlich durch meine Erfahrung mit der Rap-Musik, näher an den Schülern, die ja heutzutage schon die Charts rauf und runter hören – und die Charts werden von Rap dominiert. Nichtsdestotrotz kann es gut sein, dass mich die Kinder zu dem Thema dieses Songs motiviert haben. Obwohl die Hook im Keller bei Germany entstand. Während er eine Melodie auf den Beat nuschelte und diese dann vorgab, füllte ich dieses Nuscheln mit Wörtern, und somit hatten wir unseren Aufhänger. Abgesehen davon ist es ein wichtiges Thema, und ich denke, dass man schon die Kinder und Jugendlichen damit vertraut machen sollte.

Wissen deine Schüler, dass du rappst?

Ja, die bekommen das immer mit. Das muss ja nur ein Kind erfahren haben, schon verbreitet es sich rasant in der gesamten Schule. Die Kinder stehen total drauf. „Rapp´ mal, Herr Stoebel! Wann machst du wieder ein neues Video? Wie viele Abonnenten hast du? Kennst du….?“ Das sind ihre häufigsten Fragen und Aussagen.

Apropos Lehrer: Viele deiner Songs sind in der 2. Person Singular geschrieben, teilweise auch im Imperativ. Kommt da der Lehrer in dir durch oder richten sich diese Ansagen vor allem an dich selbst?

Gute Frage. Es ist auf jeden Fall nicht meine Absicht dich als Hörer befehlend durch das Leben zu schicken. Von daher wird es schon eher an mich gerichtet sein, allerdings wird es mit dem „Du“ auch auf dich übertragen, sofern du die gleiche Ansicht der Aussage hast. Ich kann ja auch gar nicht wissen, wie sich dein Leben gestaltet, und das Geheimrezept für das perfekte Leben haben. Ich denke nur, dass diverse Anleitungen zu einem besseren Leben verhelfen könnten, so wie ich wahrscheinlich auch in Büchern oder im Alltag welche finde.

Hast du bei deinem Album eine bestimmte Zielgruppe im Blick gehabt?

Überhaupt nicht. In erster Linie mache ich die Musik, weil ich Bock darauf habe, alles niederzuschreiben, was mir gefällt – wem es dann gefällt, ist definitiv nebensächlich. Mir ist aber schon bewusst, dass ich die „alten“ Fans von Stress & Trauma erreichen wollte, da ich inhaltlich geblieben bin, wie ich letztlich auch 2013 beim letzten Stress & Trauma-Album war. Was mir auch klar ist, ist, dass die Zielgruppe nicht die Schulhofkinder sind, so wie die meisten, die auch den Rappern zum Ruhm verhelfen.

In „Kleid“ sprichst du unter anderem von „Dealen im Park“ und „Schlimmerem, das im Libanon passiert“. Wo haben diese Bilder ihren Ursprung und auf was beziehen sie sich?

Ich denke, inhaltlich ist das Zitat „Dealen im Park“ überall auffindbar und manchmal machen es die Leute auch nur, um über die Runden zu kommen. Der andere Satz - „Ich kann verstehen wenn du nur Niederschläge siehst / Wir haben Probleme, auch wenn Schlimmeres im Libanon geschieht“ - bedeutet ja, dass man auch seine eigenen Probleme hat, auch wenn woanders gerade Menschen sterben. Und dann sagen Menschen ja oftmals zu einem: „Ist nicht so schlimm“, aber natürlich sind die eigenen Probleme oft die Schlimmsten - auch wenn gerade Schlimmeres im Libanon geschieht. Sicherlich mag das egoistisch klingen, aber man lebt ja sein Leben. Somit beziehen sich beide Sätze auf die allgegenwärtige Realität.

Und wieso ausgerechnet Libanon? Die Nachrichten sind derzeit ja eher voll von Schreckensmeldungen aus Syrien oder Afghanistan…

Schreckensmeldungen gibt es aus fast allen Ländern. Abgesehen davon gibt es ja auch massig Syrer in Libanon. Ich denke, ich hätte genauso gut Syrien oder Afghanistan sagen können, aber ich glaube nicht, dass ein Land mehr Schrecken davon trägt als das andere. Ich habe ja auch zum Beispiel in dem Song „Das Leben ist verdammt gut“ über den Danziger Platz in Ludwigshafen gerappt (Dort kamen 2008 bei einem Hausbrand neun Türken ums Leben. Es wurde spekuliert, ob es sich um einen rassistischen Brandanschlag hielt. Allerdings schlossen die Ermittler diese Ursache am Ende aus; Anm. d. Red.). Das Geschehen, welches ich im Song nenne, passierte vor zehn Jahren – aber das Thema ist heute immer noch aktuell, nur in einer anderen Stadt. Man muss nicht immer die aktuellsten Geschehnisse benennen, wenn es doch andere schlimme auch gab.

Die für mich mit Abstand stärksten Songs sind „Rettungsboot“ und insbesondere „Gib’n Schluck“. Dieser lallende Flow steht dir und deiner Stimme sehr gut. Welche Rolle spielt Alkohol in deinem Leben?

Danke. Welche Rolle spielt Alkohol in meinem Leben? Zum Glück nicht die wichtigste. Aber dennoch bin ich gerne mit den Jungs unterwegs, immer wieder noch auf Konzerten und dabei fließt halt auch Alkohol. Beim Schreiben der Texte trinke ich gelegentlich auch mal Wein - natürlich nur wenn ich abends schreibe. Ich finde er entspannt und inspiriert mich zugleich. Nach anstrengenden Tagen kann ein Glas Gin auch mal zur Entspannung verhelfen. Auch wenn das jetzt nach großem Konsum klingt, ist es doch sehr bedacht und nimmt keine Überhand. Bei „Gib `n Schluck“ fand ich es sehr spannend, einfach mal das aufzuschreiben beziehungsweise zu sagen, was man tatsächlich häufig nur sagt, wenn man einen über den Durst getrunken hat. Daher ist in diesem Song auch die explizite Sprache vorhanden. Die Reihenfolge der beiden Tracks auf dem Album fand ich amüsant, weil das sicherlich viele in genau dieser Reihenfolge kennen. Erst „Nie wieder“ und dann „Gib her“.

Was hat es mit dem vorangehenden Skit und der Salzstraße 41 auf sich und wer sind die Sprecher?

Die Sprecher sind meine Freunde. Wir waren Silvester 2017 in Freiburg und haben uns dort in der Salzstraße 41 einquartiert. Als zwei Freunde später von einer Party zur Wohnung kommen wollten, wussten sie nicht mehr genau, wo es hingeht, natürlich wegen Alkoholkonsums. Das Gespräch hatten wir einfach nur aufgenommen, um uns am nächsten Tag darüber zu amüsieren. Als ich aber bei Brisk Fingaz im Studio war und wir „Rettungsboot“ fertig machten, ist mir dieses Telefonat eingefallen und ich wollte es unbedingt als Einleitung des Ganzen haben.

Brisk Fingaz hat den Großteil deines Albums produziert. Wie kam die Zusammenarbeit mit ihm zustande?

Mein Album begann damit, dass ich auf Ami-Instrumentalen wieder anfing zu schreiben. Es entstanden wieder viele Ideen und Reime…

Was waren das für Instrumentals?

Das weiß ich leider nicht mehr so genau. Die ersten Texte für das Album schrieb ich ja schon vor ungefähr vier Jahren. Anfangs war ich mir noch nicht mal ganz sicher, dass ein Album daraus entstehen würde. Ich brauchte also wieder Beats, mit denen ich ein Album bestücken konnte. Ich habe lange nachgedacht – im Laufe der musikalischen Karriere gab es viele Ansprechpartner, die ich hätte anfragen können, aber ich wollte zum Ursprung zurück. Gar nicht unbedingt musikalisch gesehen, aber zu der ersten Person, die damals auch die Beats beisteuerte – das war Brisk Fingaz (Er produzierte das Gros von Stress & Traumas Album „Big Minden Vol. 2“; Anm. d. Red.). Ich erzählte ihm von meinem Vorhaben, gab aber zu bedenken, dass ich nicht die typischen Old-School-Beats mit dem Boom-Bap-Sound haben wollte, sondern eher eine Mischung dessen mit dem heutigen Soundbild. Da er auch im zeitlichen Musikgeschehen aktiv war, war es kein Problem für ihn, einige Beats so zu produzieren, wie von mir erwartet.

Im Booklet deines Albums dankst du Brisk Fingaz dafür, dich „zurückgeholt“ zu haben. Wie meinst du das?

Er hat mein Album soundtechnisch so aufgebaut und untermalt, wie es meinen Vorstellungen entsprach. Es war auch seine Bereitschaft, Motivation und Begeisterung für ein neues Album von mir, welche mich immer wieder antrieb und frohen Mutes zum Stift greifen ließ.

Wie war Eure Zusammenarbeit nach so langer Zeit gemeinsam im Studio?

Sehr gut. Erst einen halben Tag beschnuppern. Es waren ja viele Jahre vergangen und man hatte sich verändert. Doch dann war es wie immer. Wir haben uns viel über Musik ausgetauscht, viele Ideen überlegt und umgesetzt, viel geredet und viel gelacht. Es war eine echt schöne, entspannte, reibungslose Atmosphäre während der Zusammenarbeit.

Von welcher Musik hast du dich für dein Album beeinflussen lassen? Kannst du konkrete Musiker und Alben nennen?

Ich hatte keinen bewussten Einfluss für mein Album in der Entstehungsphase. Ich höre eigentlich im Rap-Genre alles hoch und runter. Sowohl die deutschen als auch die amerikanischen Sachen. Sicher mag ich nicht alles, aber mein Ohr ist immer offen für die komplette Rap-Welt.

Dann anders gefragt: Wen oder was hast du dir während der Schaffensphase deines Albums überwiegend angehört?

Am häufigsten gehörte Alben waren von Kendrick Lamar und J. Cole, dann ein bisschen Curtis Harding, The Weeknd, Lukas Graham, The Roots, Schoolboy Q, Megaloh, Trettmann, Mac Miller, Umse, aber auch ein paar „Lil`s“ und „Yung`s“.

Unüberhörbar ist der Einfluss von Curse nicht nur im Hinblick auf deinen Rap-Stil, sondern vor allem auch mit Blick auf deine Art des Storytellings. Welche Rolle spielt Curse für dich als Rapper?

Curse und ich kennen uns nun mittlerweile schon knapp 25 Jahre. Man hat die Anfänge in den Studios zusammen verbracht und musikalisch gesehen konnte ich anfangs sicher viel von ihm lernen. Wahrscheinlich hat das meinen Rap-Stil immer noch ein wenig geprägt. Allerdings muss ich sagen, dass man die Art des Storytellings nicht unbedingt lernen kann, oder? Das ist auch schon ein Stück weit Talent. Ich denke, das hängt eher damit zusammen, dass ich auch viel gelesen habe und schon immer Interesse für Geschichten hatte. Curse spielt in dem Sinne noch eine Rolle als Rapper für mich, als dass er einfach von uns Mindener MCs die meiste Erfahrung hatte und demnach als idealer Ansprechpartner fungiert.

Dein Talent steht außer Frage. Mir ging es eher um die Art und Weise: Erzählen in der 3. Person Singular. Muss da spontan an „Herbstwind“ von Curse denken. Aber kommen wir nochmal aufs Lesen zu sprechen. Gab es Bücher, die du in der Entstehungsphase deines Albums gelesen hast?

Ja, sehr häufig die Bücher von Paulo Coelho. Oder „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, „Was ich vom Leben gelernt habe“ von Oprah Winfrey, „Meine Waffe ist das Wort“ von Nelson Mandela, „Der Fänger im Roggen“ von J.D. Salinger, „Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ von Per J. Andersson. In manchen Büchern habe ich auch nur rumgeblättert, zum Beispiel in Gedichtbüchern wie „Words that Kill“ von Vivid Vega.

Was hast du dir beim Titel des Albums gedacht? Er erinnert ein wenig an Erich Fromms „Die Kunst des Liebens“…

Tatsächlich besitze ich dieses Buch von Erich Fromm und finde es gut. Die Titelgebung hat aber nichts damit zu tun. Ich denke immer wieder mal über das Leben nach und finde auch, dass es ein starkes Wort ist. Der Musiker betreibt eine Kunst. Somit sind beide Worte miteinander vereint. Zusätzlich kann man auch das Zitat meines Intros nehmen: „Weil`s für mich ne Kunst ist wie das Leben selbst und auch zu leben / Nannt` ich`s eben einfach gerade aus direkt: ,Die Kunst zu leben‘“.

Du hast dein Album vorab auch noch mal von Curse gegenhören lassen und daraufhin noch ein paar Änderungen vorgenommen, wie bei „News – das magazin“ zu lesen ist. Was waren das für Änderungen?

Curse war für sein Album hier in Minden bei den Hitnapperz im Studio. Da ich auch vor Ort war und er ein offenes Ohr hatte, bat ich ihn darum, mal das Album zusammen durchzuhören. Er gab zu jedem Song seine Meinung und ich zog mir das für mich relevanteste heraus und setzte es zum Teil um. Bei dem Song „Alleine“ ist innerhalb der letzten vier Zeilen eine Person gestorben, da sie eine Pistole aus einer Schachtel nahm und Suizid begann. Nach dem Gespräch mit Curse fand ich es erhellend, dass man als Künstler auch seinen bestimmten Einfluss hat und dem Hörer vielleicht nicht dieses Ende schenken sollten, da der Song auch depressiv angehaucht ist. Also schrieb ich die letzten vier Zeilen so um, dass etwas anderes in der Schachtel zu finden war.

Ein Rat, den er wohl selbst schon auf seinem ersten Album mit „Schlussstrich“ beherzigt hat…

Stimmt.

Deine Songs sprechen eine sehr offene Sprache, die Texte sind weit mehr plakativ als subtil. Hast du Angst, missverstanden zu werden?

Eigentlich nicht. Angst wäre auch das falsche Wort. Man kann ja ruhig alles hinterfragen, was ich sage, und sich aus allem das rausziehen, was einen anspricht beziehungsweise bereichert. Ich möchte ja nichts vorschreiben, auch wenn es eventuell den Anschein hat – jeder hat seinen eigenen Kopf und ich mache Songs zum Nachdenken. Zudem sind plakative Texte einprägsamer und demnach vermitteln sie schneller meine eigene Ansicht.

Welcher Song auf deinem Album ist denn dein Lieblingssong?

Verschiedene. Vom Storytelling her ist es ganz klar „Luftballon“. Die Story ist echt verstrickt. Ich meine, im ersten Part dehne ich eine Szene aus, die erst im dritten Part stattfindet. Und sowieso, diese Geschichte lässt bei mir am Ende des Songs immer noch Gänsehaut entstehen. Der Song „Gib`n Schluck“ ist wohl mit der innovativste. Es hat extrem Spaß gemacht, ihn zu schreiben, aber vor allem auch, im Studio zu performen, auch wenn er eigentlich nur traurige Sachen erzählt. „Lass es so ein“ finde ich rundum sehr gut gelungen. Die Kinder, das Feature, der Beat, das Thema, die Lyrics, der Flow – gelungen.

Wie bist du mit den Hitnapperz, Donato und Germany zusammengekommen, die auch auf deinem Album vertreten sind?

Die Hitnapperz sind schon jahrelang unter uns Mindenern Künstlern bekannt. Früher war Toni noch einer der besten Breakdancer und Ricco, sein Bruder, hat schon damals Beats gemacht. Ich habe sie also einfach mal im gleichen Atemzug nach aktuellen Beats gefragt – und die haben mich dermaßen umgehauen. Die Hitnapperz waren zu der Zeit auch gerade an diversen Projekten beteiligt und in den Startlöchern mit so vielen Sachen. Ich bin echt mega froh, dass ich sie noch für drei Songs für mein Album gewinnen konnte. Hier sieht man auch den teilweise bestehenden Mindener Zusammenhalt, denn die Jungs haben immer gesagt: „Ey, das ist Minden, wir machen das auf jeden Fall“.

Donato habe ich angefragt, da er auch damals einer der ersten war, der mich nach einem Feature für sein vor 13 Jahren erschienenes Debutalbum fragte. Zudem ist er inhaltlich auf einem extrem hohen Level. Das ich Germany auf meinem Album habe, ist eine reine Selbstverständlichkeit. Er ist immer so positiv dazu eingestellt und so motiviert, dass es einen mit in den Bann zieht. Manchmal schickt er einfach mal Sprachnotizen mit Reimen und dann gibt man Feedback. Germany war für den Song einfach prädestiniert, gerade weil er inhaltlich nicht unbedingt dafür steht, er es aber hervorragend kann. Natürlich wollte ich auch Italo Reno drauf haben, der es aber zeitlich einfach nie einrichten konnte, da er aber auch einfach viel unterwegs ist. Auch Curse sollte ursprünglich auf mein Album, allerdings war er zu der Entstehungsphase meines Albums noch nicht wieder aktiv. Aber so was kann man ja zum Glück immer nochmal nachholen.

Sein „Comeback“-Album „Uns“ erschien doch schon 2014. War er danach wieder „abgetaucht“?

Als ich anfing, meinem Album einen Namen zu geben, war es ja ungefähr zu dieser Zeit, und Mike hatte sich rap-technisch neu definiert. Aber für ein Feature war er zum damaligen Zeitpunkt einfach noch nicht bereit. Soweit ich weiß, gab es zwischen „Uns“ und „Die Farbe von Wasser“ auch keine Features, die er bei irgendwem beigesteuert hat.

Was ist mit Stress? Er taucht auf deinem Album nicht auf, hat inzwischen aber ein eigenes Soloalbum angekündigt. Wie ist Euer Verhältnis seit der Auflösung von Stress & Trauma?

Bei der Entstehung meines Albums hatte ich Stress mehrfach für Features angefragt, leider war er da noch nicht wieder bereit, wieder den Stift in die Hand zu nehmen. Er hatte sich ja entschlossen, keine Musik mehr machen zu wollen und lebte sich aktiv in der Fotografie aus. Sein kommendes Soloalbum läuft ja auch nicht mehr unter dem Namen Stress, da er sich damit nicht mehr identifizieren konnte. Ich glaube, dass er in seiner neuen Musik Vieles der letzten Jahre verarbeitet. Unser Verhältnis ist sehr geschmälert. Man sieht und hört nichts voneinander – das ist mittlerweile aber auch okay. Jeder hat sein Leben und vielleicht begegnet man sich ja nochmal.

Deine Crew, also die Leute, die dein Artwork, Videos und so weiter gemacht haben, sind auch alles Mindener?

Ja, fast alle Beteiligten stammen aus Minden. Daniel, der das Artwork gemacht hat, hat auch damals schon für „Big Minden 3“ zwei Beats produziert und zudem arbeitet er als Grafiker. Die Stuhlemmer-Bros, die die Videos gedreht haben, sind zwei Brüder, die ich auch schon lange kenne. Zum Teil vom Studium, zum Teil, weil man sich als Mindener kennt. (lacht) Die Hitnapperz sind ja auch aus Minden, Germany kommt selbstverständlich auch aus Big Minden. Lediglich der Produzent Brisk Fingaz, Donato und STI, der das Mastering gemacht hat, kommen nicht aus Minden. Dass die anderen, gerade jetzt für die Videos, aus Minden kommen, macht den Ablauf um so vieles leichter.

Was hat dich dazu bewogen, das Album nicht nur digital, sondern auch auf Vinyl zu releasen?

Ich wollte selbst etwas in den Händen halten. Mittlerweile höre ich so viele Künstler und Lieder bei Spotify. Wenn mir etwas gut gefällt, bestelle ich es anschließend auch immer nochmal auf Vinyl. Zum einen für den Support und zum anderen um meine eigene Sammlung zu erweitern. Ich vertreibe es nur deshalb alleine, weil es keine Abnehmer gab, die es für mich machen wollten. Aber ist doch alles cool.

Danke für das Gespräch.

Das Album „Die Kunst zu leben“ ist bei itunes, Google Play und Amazon sowie als Vinyl auf trauma6.bandcamp.com erhältlich. Außerdem verlost die Dewezet zwei Vinyl-Exemplare. Einfach bis zum 2. November eine Postkarte mit dem Albumtitel und Anschrift an Dewezet, Redaktion, Osterstraße 15-19, 3 17 85 Hameln schicken.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare