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Technoider Elektro-Folk-Pop im Rosenhof Osnabrück

Unter der Discokugel mit Sophie Hunger

Osnabrück. Als „minimal electronic folk“ ordnet Sophie Hunger den Stil ihrer neuen CD „Molecules“ ein, die sie mit acht Songs am Donnerstagabend im Osnabrücker Rosenhof vorstellt. Im nächsten Jahr wird sie im Capitol in Hannover auftreten.

veröffentlicht am 02.11.2018 um 12:27 Uhr

Weder sprachlich noch stilistisch festzulegen: Sophie Hunger. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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Gleich zu Beginn lässt Marielle Chatain die Elektrobeats in den Saal knallen und unvorbereitete Fans, die den angeschrägten Chanson-Pop der Schweizerin lieben, geschockt zurück. Fast entschuldigend erklärte Hunger unlängst, dass sie nach ihrem Umzug nach Berlin dort überall Elektrosounds gehört, klassische Bands dagegen kaum angetroffen habe. Vielleicht schwebte dort auch der Geist von David Bowie herum, der seine elektronische Phase mit dem famosen „Low“-Album dort krönte. Wahrscheinlich aber war Hungers Neugier, mit den Stilen zu spielen, maßgebend. Der Eröffnungssong „She Makes President“ mokiert sich über Frauen, die Trump wählten, und „Tricks“ ist noch so ein Technoknaller, der in Berliner Szeneclubs gut ankommen müsste und mit Alexis Anérilles‘ Keyboard-Melodie einen Schlenker in die 80er macht.

Doch minimalistisch ist Hungers Konzept keineswegs. „Das Neue“, dieses herrliche auf den Zeitgeist spuckende Lied mit dem abgehackten Sprechgesang, der im Refrain in einen Harmonie-stiftenden Walzer mündet, führt im Mittelteil mal eben durch die Geschichte der elektronischen Musik. Über Kraftwerk-Anleihen, Jean-Michel-Jarre-Zitate und Ann-Clark-Assoziationen trommelt Mario Hänni die Band in Richtung Jazzrock, der sich zu einer krachigen Kakofonie auftürmt, abbricht und sich in einer vierstimmigen A-cappella-Schlusssequenz auflöst. „Sliver Lane“ beginnt folkig mit Hunger an der Akustikgitarre, zu „Take a Turn“ hängt sie sich sogar die Mundharmonika um. „Coucou“ ist einer dieser bezaubernden Neo-Chansons mit englischem und französischem Text. Bei dem Noir-Désir-Cover „Le vent nous portera“ greift Anérilles zum Flügelhorn – das gibt´s sonst nicht unter der Discokugel. Die hängt auch in der imaginierten Kneipe, die Hunger in dem sarkastisch-komischen Lied „I Opened a Bar“ eröffnet. Ein Zufluchtsort für Freunde, Arbeitslose, verflossene Liebhaber, die Mutter und vor allem für sie selbst. Man möchte in einer Nische hocken und dem Treiben zuschauen.

Ältere Konzertfavoriten wie der trotzig-melancholische „Walzer für Niemand“, das bejubelte „Spaghetti mit Spinat“ und zum Abschluss „Train People“ – das Leben als Eisenbahnfahrt – erfahren eine dezente Elektrifizierung. Eine Dekonstruktion, wie es auch Hungers Leben nach einer Trennung erfuhr, thematisiert in der Single „There Is Still Pain Left“. Die 35-Jährige versteht es, modulare Synthesizer und Drumcomputer durch Schlagzeug und Percussion sowie traditionelle Klavier- und Gitarrenklänge zu erden, singt mit leicht angerauter Stimme in Englisch, Französisch, Deutsch und Schwyzerdütsch. Die Wahl-Berlinerin mit Wohnung in Paris und häufigen Stippvisiten in Zürich will sich nicht festlegen. Vor allem nicht in ihrer Musik. Alles bleibt anders. Und das ist gut so.




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