weather-image
23°

Real-Irreales von Pepa Salas Vilar

Vom Wünschen und Träumen im Hamelner Kunstkreis

HAMELN. Eine gleichermaßen fremde wie vertraute Welt, hier zu Bild-Sequenzen als eine Art „visuelles Tagebuch“ zusammengefügt, dominieren seit dem Wochenende die Wände des Hamelner Kunstkreises. Pepa Salas Vilar spielt mit erinnerten Bildern, mit Film-Ausschnitten, die sie zu langen Reihen formt.

veröffentlicht am 19.05.2019 um 18:03 Uhr

Wale stehen in Spanien für Mütterlichkeit und sind allgemein ein Symbol für Bedrohtheit. Pepa Salas Vilar verknüpft reale und irreale Welten. Foto: wfx
pe

Autor

Richard Peter Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bilder, die surreal verfremdet werden. Die Welt des Films als eine des Traums und der Wünsche: „Desiderare … ma non troppo“ der Titel (italienisch für: „Wünschen …, aber nicht zu sehr“). Reale und irreale Welten werden „miteinander verknüpft“, wie es Kunsthistorikerin Christin Müller zur Ausstellungseröffnung formuliert. Eine Bilder-Schau, die Dr. Victor Svec, Vorsitzender des Kunstkreises, als „glückliche Symbiose“ bezeichnet. Ein Zusammenspiel, das die so eigenwillig faszinierende Bilderwelt der in Andalusien geborenen Künstlerin wie auch die Umsetzung in den kunstgeprägten Räumen benennt.

Das „Desiderare...“ hat viel mit Wünschen und Träumen zu tun. So sehr die Porträts an Film-Bilder der 1920er Jahre erinnern, also eine längst vergangene Zeit wiederbeleben und fixieren, stehen sie dennoch für Zukunft, weil Wünsche und Träume eher auf Künftiges verweisen – mit dem angehängten und aus der Musik bekannten Metapher „ma non troppo“ relativiert. Eine Traumwelt, in der Wünsche ihren eigenen, unverwechselbaren Platz einnehmen. Pepa Salas Vilar ist überzeugt, dass „Dinge eintreffen, die man sich wünscht“.

Sehnsuchtsbilder zu Werkreihen gestaltet, die in ihrer „historischen Anmut“, wie es in der Einführung heißt, Geschichten erzählen, die immer wieder gebrochen werden. Irritierend in so einer Reihe, die sich „Plan B“ nennt, ein Eisbären-Porträt, das überraschend „aus dem Rahmen fällt“ und für Fremdheit steht. Wie so vieles in diesen Bildern Symbol ist. Andeutung. Verwerfung. Immer wieder Wale, in Spanien feminin besetzt, die für Mütterlichkeit stehen, aber auch für ihre Bedrohtheit. Häuser als Sinnbilder für Geborgenheit – auch als Wunsch und Heimat. Und immer wieder ins scheinbar Reale geschoben irritierende Zeichen, Farbeinsprengsel, die ein Eigenleben entwickeln, wie die in Eis erstarrten Bergwelten. Dazu Wortschöpfungen, die gleichberechtigt zum Bild, dem Bildlichen, stehen. „Du bist der Traum“, heißt es da, oder „alles wird gut“ oder ein schlichtes „Doch!“

Künstlerin Pepa Salas Vilar (li.) und Laudatorin Christin Müller bei der Ausstellungseröffnung. Foto: wfx

So sehr Porträts auch die Reihen dominieren, sie sind selten nur Abbildungen, wie die beiden Mädchen, die nach Christin Müller für die „kindliche Leichtigkeit für die Offenheit des Lebens“ stehen. Zwei Köpfe, neongelb und rosa umrandet, als eine andere Form der Fremdheit, die eine komplexe Bildwelt vermitteln, die einen emotional gefangen nimmt. Eine Schau, in der sich Vertrautes und Fremdheit abwechseln – und damit eine permanente Spannung erzeugen. Pepa Salas überlässt es dem Betrachter, die Bilder und ihre Geschichten weiterzuträumen, sich zu eigen zu machen. Ganz den Sujets entsprechend, die bei aller globalen Weltläufigkeit doch spanisch geprägt sind. So auch der musikalische Rahmen bei der Eröffnung, von Bastian Maas mit Bossanova, Cha Cha und Samba gestaltet.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare