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Lederlady Suzi Quatro rockt das Theater am Aegi

Wie damals auf dem Bravo-Starschnitt

HANNOVER. Suzi Quatro jagt über die Bühne , dreht sich mit dem mächtigen Bass im Kreis, spielt funkige Soli an der Rampe, haut gemeinsam mit dem Schlagzeuger in die Felle. Keine Frage: Die 68-Jährige hat das Theater am Aegi gerockt, 800 Gäste schon allein mit ihrer Präsenz aus den Sesseln gerissen.

veröffentlicht am 16.05.2019 um 11:50 Uhr
aktualisiert am 16.05.2019 um 15:50 Uhr

Pure Energie: Suzi Quatro reißt das Publikum mit ihrer Präsenz aus den Sesseln. Foto: je
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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So könnte sich ein Dialog im Vorfeld der aktuellen Tour von Suzi Quatro anhören: „Du, ich gehe im Mai zu Suzi Quatro.“ „Oh, von der hatte ich mal einen Starschnitt.“ „Echt? Ich auch, und den von Alice Cooper mit Alufolie um den Oberkörper.“ „Genau, sonst gab’s ja keinen Grund, die Bravo zu kaufen. Aber Suzi in ihrem schwarzen Lederoverall sah mega aus.“ Vor allem in Lebensgröße an der Jugendzimmerwand.

Wer seine musikalische Sozialisation mit Glamrock von Sweet, Slade und T. Rex begann, der kam 1973 auch nicht an Suzi Quatro vorbei. „Can the Can“ schlug ein wie eine Bombe und das Pubertier staunte über die toughe Lady, die sich in einer Band wüster Biertrinker offensichtlich zu behaupten wusste. Und dann dieses unschuldig in die Kamera schauende Teenagergesicht, während der Reißverschluss bis knapp über den Bauchnabel heruntergezogen war. Und genauso sehen sie die 800 Gäste des Theaters am Aegi auf einem riesigen Plakat oberhalb der Bühne.

Gebürtig aus Detroit, schaffte Quatro erst in England den Durchbruch, weil ihr das Erfolgsduo Nicky Chinn und Mike Chapman neben „Can the Can“ weitere Chartsraketen auf den Leib schrieben: „48 Crash“ und „Devil Gate Drive“ zünden immer noch. Aber auch neue Songs wie „Macho Man“ oder „No Soul/No Control“ können locker mithalten. Also keine reine Oldieparade von Dr. Quatro. Nicht ohne Stolz berichtet sie über die ihr kürzlich von der Universität Cambridge verliehene Ehrendoktorwürde in Musik. Mit Würde trägt sie auch den Lederoverall, den sie nach der Pause gegen die Glitzerjeans eingetauscht hat. Passt!

Und nun reißt die heute 68-Jährige das im Durchschnitt nicht viel jüngere Publikum mit ihrer Präsenz aus den Sesseln. „It’s me!“, ruft sie mitten im Chuck-Berry-Cover „Sweet Little Rock ’n’ Roller“. Zum Beweis jagt sie über die Bühne, dreht sich mit dem mächtigen Bass im Kreis, spielt funkige Soli an der Rampe, haut gemeinsam mit dem Schlagzeuger in die Felle, klatscht die erste Reihe ab, animiert zum Mitsingen und -klatschen. Das volle Programm.

Die poppige Seite bestücken Hits wie „If You Can’t Give Me Love“ oder „Stumblin‘ In“. Gitarrist Tim Smith ersetzt in dem Duo Chris Norman und ist sonst Teil einer sechsköpfigen Band, deren Bläsersektion Songs wie „Your Mama Won’t Like Me“ eine Menge Soul injiziert.

Vor zwei Jahren hat Suzi Quatro tatsächlich ein Album mit dem Slade-Drummer Don Powell und dem Sweet-Gitarristen Andy Scott aufgenommen. Sweet gastieren am kommenden Sonntag im Capitol Hannover. Für Sweet soll’s die (endlose) Abschlusstour sein.

Quatro sagt: „Ich werde mich zur Ruhe setzen, wenn ich auf die Bühne gehe, mit dem Hintern wackele und im Saal Stille herrscht.“ In Hannover gibt es reichlich Jubel – weniger fürs Hinternwackeln als für eine formidable Rockshow.




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