weather-image
22°

Dead Can Dance-Mastermind Brendan Perry gastiert im Musikzentrum

Zwischen Karneval und Totentanz

HANNOVER. Brendan Perry ist unter seinem Namen ein eher seltener Gast auf Konzertbühnen, ist er doch vorrangig zusammen mit Lisa Gerrard als Dead Can Dance unterwegs.

veröffentlicht am 12.03.2019 um 18:29 Uhr

Brendan Perry Foto: jed
Avatar2

Autor

Martin Jedicke Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bei gerade einmal zwei Solowerken in 35 Jahren überrascht nicht, dass er vier Songs seiner Band ins Programm schmuggelt. Ganz wunderbar dabei die erste Zugabe „Don’t Fade Away“. Perry singt von Liebe und Transzendenz mit leichtem Hall in der Stimme, fällt in ein klagendes Falsett.

Ebenfalls vier Lieder stammen von Tim Buckley, dessen angejazzter Folk bei Perry ein wenig einförmig gerät. Die sonore Stimme zieht die Vokale, variiert kaum. Gut, dass der Australier einen Latin-Block einbaut. Aus tatsächlich ebenfalls vier Songs. In „Berimbau“ und „Canto de Ossanha“ eifert Perry dem Virtuosen Baden Powell an der Akustikgitarre nach, Richard Yales Bass pulsiert, Astrid Williamson sorgt mit Shakern und leichtfüßigen Keyboardklängen, aber auch im Wechselgesang mit Perry für brasilianische Lebensfreude. Nicht dass das Publikum sich gleich zum Tanzen hinreißen ließe, ein rhythmisches Wippen ist aber schon auszumachen. Doch dann: „The Carnival Is Over“, eines der Dead Can Dance-Lieder. „The fabulous freaks are leaving town“, singt Perry, die Nacht ist eingezogen, Stille breitet sich aus. Und da erklingt aus einem Hinterhof die mitreißende Melodie des Jorge-Ben/Toquinho-Klassikers „Carolina, Carol Ben“. Das heimische Bett kann warten. Einer geht noch, noch einmal die Hüften schwingen.

Das vorsichtig progressive-rockende „Killing the Dream“ mit fast pink-floydschen Gitarrenpassagen scheint ebenso ein Vorgriff auf ein geplantes Soloalbum zu sein wie „The Rising Tide“. Über einem Drum-Loop schaukeln sich Klaviertastenläufe zu einem Sturm auf, dramatische Keyboardstreicher begleiten die steigende Flut, sich auftürmende Wellen als Gitarrensoli, am Ende perlende Pianotöne, ablaufendes Wasser. Hier entwickelt sich eine suggestive Sogwirkung. Wer sich darauf einlässt, wird eins mit dem Klangkosmos des Soundmagiers, der mit seiner Stammband asiatische, arabische und keltische Musik, mittelalterliche Mystik und afrikanische Rhythmik zu einem so weltvergessenen wie zeitlosen Stoff verwebt. Das jüngste Dead Can Dance-Album widmete er Dionysos. Zu diesem Songzyklus passt die zweite und letzte Zugabe des eineinhalbstündigen Auftritts: „Medusa“. Ein düsterer Walzer. Musik wie beim Karussellfahren. Immer langsamer werdend, ein Totentanz.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare