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Abschied

Dagobert Lindlau mit 88 gestorben

München (dpa) - Politik und Schreiben - die beiden Leidenschaften des Journalisten Dagobert Lindlau. Als Urgestein des kritisch-engagierten Fernsehjournalismus hat er auch im hohen Alter deutliche Worte zu brisanten Themen gefunden.

veröffentlicht am 30.11.2018 um 18:29 Uhr
aktualisiert am 02.12.2018 um 15:22 Uhr

Dagobert Lindlau (2009). Foto: Karlheinz Schindler

Autor:

Ute Wessels, dpa

Am Freitag ist er in Vaterstetten bei München gestorben, wie der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf Lindlaus Familie mitteilte.

Lindlaus kritische Reportagen - etwa über Methoden der Schutzgelderpressung und des Rauschgifthandels - lösten häufig kontroverse Diskussionen aus, wie auch sein Buch «Der Mob - Recherchen zum Organisierten Verbrechen» (1987). Lindlau avancierte zum Mafia-Experten. Auch in seinem Buch «Der Lohnkiller» (1992) um den Fall des bezahlten Hamburger Killers Werner Pinzner und in dem Roman «Stranglers Woche» (1997) bedient er sich realer Strukturen aus dem Milieu - und erntete oft Ärger.

Zuletzt erschien 2006 sein Buch «Reporter. Eine Art Beruf» über eigene Erfahrungen und Erlebnisse. Den politischen Alltag behielt Lindlau bis ins hohe Alter stets im Blick. Die Flüchtlingskrise bezeichnete Lindlau 2015 im dpa-Interview als «übermächtige Herausforderung», die auch mit einer «noch so liebenswerten und verdienstvollen Willkommenskultur und ein paar Gesetzen allein nicht zu bewältigen sein wird». Daran, dass das Geschäft der Schleuser mit der Not der Menschen gestoppt werden könnte, glaubte er nicht.

Seine Journalistenkarriere begann Lindlau beim Bayerischen Rundfunk (BR), wo er nach Angaben des Senders von 1969 bis 1992 als Chefreporter tätig war. Bis in die 80er Jahre arbeitete er als Moderator und Leiter verschiedener Magazinsendungen wie «Report», «Kompass», «Weltspiegel» und der Talkshow «3nach9» von Radio Bremen. Seine «couragiert-kompetenten Kommentare» und «imponierenden Beiträge zur Gesprächskultur im Fernsehen» wurden mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Als Journalist alter Schule hegte Lindlau stets eine gewisse Skepsis den Neuen Medien gegenüber. Der Meinung eines guten Reporters traute er mehr als den gefilterten Fakten aus dem Internet. «Mit Fakten kann man alles beweisen. Und das Gegenteil von allem. Man muss nur die weglassen, die einem nicht in den Kram passen.» Journalisten wüssten - jedenfalls meistens -, was wichtig ist und was einigermaßen stimmt. «Weil das ihr Beruf ist und weil sie gelernt haben, Zutreffendes von Unzutreffendem zu unterscheiden und Wichtiges von Unwichtigem.»

«Mit Dagobert Lindlau verlieren wir einen unbeugsamen, unverrückbaren und unerschrockenen Journalisten. Er stand jederzeit aufrecht, verkörperte Unabhängigkeit», sagte BR-Chefredakteur Christian Nitsche am Freitag laut Mitteilung. «Sagen, was ist, ob es gefällt oder nicht, dies war sein Prinzip.»




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