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Hallenwart Mario Erdmann hat nach 26 Jahren die Kreissporthalle Stadthagen verlassen

Am Anfang war es nur ein Gebäude

veröffentlicht am 08.08.2018 um 22:00 Uhr

Mario Erdmann ist seit 26 Jahren der Herr der Stadthäger Kreissporthalle. Nun gibt er den Posten ab. foto: uk
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Uwe Kläfker Redakteur Sport zur Autorenseite

STADTHAGEN. „Wo ist eigentlich Mario?“ Diese Frage werden sich wohl viele Lehrer, Schüler und auch Vereinsvertreter stellen, wenn sie in den nächsten Tagen die Stadthäger Kreissporthalle (KSH) betreten und nach dem vertrauten Ansprechpartner suchen. Die Antwort ist ganz einfach: Mario Erdmann, das Gesicht der KSH ist nicht mehr da.

Der 48-Jährige hat nach über 25 Jahren Dienst als Hallenwart eine berufliche Chance zur Weiterbildung ergriffen und absolviert in Hannover einen Angestelltenlehrgang, um dann nach einem Jahr beim Landkreis Schaumburg eine Aufgabe in der Verwaltung zu übernehmen. So ist der Plan.

Am 1. Juli 1992 hatte Erdmann den Job in der Sporthalle übernommen. „Am Anfang war das nur ein Gebäude für mich“, berichtet der gebürtige Quedlinburger. Vor der Wende war er in der ehemaligen DDR als Berufssoldat bei der NVA tätig, fand dann über Köln und Obernkirchen 1991 den Weg nach Stadthagen, wo er zunächst beim Industrieunternehmen Bertrand Faure, heute Faurecia, arbeitete. Dann kam der Tipp aus dem Bekanntenkreis: Der Landkreis suchte einen Hallenwart für die Kreissporthalle. „Das mit dem Job war ein Glücksfall für mich“, erklärt Erdmann, der sich zu einem ganz besonderen Hallenwart entwickelte.

Er sei alleinstehend in eine fremde Stadt gekommen, habe aber durch den Beruf viele Freunde gefunden. Vor allem zu den Handballern des VfL 1877 Stadthagen wurden schnell Beziehungen geknüpft. „Karl-Heinz ‚Kalle’ Frohreich war einer der ersten, der mir hier über den Weg gelaufen ist.“ Auch Sven Wente und viele andere kenne er jetzt bereits seit 26 Jahren. Das ging dann sogar so weit, dass Erdmann selbst Handballer wurde. „Ich habe es in der damaligen Dritten zumindest versucht“, sagt der Stadthäger. Der damalige VfL-Trainer Werner Eyßer sei für ihn ebenfalls ein besonderer Mensch gewesen. „Als der VfL noch in der Landesliga gespielt hat, gab es viele schöne Veranstaltungen.“ Erdmann erinnert sich an einen Auftritt der Bundesliga-Handballer des TSV GWD Minden mit dem Russen Alexander Tutschkin. Aber es gab auch negative Erlebnisse wie die türkische Hochzeit, die nach einer Bombendrohung in der Sporthalle fortgesetzt wurde. „Das ging gar nicht“, ärgert sich Erdmann.

Die Kreissporthalle hat der Hallenwart mit Ideen und Engagement zu einem ganz besonderen Schmuckstück gemacht. „Man kann auch in diesem Beruf mit gestalten. Man muss nicht nur auf Vorgaben warten.“ So gibt es beispielsweise nur in der Stadthäger Doppelhalle vier Kleinfeldtore, die lediglich aus den Geräteräumen gerollt werden müssen und schnell in der Halle verankert sind. Das ist vor allem für Fußballturniere eine enorme Erleichterung. „Das ist auf meinem Mist gewachsen“, sagt der Hallenwart grinsend, der gerne kommuniziert und so auch auf die Bedürfnisse der Vereine und Lehrkräfte eingehen konnte. „Das ist für die Abläufe gut, wenn man miteinander spricht. Außerdem ist es schön, wenn beide Parteien zufrieden sind.“

Es gebe aber auch immer Dinge, die nicht gingen, stellt er klar. Man müsse als Hallenwart aber eine Affinität für den Sport haben, sonst sei es schwer, betont der Familienvater, der auch seine Lebensgefährtin Beate, Lehrerin für Sport und Englisch, mit der er zwei Kinder hat, in der KSH kennengelernt hat. Auch die Zusammenarbeit mit den Schulen habe ihm immer Spaß gemacht. Generationen von Schülern hat er kennengelernt.

Die Halle sei immer sein Gebäude, „sein Baby“, gewesen. „Mario gleich Halle“, sagt „Erdi“ und lacht. So sind in der KSH auch keine Graffiti oder sonstige Schmierereien zu finden. „Von Gastmannschaften wird man schon auf die gepflegte Halle angesprochen, die kennen so etwas nicht“, lobt auch Thorsten Hegerhorst vom VfL Stadthagen. „Es wird eine Zeit dauern, bis ich mich vom vertrauten Umfeld gelöst habe“, ahnt Erdmann, freut sich aber gleichzeitig auf die neue Aufgabe. „Es wurde Zeit, mal etwas anderes zu machen. Die Dienstzeiten werden dann auch besser zur Familie passen.“

Von den Handballern hat sich Erdmann noch vor den Ferien bei Pizza und Bier verabschiedet. „Das war mir eine Herzensangelegenheit.“

Und einen Nachfolger gibt es auch bereits. Die Sportler und Schüler werden sich daran gewöhnen müssen, denn der „Neue“ heißt Klaus.

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