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SN-Volontärin testet Rhönradturnen bei der VT Rinteln / Serie: Selbstversuche in Sportarten

Auf einmal steht die Welt Kopf

veröffentlicht am 02.03.2019 um 09:30 Uhr

Den „Liegestütz rückwärts“ hat sich SN-Volontärin Isabell Remmers auch anders vorgestellt. Cornelia Strübe sichert im Hintergrund. Fotos: uk

Autor:

isabell remmers

RINTELN. Zwei Reifen, sechs Sprossen und vier Griffe – so sieht ein typisches Rhönrad aus. Und es gibt Menschen, die dadrin wirkliche Kunststücke vollbringen, denn Rhönradturnen bedeutet weit mehr, als nur von links nach rechts durch eine Halle zu rollen. Das habe auch ich bei meinem Selbstversuch schnell zu merken bekommen.

Aber von vorne: Die Wettkampfgruppe der Rhönradturner von der VT Rinteln treffen sich zweimal in der Woche zum Training. Los geht es erst einmal mit einem gründlichen Aufwärmprogramm. Von Sprüngen durch die Halle, bis Steigerungsläufen ist alles dabei. Und dann wird sich gedehnt. Ausführlich gedehnt, denn beim Rhönradturnen ist Beweglichkeit gefragt.

Sobald alle Körperteile aufgewärmt sind, geht es in die Räder. Für mich heißt es, erst einmal ein Gefühl für das Rad zu bekommen. Ich stelle mich auf die vorgesehenen Flächen für die Füße und wippe langsam von links nach rechts. Zunächst etwas wackelig, aber mit der Zeit fühl ich mich dabei immer wohler. Da heißt es auch schon Positionswechsel – jetzt von vorne nach hinten. Auch das klappt mit der Zeit ganz gut. Ich darf also los rollen.

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Aber vorher muss natürlich das passende Rad für mich gefunden werden. Die variieren nämlich in der Größe. Die VTR hat davon einige zur Auswahl. „Von den meisten Größen haben wir zwei Räder, damit auch möglichst viele gleichzeitig turnen können“, erklärt mir Cornelia Strübe. Die 39-Jährige ist schon seit 1990 in der Rhönradsparte des VTR aktiv, ist wöchentlich acht Stunden als Trainerin in der Halle. „So eine gute Ausstattung an Rhönrädern hat in Niedersachsen sonst kein Verein“, weiß Strübe. Doch für die Rintelner ist es fast unumgänglich. 45 Turner zählt die Rhönradsparte aktuell und es werden immer mehr. Zuletzt standen 15 Kinder auf der Warteliste der Trainerin. „Wann hätte ich die denn anrufen sollen, in zwei Jahren?“ Strübe entschied sich also dazu, zusammen mit ihren zahlreichen Helfern eine zweite Anfängergruppe zu eröffnen.

Ich selbst war bei meinem Selbstversuch zur Wettkampfgruppe eingeladen worden. Aus einem einfachen Grund: So hatte Strübe mehr Zeit sich um mich zu kümmern. Nachdem wir uns für die richtige Radgröße entschieden hatten, ging es erst mal an die Bindungen. Die Füße werden nämlich mit Lederriemen an dem Rad befestigt. Klingt logisch, sonst fällt man aus dem Rad. Doch die Profis turnen teilweise auch komplett ohne Bindung.

Rad angepasst, Bindungen fest, Füße zur Seite gedrückt – es kann also losgehen. Mit einigem Respekt hole ich Schwung und rund geht es auch schon. Während ich plötzlich über Kopf hänge, denke ich die ganze Zeit daran, meine Füße runter zu drücken. Sonst rutscht man aus der Bindung. Zur Sicherheit hält Strübe mich aber auch noch fest.

Und schon war die erste Runde geschafft und ich merkte schnell: Das macht riesen Spaß. Zweimal hin, zweimal her, ich hatte mich direkt an das Rad gewöhnt. Grund genug für meine Trainerin, gleich das nächste Element mit mir zu versuchen. „Liegestütz rückwärts“ sollte ich jetzt turnen. Ich drehte mich also in die entgegengesetzte Richtung, in die ich Rollen wollte, hielt mich mit beiden Händen an einem Griff fest, holte Schwung und schon ging es rückwärts.

Nach zwei weiteren Bahnen entschied Strübe, noch ein weiteres Element mit mir zu turnen. Dazu sollte ich einen Fuß aus der Bindung nehmen und während der Drehung von einer Sprosse auf die andere stellen. Zugegeben, das kostete einiges an Überwindung. Und auch wenn es sicher alles andere als filigran aussah, klappte es.

Ich beendete mit diesem Erfolg meine Trainingsstunde, die Turnerinnen der VTR machten aber noch deutlich, was Rhönradturnen eigentlich bedeuten kann. Jette Meier turnte einen Spagat in der sogenannten Spirale. Dabei ist das Rad in Schräglage und wird nur durch die Bewegung der Turnerin am Drehen gehalten. Im Übrigen ist die Spirale eines der geforderten Elemente, die bei einem Wettkampf gezeigt werden müssen. Neben der Geradekür kommt außerdem noch der Sprung dazu, bei dem die Turnerinnen im Anlauf auf das Rad springen und beispielsweise einen Salto herrunter machen. Elemente, die einfach aussehen, es aber in sich haben. Wenn man einmal in einem Rhönrad stand, weiß man das noch mehr zu schätzen.

Jette Meier ist aktuell die beste Rhönradturnerin der VTR. Sie turnt in der Bundesklasse, holte im letzten Jahr Gold bei den Landesmeisterschaften. Doch auch insgesamt ist der Rhönradsport in Rinteln eine Erfolgsgeschichte. Seit vielen Jahren konnten immer wieder Erfolge gefeiert werden. „Mit großen Vereinen wie Bayern Leverkusen oder TSV 1898 Marburg können wir zwar nicht mithalten, aber für ein Breitensportverein ist das schon super“, weiß auch Strübe die Situation einzuschätzen. Und die Erfolge werden weiter gehen, da bin ich mir sicher, wenn ich mir die Wettkampfgruppe und ihr Können im und auf dem Rad ansehe.




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