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Dramatischer Mitgliederschwung bringt Schaumburger Vereine an die Grenzen der Existenz

Den Tennisvereinen laufen die Mitglieder weg

Tennis. Den Tennisvereinen laufen die Mitglieder massiv weg – der Mitgliederschwund in den letzten elf Jahren ist beträchtlich und bringt zahlreiche Vereine an die Grenzen der Existenz. Die Vereine kämpfen ums nackte Überleben. Das betrifft nicht nur Vereine in Niedersachsen, sondern auch Vereine im Kreis Schaumburg.

veröffentlicht am 12.09.2012 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 00:41 Uhr

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Im Jahr 2000 gab es im Landkreis 37 Vereine mit 5021 Mitgliedern, im Jahr 2011 waren in 35 Vereinen nur noch 3455 Mitglieder gemeldet. Die Mitgliederzahlen entwickelten sich auch in Niedersachsen dramatisch nach unten. So verzeichneten die Altersklassen zwischen 40 und 60 Jahren einen Rückgang von 84.000 auf 45.000 Mitglieder und in den Altersklassen zwischen 26 und 40 Jahren einen Rückgang von 35.000 auf 14.000 (bis 14 Jahre von 30.000 auf 23.000, bis 18 Jahre von 18.000 auf 12.000, bis 26 Jahre von 19.000 auf 10.000). Nur in den Altersklassen ab 60 Jahre gibt es eine positive Entwicklung. Dort sind die Mitgliederzahlen in den letzten elf Jahren von 20.000 auf 35.000 gestiegen.

Die Gründe für den Mitgliederschwung in den Schaumburger Vereinen sind sehr vielfältig. BW Bad Nenndorf musste seine Tennis-Anlage aufgeben, da die Plätze Bauland wurden. Seit Jahren spielen die Mitglieder in Waltringhausen. Auch der TuS Sülbeck hat seit Jahren keine eigene Anlage mehr. Die Tennisspieler nutzen zusammen mit den Mitgliedern des SV Nienstädt die Anlage in Nienstädt. In Sachsenhagen wurde dem Verein das Klubhaus gekündigt. Dadurch kam es zur Fusion mit dem MTV Auhagen.

Vereine, die um ihre Existenz kämpfen, haben vieles gemeinsam. Sie haben weniger als 40 Mitglieder, die Zahl der jugendlichen und weiblichen Mitglieder geht gegen Null und die männlichen Mitglieder sind fast alle älter als 40 Jahre. Meistens gibt es nur noch eine aktive Mannschaft in der Altersklasse Herren 40 oder 50. „Deutschland hat keine Weltklassespieler mehr, und damit fehlen die Vorbilder vor allem für die Jugendlichen“, sagt Harald Nemanoff, der langjährige Vorsitzende des NTV-Kreises Schaumburg und der Vorsitzende des größten Tennisvereins in Schaumburg, TC GW Stadthagen (422 Mitglieder), fragt man ihn nach den Gründen für den Mitgliederrückgang. „Der Deutsche Tennis Bund hat eine falsche Medienpolitik betrieben. Es gibt kaum noch Tennis im öffentlichen Fernsehen“, fährt Nemanoff fort. „Jetzt kommt auch noch der demografische Wandel voll zum Tragen. Es gibt immer weniger Jugendliche. Die zunehmenden Ganztagsschulen und das Turbo-Abitur schränken die Trainings- und Punktspielzeiten der Jugendlichen erheblich ein. Eine große Rolle spielt auch ein Umdenkprozess über Mitgliedschaft in Vereinen. Wenn Jugendliche nach der Schule ins Studium gingen, blieben sie Mitglied im Verein. Heute treten sie aus.“

Ein typisches Beispiel für die negative Entwicklung ist die Tennissparte des TSV Steinbergen. Wie viele Schaumburger Vereine gegründet Ende der 70er-Jahre nahm die Mitgliederzahl mit den Erfolgen von Steffi Graf und Boris Becker Mitte der 80er-Jahre auf mehr als 120 zu, um danach stetig abzunehmen auf heute 33 Mitglieder. Die Jugendarbeit wurde vernachlässigt, die Werbung von weiblichen Vereinsmitgliedern eingestellt. Die heute noch aktiven Mitglieder, die seit fast 30 Jahren zusammenspielen, wurden älter und mussten aus gesundheitlichen Gründen das Tennisspielen stark einschränken oder ganz aufgeben. Die Folge: Um auch noch im nächsten Jahr zu Punktspielen antreten zu können, müssen neue Spieler her. Deshalb sucht die Herren-50-Mannschaft des TSV Steinbergen händeringend drei oder vier Spieler im Alter von 50 Jahren oder älter, die Lust haben, regelmäßig Tennis zu spielen – im Sommer auf der Tennisanlage des TSV Steinbergen neben dem Sportplatz in Buchholz, im Winter in der Tennishalle in Hessisch Oldendorf. Weitere Auskünfte erteilen der Spartenleiter Jens Geiges unter der Rufnummer (0 57 51) 64 71 oder der Sportwart Claus Uhde, Telefon (0 57 51) 12 05. „Obwohl wir mit unserer Mannschaft im Sommer in der Kreisliga an Punktspielen teilnehmen, steht nicht der Leistungsgedanke im Vordergrund, sondern es soll einfach nur Spaß machen“, sagt Uhde. „Wir sind eine lustige Truppe, die auch neben dem Tennis viel gemeinsam unternimmt.“




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