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Wie die Boatengs: Ricardo und Pedro Diaz-Garcia wissen, wie es ist, gegen den eigenen Bruder zu spielen

Ein halbes Jahr Oberwasser

Springe. Wenn die deutsche Elf bei der Fußball-WM am heutigen Sonnabend in Fortaleza gegen Ghana antritt, ist das mehr als ein einfaches Vorrundenspiel. Es ist auch das Duell der Boateng-Brüder. Der jüngere, Jerome, spielt für Deutschland in der Abwehr. Der ältere, Kevin-Prince, für Ghana im Mittelfeld. Eine Konstellation, wie sie im Fußball nicht häufig vorkommt – schon gar nicht bei Weltmeisterschaften. Ricardo Diaz-Garcia, Trainer des FC Springe, weiß allerdings, wie es ist, gegen die eigene Familie zu spielen. Als er in der Saison 2001/2002 für den TSV Barsinghausen in der Bezirksliga kickte, war sein jüngerer Bruder Pedro für den FC Stadthagen am Ball.

veröffentlicht am 20.06.2014 um 22:01 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:46 Uhr

jan

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Schon am dritten Spieltag trafen sie aufeinander. Stadthagen gewann 5:1. Was Ricardo am meisten in Erinnerung geblieben ist: „Er hat mir den Schuh kaputt getreten. Ich hatte im Mittelfeld den Ball und lief aufs Tor zu und er rannte mir über den halben Platz hinterher und senste mich um – als Mittelstürmer“, sagt er kopfschüttelnd. „Auf dem Platz hast du keine Freunde im anderen Team“, sagt Pedro. „Ich war damals Anfang 20 und bis in die Haarspitzen motiviert, meinem Bruder zu zeigen, dass ich auch boken kann. Der bessere Fußballer war aber schon immer er.“

Spielmacher Ricardo und Knipser Pedro – als Gegner begegnet man sich da normalerweise nicht allzu häufig im Zweikampf. Bei den Boateng-Brüdern heute Abend könnte das anders werden, vor allem wenn Jerome den Platz von Mats Hummels in der Innenverteidigung übernimmt, „dann werden sie sich begegnen“, sagt Pedro. „Beide werden sagen: Es ist ein Spiel wie jedes andere, aber jeder wird immer mit einem Auge gucken, was der andere macht, das ging mir auch immer so. Und für Kevin-Prince ist es schon ein Endspiel.“ Ricardo glaubt allerdings nicht, dass Ghana es gewinnen wird: „Deutschland ist zu stark dieses Jahr.“

Pedro und Ricardo haben nur in der einen Saison gegeneinander gespielt. Stadthagen war seinerzeit Meister geworden, Barsinghausen stieg als Vizemeister über die Relegation ebenfalls auf. „Es war ein überragendes Jahr“, erinnert sich Pedro. „Aber miteinander zu spielen hat einen überragenden Spaßfaktor.“

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Duell am zweiten Vorrundenspieltag der Gruppe G: Ghanas Kevin-Prince...

Dass die Diaz-Brüder im gleichen Team standen, ist deutlich häufiger vorgekommen. „Das war eigentlich immer mein Ziel“, sagt Ricardo. „Wir haben ein enges Verhältnis und sprechen viel über Fußball. Gegeneinander zu spielen ist da so eine Sache.“ Als Spielertypen waren beide immer unterschiedlich: Hier der technisch versierte Spielmacher Ricardo, dort der laufstarke Knipser Pedro. Vom Gemüt her sind beide sich aber ähnlich: „Wir sind beides Heißsporne“, sagt Pedro. „Ich habe mir mal eine Rote Karte eingehandelt, weil ich den Schiedsrichter nach einem Foul an Pedro beleidigt habe“, sagt Ricardo, der hofft, seinen Bruder zur kommenden Saison noch zum Wechsel von Bezirksligist Barsinghausen nach Springe bewegen zu können. Nicht nur, weil der Absteiger dringend einen treffsicheren Stürmer braucht: „Am meisten Spaß hat es gemacht, als ich im ersten Jahr Spielertrainer in Degersen war“, sagt er. Sein Bruder war dort damals der Torjäger.

Die Diaz-Brüder spielen also lieber mit- als gegeneinander. Letzteres habe aber auch seinen Reiz, sagt Pedro: „Wenn du gewinnst, hast du ein halbes Jahr lang Oberwasser. So gesehen steht es zwischen den beiden Unentschieden: Das Rückspiel in der Saison 2001/2002 gewann Barsinghausen gegen Stadthagen 2:1.




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