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Mohamed Abdelaty Mohamed Nasef ist ein wichtiger Faktor in der Offensive für die Reserve des VfL Bückeburg

Ein Jurist aus Ägypten schafft neue Stabilität

veröffentlicht am 05.04.2018 um 15:47 Uhr

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BÜCKEBURG.Neun Punkte in drei Spielen – kein heimischer Bezirksligist war zuletzt erfolgreicher als der VfL Bückeburg II. Während die Mannschaft von Trainer Jan-Werner Schmitz sich im Herbst noch launisch und unbeständig zeigte, ist sie jetzt sachlich und effektiv unterwegs. Doch woher kommt die neue Stabilität?

Zu ihr trägt auch ein Mann mit einem ausgedehnten Namen bei – Mohamed Abdelaty Mohamed Nasef. Es sei für ihn in Ordnung, wenn wir uns in der Zeitung und im Gespräch auf Nasef beschränken, sagt er. Seine Mitspieler haben es sich noch einfacher gemacht. Sie sagen „Mido“ zu ihm, und an seinem freundlichen Lächeln ist zu spüren, dass ihm auch das gefällt. Der 30-Jährige ist nämlich gerade mit Erfolg dabei, sich bei uns immer besser zurechtzufinden. Nasef stammt aus dem fernen Ägypten und ist erst seit eineinhalb Jahren in unserem Land. Dass wir das Gespräch mit ihm auf Deutsch führen können, ist bemerkenswert. Nur hin und wieder sind englische Erläuterungen erforderlich. Dass er sich bereits so gut verständigen kann, liegt auch an seiner Ehefrau Kerstin. Daheim sprechen die beiden ausschließlich Deutsch und Englisch, berichtet er.

Kennengelernt haben sich die beiden in Ägypten. Nasef stammt aus Kairo und kam wegen ihr nach Deutschland. Leicht war der Übergang nicht. Schließlich hatte er in Ägypten Jura studiert und würde dort heute als Rechtsanwalt arbeiten, was natürlich in Deutschland nicht möglich ist, allein wegen der Sprache. Auch fußballerisch kam Nasef in Ägypten gut klar, spielte in der sechsgliedrigen zweiten Liga, in der Vereine mit so herrlichen Namen wie El Raja Marsa Matruh oder Maleyheit Kafr El Zayiat um Punkte kämpfen. Nasef bekam in der Division 2 Geld für die Ausübung seines Lieblingssportes. Ausgebildet wurde er im Nachwuchsbereich eines Erstligisten. „Das Niveau der Division 2 ist vielleicht mit der deutschen Oberliga zu vergleichen“, meint Nasef. Da ergibt es sich fast wie von selbst, dass auch er wie fast alle Spieler des VfL Bückeburg auf einen Platz in der ersten Herrenmannschaft hofft. Immerhin hatte er in dieser Saison bereits Einsatzminuten und schoss sogar ein Tor.

Dass Nasef in der VfL-Zweiten derzeit ein wichtiger Mann in der Offensive ist und seinen Teil zum Aufschwung beiträgt, kann deshalb kaum verwundern. Meist kommt er über die linke Angriffsseite, meist sucht er den direkten Weg zum Tor. Ein klassischer Torjäger und Strafraumstürmer ist er nicht, aber mit vier Treffern ist er gemeinsam mit Aboubacar Fofana derzeitig in der Bezirksligatruppe am treffsichersten. Die Mitspieler mögen seine freundliche Art, das ist zu spüren. Es wird geflachst, man hat Spaß zusammen.

Im Fußball läuft es also bestens, aber wie gefällt es ihm ansonsten in Deutschland? Welche Eindrücke hat er nach eineinhalb Jahren von unserem Land? Als erstes fällt ihm da das Wetter ein. Der Winter sei scheußlich, sagt er, was verständlich ist, wenn man weiß, dass in Ägypten das Thermometer tagsüber selbst im Januar selten unter 15 Grad fällt und es nur einen statistischen Regentag gibt. Welch ein Unterschied zu unserem trostlosen Schmuddel-Grau-in-Grau. Im Sommer aber, wenn es dort häufig über 40 Grad heiß ist, dann sei das Klima in Deutschland viel besser als in seinem Heimatland. Auch ansonsten weiß er vieles hier zu schätzen, die stabilen demokratischen Verhältnisse zum Beispiel, die Meinungsvielfalt und sogar die Kultur. „Die in Ägypten ist 5000 Jahre alt“, sagt er. Aber das liege halt weit zurück.

Beruflich hat er einen Traum, von dem er weiß, dass er schwer zu realisieren ist. Wenn er noch besser Deutsch gelernt hat, würde er gerne seine juristische Ausbildung nutzen, vielleicht noch einmal studieren, vielleicht hier eines Tages als Rechtsbeistand arbeiten. Heimweh sei bei ihm bisher selten aufgekommen, erzählt er. Er telefoniere fast jeden Tag und fliege zweimal im Jahr nach Kairo. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht mit Mohamed Abdelaty Mohamed Nasef. „Wir haben jedenfalls große Freude an ihm“, sagt VfL-Trainer Jan-Werner Schmitz.




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