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In Rinteln ist der zugesagte Platz am Schulzentrum nicht verfügbar

Kommunikationsprobleme: Lenz und VfL Bückeburg retten Gehörlosen-Spiel

Fußball (hga). Im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft für Gehörlose hat der amtierende Meister GTSV Essen den Hallenmeister Hamburger GSV mit 2:0 (2:0) aus dem Wettbewerb geworfen. Die Tore für Essen erzielten Fabian Trappe und Oktay Yerli. Als Finalgegner qualifizierte sich der GSV Düsseldorf durch ein 2:1 über GSV Freiburg. Das Spiel fand auf der Sportanlage des VfL Bückeburg statt.

veröffentlicht am 05.06.2012 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:21 Uhr

Der VfL sprang kurzfristig ein, als die Mannschaften und ihr Anhang in Rinteln stehen gelassen wurden. Die aus dem Ruhrgebiet und Hamburg sowie Teilen Schleswig-Holsteins angereisten Spieler hatten auf die Zusage der Stadt Rinteln vertraut, dass am Kreissportzentrum ein Fußballfeld sowie die entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung stünden.

Zu den ratlosen gehörte auch das angesetzte Schiedsrichtergespann. Mike Lenz und seine Assistenten Michael Jonaitis sowie Daniel Reichenauer waren auf diese Situation nicht eingestellt. „Im Behindertensport hat man schon Probleme, aber das habe ich noch nicht erlebt“, meinte Ulrich Trappe fassungslos. Sein Sohn Fabian stand im Essener Kader. Die Verwirrung nahm ihren Fortgang, als Sportstättenwart Stefan Erkel gegenüber Lenz erklärte, er habe gar nicht gewusst, dass ein Spielfeld abzukreiden wäre. Eine Kreidemaschine sei auch gar nicht vor Ort. So hat es Lenz in seinem Sonderbericht zum Spiel vermerkt.

Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt das zuständige Sportamt der Stadt, die Genehmigung erteilt und an den Sportstättenwart weitergeleitet zu haben. „Dann ist da was schiefgelaufen“, sagte Antonia Gaspar vom zuständigen Amt der Stadt. Erkel bestätigte den Eingang der Genehmigung. „Es stand nur drin, dass es der Gehörlosenverband ist, aber nicht woher“, verwies Erkel auf die landkreisweite Praxis, nach der Vereine ihre Plätze selbst abkreiden. Von dieser Situation sei er auch diesmal ausgegangen. Da sorgte offenbar ein deutliches Kommunikationsproblem innerhalb der Verwaltung für den schlechten Eindruck.

Somit standen die Behindertensportler vor der Tatsache, von der Stadt Rinteln mehr oder weniger allein gelassen worden zu sein. Auf andere Plätze war nicht zurückzugreifen. Der SC Rinteln war gar nicht eingebunden, die Plätze am Steinanger durch Punktspiele belegt.

Das der Tag dennoch ein gutes Ende nahm, lag an dem Willen des Unparteiischen, die Mannschaften nicht im Stich zu lassen. Lenz begann zu telefonieren. „Ich habe zuerst bei meinem Heimatverein VfR Evesen angerufen, aber da waren die Plätze auch belegt“, schilderte Lenz die Ergebnisse seiner Versuche. Ein Anruf beim VfL Bückeburg brachte dann das positive Ende. Trotz eines Oberligaspiels im Jahnstadion und des damit verbundenen Saisonabschlusses sagte der VfL sofort Hilfe zu. Hans Hößler kümmerte sich um die Angelegenheit, schnell war der B-Platz zum Austragungsort des Halbfinales erklärt. Zudem bereitete der VfL Kabinen für die Sportler vor. Als der Tross von Rinteln kommend eintraf, fanden die Mannschaften alles bestens vorbereitet. Für eine zusätzliche Überraschung sorgte der VfL, indem der Verein auf die Erhebung von Kosten für die Kabinen, inklusive Reinigung, verzichtete.

„Ich glaube, die haben sich gefreut“, sagte Hößler. So schafften es Lenz und der VfL, dass die Behindertenteams zumindest nicht ganz Schaumburg in schlechter Erinnerung behielten. „Rinteln war desolat, die Selbstverständlichkeit, mit der Bückeburg eingesprungen ist, fand ich ganz toll“, sagte Trappe. Vor allem das Engagement von Lenz hinterließ Eindruck. Die Halbfinalisten nutzten die Gelegenheit, feierten beim Saisonabschluss des VfL noch lange mit.




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