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Christoph Stork nimmt für seinen Lieblingssport eine Menge auf sich und kommt aus Hannover zu jedem Training

Torwart in Obernkirchen – Jugendtrainer in Evesen

veröffentlicht am 22.09.2016 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:36 Uhr

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Autor:

Jörg Bressem

FUSSBALL. An Christoph Stork wird deutlich, was Amateurfußballer auf sich nehmen, um ihren Lieblingsport auf ordentlichem Niveau ausüben zu können. Der 23-Jährige wohnt in der Woche in einer Wohngemeinschaft in Hannover, weil er dort an der Universität ein schwieriges Wirtschaftsingenieurstudium macht. Trotzdem schafft er es, an zwei Abenden pünktlich beim SV Obernkirchen zum Training zu erscheinen, fährt mit der Bahn ins Schaumburger Land und lässt sich von einem Mannschaftskameraden vom Bahnhof zum Ochsenbruch mitnehmen.

Um Storks Wechsel nach Obernkirchen gab es im Sommer ziemlich viel Wirbel. Denn in der vergangenen Saison war er Stammtorwart beim VfR Evesen. Als dann aber bekannt wurde, dass Jannik Willers dort anheuert, ging Stork zum SV Obernkirchen. Er sei dem Konkurrenzkampf aus dem Wege gegangen, interpretierte VfR-Trainer Duran Gök den Übertritt und beteuerte, dass keiner der beiden Torwarte bei ihm von vornherein Vorteile gehabt haben. Das empfand Stork offensichtlich anders. „Ich habe mir meine Gedanken gemacht und entschieden, dass ich in Obernkirchen besser aufgehoben bin“, erklärt er. Dass Willers schon beim SC Rinteln unter Gök trainierte, dass in Evesen sogar dreimal in der Woche geübt wird und dass er in der Vorsaison mit der eigenen Leistung nicht immer zufrieden war, spielten in die Entscheidung hinein.

„Als ich meinen Wechsel ankündigte, hat sich Gök aber um mich bemüht“, berichtet Stork, der gerade seine Abschlussarbeit zum Bachelor abgegeben hat, demnächst seine erste akademische Auszeichnung erhält, aber zwei weitere Studienjahren zum Master dranhängen will. Stork vertieft das Fach Automatisierungstechnik, befasste sich in seine Bachelorarbeit mit Robotersteuerung und hat nach dem Studium beste Berufsaussichten.

Außerhalb der planmäßigen Karriereplanung hat der aufgeschlossene Stork zwei Überraschungen im Ärmel. Obwohl er in Obernkirchen spielt, ist er dem VfR Evesen immer noch ehrenamtlich verbunden. Er trainiert schon seit sechs Jahren eine Nachwuchsmannschaft, von der G- bis jetzt in die die D-Jugend. „Da hängt mein Herzblut dran“, erzählt er. Er kenne die Jungs schon so lange Zeit und könne sich nicht vorstellen, die Mannschaft jemals im Stich zu lassen. Storks zweite Überraschung: Er stammt aus dem handballverrückten Dankersen, spielte dort aber Fußball, was dort völlig exotisch ist und tatsächlich auch nicht tragfähig war. Der Fußballclub Dankersen löste sich im Jahr 2005 auf und die personelle Konkursmasse wurde beim Nachbarverein jenseits der Landesgrenze verwertet. So kam Stork zum VfR Evesen, bei dem ihn die problematische Leistungsentwicklung der Bezirksligatruppe heute kaum noch interessiert.

Seine Aufmerksamkeit gilt allein dem SV Obernkirchen, bei dem er mit dem etwa gleichstarken Florian Hartmann um den Stammplatz im Tor kämpft. Die Frage ist aber, ob dort in der nächsten Saison noch Bezirksligafußball gespielt wird. Stork formuliert seine Einschätzung so präzise wie ein von ihm programmierter Roboter, nicht zu euphorisch, aber auch nicht zu skeptisch: „Wenn wir uns zusammenreißen, ist der Klassenerhalt nicht ausgeschlossen.“

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