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Zunehmend rückläufige Entwicklung im Schaumburger Volleyball / Kinder- und Jugendarbeit fehlt

Volleyballer - eine aussterbende Spezies?

veröffentlicht am 19.10.2018 um 18:22 Uhr

Volleyballspiele in Schaumburg, wie hier vom Team Schaumburg, werden immer seltener. Foto: uk

Autor:

isabell remmers

LANDKREIS. Viele Sportarten in Schaumburg haben einen schweren Stand. Ganz vorne mit dabei ist der Volleyball. Nur sechs Vereine im Kreis nehmen überhaupt noch aktiv am Spielbetrieb teil. Das sind im Seniorenbereich lediglich noch zwölf Mannschaften. In Hannover gibt es hingegen einzelne Vereine, in denen mehr Volleyballmannschaften existieren. Der GfL Hannover hat beispielsweise allein insgesamt 13 aktive Mannschaften im Seniorenbereich.

Und auch mit anderen Sportarten in Schaumburg lässt sich der Volleyball kaum vergleichen. Beim Fußball sind es 56 Vereine, die laut Niedersächsischen Fußball Verband Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet haben.

Nicht umsonst wurde die Organisation des Spielbetriebs im Volleyball auf Kreisebene bereits mit Nienburg und Diepholz zusammen gelegt. So kann bei den Frauen zumindest ein Spielbetrieb in einer Kreisliga und einer Bezirksklasse stattfinden. Durch die Zusammenlegung der Landkreise entstehen so Fahrten in der Bezirksklasse bis kurz vor Bremen. In anderen Sportarten fast undenkbar.

Der Vorsitzende der Region Diepholz-Nienburg-Schaumburg (DNS) Werner Metschke muss ebenfalls feststellen: „Die Entwicklung vom Volleyball in Schaumburg ist definitiv rückläufig.“

Für Metschke gibt es dafür einen klaren Grund: „Das Problem ist, dass die Vereine zu wenig auf Kinder- und Jugendarbeit setzen. Eine Fluktuation aus beruflichen Gründen ab einem gewissen Alter ist ganz normal, doch dann müssen die Vereine nachschieben.“ Im Jugendbereich gibt es insgesamt im Kreis nur acht gemeldete Mannschaften. Zwar ist die fehlende Kinder- und Jugendarbeit in allen Sportarten im Kreis ein Problem, im Volleyball macht es sich aber immer stärker bemerkbar.

Der Regionsvorsitzende sieht noch einen weiteren Grund für die rückläufige Entwicklung: „Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die fehlende Bereitschaft der Vereine, sich zusammenzuschließen und Spielgemeinschaften zu gründen.“ Für ihn sei ein Beispiel das Team Schaumburg, das vor zehn Jahren mit dem Ziel, den Volleyball in Schaumburg zu stärken und eine Perspektive zu bieten, ins Leben gerufen wurde. Die Idee: Durch Kooperationen Mannschaften zusammenführen und so vor der Auflösung retten. Doch das Konzept ging nicht auf. Noch vor einigen Jahren spielten im Seniorenbereich zunächst bis zu acht Mannschaften unter dem Decknamen, heute sind es nur noch insgesamt vier. Und auch im Jugendbereich ist das Team SHG mit drei Mannschaften eher mau aufgestellt. Aber immerhin: Im Kreis hat niemand mehr zu bieten. Und auch Metschke, Mitgründer des Team Schaumburg, will den Fokus jetzt wieder vermehrt auf die Jugend legen.

Die VT Rinteln hat ebenfalls mit dem drohenden Aussterben des Volleyballsports zu kämpfen. „Wir hatten zwar nie unzählige Mannschaften, aber zumindest konnten wir bis vor ein paar Jahren noch mit zwei Damen- und einem Herrenteam auflaufen“, erinnert sich Abteilungsleiter Daniel Gohr. Seit zwei Jahren steht aber nun auch die einzige aktive Mannschaft kurz vor der Abmeldung vom Spielbetrieb. Auch hier der Hauptgrund: die Fluktuation aus Schaumburg. Bei der Damenmannschaft leben mittlerweile fünf der zehn Spielerinnen in Hannover, pendeln zum Training und den Spielen extra nach Schaumburg. Ohne diesen Einsatz würde das Team wohl nicht mehr existieren. Auch Gohr sieht die fehlende Attraktivität des Standorts für junge Leute hier als Problem: „Es wäre sicherlich hilfreich, Schaumburg für die Jugend und jüngere Erwachsene attraktiver zu gestalten. Eine Hoffnung ist für uns der weitere Ausbau des Studienzenttrums Academia Rinteln.“

Um ein komplettes Aussterben der Volleyballsparte zu verhindern, versucht die VTR, vermehrt auf den Nachwuchs zu setzen. Seit Sommer letzten Jahres wächst der Zulauf bei der Anfängergruppe. „Aber auch hier fehlen für eine optimale Betreuung vor allem ehrenamtliche Helfer wie Trainer und die passenden Hallenzeiten. In Rinteln ist es sehr schwer, weitere Hallenzeiten zu bekommen“, meint Gohr.

Insgesamt wünscht sich der Spartenleiter daher auch eine stärkere Unterstützung durch den DNS, beispielsweise mit einer Trainerbörse oder den Austausch von Hallenzeiten. „Die Verbände versuchen aber schon seit geraumer Zeit, den Volleyball zu retten und setzen so auch einiges in Bewegung“, erkennt der Rintelner an.

Besonders problematisch ist der Herrenbereich. Der ist in Schaumburg schon so gut wie ausgestorben. Wo früher noch Jugendnationalspieler ausgebildet wurden wie Marc Fertig oder Olaf Korf existieren heute nur noch sehr wenige Herrenmannschaften. „Seit drei Jahren haben wir in der Region DNS nun schon gar kein Spielbetrieb der Herren mehr“, weiß Metschke. Er sieht aber auch: „Das ist ein Problem in ganz Niedersachsen.“

Selbst die einst erfolgreichen Rintelner Herren mussten 2015 ihre Mannschaft vom Spielbetrieb zurückziehen. „Die Gründe waren alters-, verletzungs- oder familienbedingt – und es kam einfach kein Nachwuchs nach“, erklärt Gohr die Situation. Auch im Team Schaumburg ist die Zahl der männlichen Volleyballspieler geschrumpft – hier sind aber immerhin noch zwei Männerteams aktiv, eins in der Verbandsliga.

„Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, fasst der Rintelner Spartenleiter die Schaumburger Situation des Volleyballs zusammen, „nicht alle Vereine werden ihn wohl gewinnen können.“




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