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Eveser Jobst von Palombini absolviert seinen 750. Marathon / „Leicht ist es nicht“

Von Turnhose zu Turnhose

veröffentlicht am 12.11.2018 um 11:24 Uhr

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Uwe Kläfker Redakteur Sport zur Autorenseite

BÜCKEBURG. Die Zahlen hat Jobst von Palombini gerne parat: 17 Marathonläufe unter drei Stunden, 52 unter 3:10 Stunden, 183 unter 3:30 Stunden und 430 unter vier Stunden. Macht 682. Absolviert hat der Läufer vom VfL Bückeburg insgesamt sagenhafte 750 Marathonläufe, dafür gab es jetzt eine Urkunde. Marathon und länger muss es eigentlich richtig heißen. Dabei hat er 1994 seinen ersten Versuch in Springe gar nicht beendet.

Dazu kommen noch 856 Wettkämpfe, die kürzer als ein Marathon, der bekanntlich 42,195 Kilometer lang ist, waren. „In aller Bescheidenheit, aber diese Bandbreite mit den langen und kurzen Distanzen dürfte in der Welt so ziemlich einmalig sein“, berichtet von Palombini. Seine absolvierten Marathonläufe reichen dagegen „nur“ für Platz 74 auf der Weltrangliste, die von Japanern erstellt wird und auf die nur Läufer aufgenommen werden, die mindestens 300 Läufe nachweisen können. Ein Marathon ist erst ein echter Marathon, wenn mindestens drei Läufer am Start sind, die „Zielerreichungsabsichten haben“, wie der Eveser erläutert. Der Marathon muss zudem im Internet drei Tage vorher angekündigt und – versteht sich – vermessen sein. Dann zählt dieser Lauf für den Marathon-Club Deutschland. Vom Spitzenplatz ist er allerdings weit entfernt: Ein Arzt aus Hamburg führt die Weltrangliste mit 2700 Läufen an.

Aber weshalb macht man so etwas? „Ganz einfach: Ich habe einfach Spaß daran“, sagt der 49-Jährige. Geselligkeit und Freude an der Natur sowie an der eigenen Leistung treiben ihn an, so der Gymnasiallehrer für Latein, Englisch und Italienisch. „Das ganze ist frei von Geld. Man begegnet sich von Turnhose zu Turnhose. Dieser Gleichheitsgedanke hat mich immer schon fasziniert. Egal, wo einer herkommt oder was er macht – er kann beim Laufen zeigen, was er kann.“ Die einzige Anerkennung sei die Urkunde. Und Schulterklopfer von Vereinskameraden.

Der Sport ist zeitaufwendig und findet am Wochenende oder in den Ferien statt. So wie der Lauf am Lago d´Orta in Italien. Dort absolvierte von Palombini zehn Marathonläufe in zehn Tagen. Den Transe Gaule, einen Lauf über 1200 Kilometer durch Frankreich, hat der Lehrer bereits dreimal absolviert. „19 Tage unterwegs, im Schnitt 10,5 Kilometer pro Stunde. Das hat noch kein anderer deutscher Läufer geschafft.“

Auch auf den kürzeren Distanzen packt von Palombini noch der Ehrgeiz. „Dort geht es auch um Zeiten. Zeigen, was man kann, ein bisschen das Alter aufhalten.“ Es sei schön, zu sehen, auf 5000 Meter schneller zu sein, als noch vor fünf Jahren.

Am liebsten läuft von Palombini auf Waldboden, ganz selten auf Straßen. Etwa 11 000 Euro für Laufschuhe seien schon draufgegangen. Aber der Extremsportler bleibt menschlich: „Ein Marathon bleibt immer lang – egal, wie oft man das macht. Leicht ist es nicht.“

Die Frage nach den schönsten Läufen beantwortet der Sportler pragmatisch: „2002 in Belfast.“ Da habe er mit 2:44 Stunden seine Bestzeit aufgestellt. „Aber wenn mein Sohn 18 wird, dann möchte ich mit ihm in New York laufen.“ Der wievielte 42,195 Meter-Lauf das dann sein wird, ist schwer kalkulierbar, denn Amadeo ist erst acht Jahre alt.




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