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Bürger-Info der Gemeinde mündet in Gründung einer Bürgerinitiative gegen die Schnellfahrtrassenpläne

Auetal organisiert sich gegen Trasse

AUETAL. Fünf Bürgerinitiativen engagieren sich bislang zwischen Porta Westfalica und Seelze gegen eine Neubautrasse der Bahn und für den trassennahen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke. Demnächst kommt noch eine sechste hinzu: Die am Donnerstagabend in Rehren abgehaltene Bürger-Info der Gemeinde Auetal mündete in den Aufruf zur Gründung einer neuen Bürgerinitiative, die sich speziell für den Bereich zwischen Steinbergen und Rodenberg gegen den Bau einer neuen ICE-Schnellfahrtrasse engagieren soll.

veröffentlicht am 24.05.2019 um 16:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2019 um 19:20 Uhr

Kommt die Neubautrasse entlang der Autobahn 2? „Die Situation ist sehr ernst“, sagt Landrat Jörg Farr. Die Menschen im Auetal sind besorgt. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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Konkret trugen sich 32 Personen in eine erste Liste von Interessenten für eine solche Bürgerinitiative ein, um die neue Gruppierung in den nächsten Wochen offiziell aus der Taufe zu heben. Kopf der neuen Bürgerinitiative wird voraussichtlich Hendrik Steg.

Dabei strebt die neue Bürgerinitiative den engen Schulterschluss sowohl mit der Lokalpolitik als auch den übrigen Bürgerinitiativen, insbesondere der in Bückeburg, Minden und Porta aktiven BIGTAB an. „Wir brauchen Eure Erfahrung und Eure Expertise“, so der langjährige Bernser CDU-Ratsherr Hartmut Büttner gegenüber der stellvertretenden BIGTAB-Vorsitzenden Gesine Frank, die auf Einladung von Bürgermeister Heinz Kraschewski einen Einblick in das komplexe Thema des Bahnausbaus Hannover-Bielefeld gegeben hatte. „Aber wir müssen jetzt erst einmal selbst die Füße hochkriegen.“

Dabei eint Bürgerinitiativen und lokale Politik das gemeinsame Ziel, den Schienenengpass zwischen Minden und Wunstorf durch den zeitnahen Bau zweier weiterer Gleise aufzuheben. „Der Schulterschluss für den trassennahen Ausbau ist das Gebot der Stunde“, so Bürgermeister Heinz Kraschewski. Auch Landrat Jörg Farr appellierte eindringlich zu einem gemeinschaftlichen Engagement gegen die Neubaupläne. Der Landkreis Schaumburg dürfe sich nicht auseinanderdividieren lassen, wenn das Bundesverkehrsministerium immer neue Trassenvarianten in die Diskussion werfe, mal an der A 2, mal am Mittellandkanal und mal über Stadthagen.

Volles Haus bei der Bürger-Info in Rehren: Der langjährige Bernser CDU-Ratsherr Hartmut Büttner sprach sich für die Gründung einer eigenständigen Bürgerinitiative aus. Foto: jp

Diese Informationspolitik führe zu massiven wirtschaftlichen Schäden, so Farr, weil Kommunen und Unternehmen angesichts der immer unklarer werdenden Lage vor Investitionen oder der Ausweisung neuer Baugebiete zurückschreckten. „Die Situation ist sehr ernst, und der ganze Landkreis ist betroffen“, meinte der Landrat. Das Falscheste sei es, sich nun zurückzulehnen und zu erwarten, die Trasse werde sicher irgendwo anders gebaut, nur nicht vor der eigenen Haustür.

Ein düsteres Bild für seine Heimatregion malte Hendrik Steg. Er geht fest davon aus, dass im Ministerium die Entscheidung für die ICE-Trasse durch das Auetal längst gefallen ist. Zum einen sei dies die kürzeste Verbindung zwischen den Eckpunkten Bielefeld und Hannover, zum anderen sei es „der schwächste Bereich des Landkreises Schaumburg“ und daher hier auch der geringste Widerstand zu erwarten. Dabei rechnete Steg nicht mit einem Trassenbau direkt an der Autobahn A 2: „Für eine Hochgeschwindigkeitstrasse ist die viel zu steil und zu kurvig.“

Vielmehr werde die Trasse im Bereich „Kühler Grund“ südlich von Rolfshagen aus dem Tunnel kommen und dann in schnurgerader Linie dem Verlauf der Bückeburger Aue folgen. „Denn dort ist das Gelände eben.“

Sein Fazit: „Wenn wir hier nicht richtig Rabatz machen, dann kriegen wir das Ding.“

Jörn Lohmann (CDU), Ortsvorsteher von Rehren, befürchtet den Verlust der Kerneigenschaften des gesamten Auetals. „Die Landschaft und die Nähe zur Natur sind die Gründe, weshalb die Menschen zu uns kommen. Eine ICE-Trasse würde uns all das, was uns hier auszeichnet, nehmen.“ Lars Büttner aus Bernsen sieht die Vertreter der Landes- und Bundespolitik in der Pflicht, sich mit aller Kraft gegen die Neubaupläne einzusetzen:

„Ich erwarte ein hochgradiges Engagement von den Politikern aller Couleur, und das zeitnah und heftig.“ Zur Zeit vermisse er bei einigen Vertretern der Bundespolitik eine „eindeutige Positionierung“ gegen die Neubautrasse.




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