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Politik diskutiert noch einmal über Wärme aus der Biogasanlage / Wasser marsch im Sonnental-Freibad

Beständig 24 Grad beim Schwimmen?

Im nächsten Jahr könnte das Freibad in Rolfshagen mit Wärme aus der Biogasanlage beliefert werden. Das bedeutet eine beständig angenehme Wassertemperatur, unabhängig von der Sonne. Die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien haben sich dafür ausgesprochen, wenn die Kosten im Rahmen bleiben. Die Entscheidung wird im nächsten Verwaltungsausschuss am Donnerstag, 2. Mai, getroffen.

veröffentlicht am 26.04.2019 um 16:56 Uhr

Zwei Millionen Liter Wasser fließen derzeit in das Becken. Demnächst könnte das Wasser mit Wärme aus der Biogasanlage auf eine beständige Temperatur erwärmt werden. Foto: la/Montage: tol
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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ROLFSHAGEN. „Wasser marsch“ hat es am Freitagmittag geheißen: Schwimmmeisterin Andrea Jagata öffnete den großen Wasserhahn – und seitdem fließt das Wasser in das große Becken im Rolfshäger Sonnentalbad. Insgesamt werden es rund zwei Millionen Liter. „Wenn alles gut geht, dann dauert es fünf bis sechs Tage, bis das Becken voll ist“, so Jagata.

Es dürfe immer nur eine bestimmte Wassermenge bezogen werden, um die Wasserversorgung in Rolfshagen nicht zu beeinflussen. So fließt das Schwallwasser voll, läuft durch den großen Filter, den Jagata am morgen gründlich gereinigt hat, und dann über die Düsen im Seitenbereich in die große Wanne. Wenn das Schwimmerbecken Mitte nächster Woche gefüllt ist, wird es über die Absorberanlage aufgewärmt. Je mehr Sonne scheint, desto besser. Denn nur wenn das Wetter gut ist, läuft die Solaranlage – und das Wasser wird erwärmt. Und wenn die Sonne nicht scheint, dann bleibt nur der Sprung ins kühle Nasse.

Damit könnte aber in der nächsten Saison Schluss sein, denn die Politiker diskutieren derzeit doch noch einmal über die Möglichkeit, Wärme über die Biogasanlage Ebeling zu beziehen. Im vergangenen Jahr war das Projekt geplatzt, da die Stadtwerke Weserbergland abgesprungen waren.

„Wir verhandeln derzeit neu mit Heinrich-Jürgen Ebeling. Und in der nächsten Woche wird über das Thema im Verwaltungsausschuss beraten“, sagte Bürgermeister Heinz Kraschewski.

Da die Absorberanlage ohnehin saniert werden muss und für neue Absorbermatten im Haushalt 45 000 Euro eingeplant wurden, hat man noch einmal die Möglichkeit der Wärmelieferung über die Biogasanlage ins Kalkül genommen. „Der Preis und die Vertragsdauer sind die entscheidenden Diskussionspunkte“, erklärte Kraschewski. Die Wärme sei etwas teurer, und der Vertrag würde über zehn Jahre laufen.

„Wir besprechen das am Montag in der Fraktion“, sagte Rüdiger Teich (SPD) auf Anfrage dieser Zeitung. Man müsse das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten beraten und abwägen. „Wenn wir das jetzt nicht machen, dann ist der Zug abgefahren, denn dann müssen wir die Absorberanlage sanieren und das Geld investieren“, so Teich. Da das Freibad für die SPD nicht zur Disposition stehe, habe er kein Problem mit einer langen Vertragslaufzeit.

„Wenn das machbar ist und sich die Kosten in Grenzen halten, dann muss man diese Chance nutzen“, empfahl auch Friedrich Gärling (CDU). Auf Dauer sei die Wärme zwar etwas teurer, aber dafür würde man die Sanierungskosten für die Absorberanlage sparen. „Ich gehe davon aus, dass das Freibad noch zehn Jahre geöffnet bleibt, und deshalb wäre die lange Vertragslaufzeit auch kein Kriterium, das mir Bauchschmerzen bereitet. Wir haben im Auetal nicht viel anderes, was man als Luxus bezeichnen kann. Das Bestehende sollten wir aufrechterhalten und Verbesserungen, wenn möglich, umsetzen.“

Anke Schmidt (Grüne) meinte, dass mit beständig warmem Wasser die Attraktivität des Freibades gesteigert werden könne. „Diese Chance müssen wir nutzen, auch wenn wir etwa 4000 Euro mehr pro Jahr bezahlen müssen“, so Schmidt. „Für die Frühschwimmer, aber auch für die Kinder, die im Freibad das Schwimmen erlernen, wäre gut temperiertes Wasser ein Segen.“ Außerdem könnte die Saison des Sonnentalbades verlängert werden, zum Beispiel von April bis Oktober. „Da steigen zwar die Personalkosten, aber das wäre es sicher wert“, so Schmidt.

„Beständige Wärme zu einem bezahlbaren Preis ist eine gute Sache“, sagte Siegbert Held (WGA). Man müsse das rechnerisch prüfen, und es wäre schön, wenn sich das finanziell darstellen ließe. Wenn es bei den im Raum stehenden 4000 Euro Mehrkosten bliebe, sollte man die Biogas-Energie nutzen.

Während in der Politik noch diskutiert wird und eine Umsetzung für diese Saison ohnehin nicht mehr möglich scheint, hofft Schwimmmeisterin Jagata bis zum 12. Mai auf Sonnenschein, denn dann öffnet das Freibad wieder seine Tore.




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