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Fahrstuhl am Rathaus ist vom Tisch / Gemeindeverwaltung schafft Bürgerkoffer für Hausbesuche an

Bürgerbüro zum Mitnehmen

Auf den Anbau eines Fahrstuhls am Auetaler Rathaus kann die Verwaltung nun doch verzichten. Dafür wird, in Absprache mit dem Senioren- und Behindertenbeirat, ein Bürgerkoffer angeschafft. Damit sind die Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros mobil.

veröffentlicht am 15.10.2018 um 15:44 Uhr
aktualisiert am 15.10.2018 um 18:00 Uhr

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Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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REHREN. Seit Jahren fordert der Auetaler Senioren- und Behindertenbeirat einen Fahrstuhl am Rathaus, um das Verwaltungsgebäude barrierefrei zu machen und Menschen mit Behinderungen und älteren Bürgern den Zugang zu ermöglichen. Die Pläne für den Fahrstuhl liegen in einer Schublade. Die Kosten betrügen rund 40 000 Euro und eine optimale Lösung wäre es nicht, denn umfangreiche Umbauarbeiten wären notwendig, und im Rathaus würde Platz wegfallen, der jetzt den Bürgern als Warteraum zur Verfügung steht.

„Der Fahrstuhl ist vom Tisch. Wir haben gemeinsam mit den Mitgliedern des Senioren- und Behindertenbeirates eine für alle Betroffenen gute Lösung gefunden“, sagte Bürgermeister Heinz Kraschewski. Ein sogenannter Bürgerkoffer soll angeschafft werden.

Das „Bürgerbüro zum Mitnehmen“ ermöglicht Menschen, die nicht in der Lage sind, selbst zum Meldeamt zu gehen, um dort ihren Ausweis zu verlängern, einen Führerschein zu beantragen oder eine Geburtsurkunde abzuholen, dies zu Hause, im Seniorenheim oder im Auetal auch im Spiegelsaal der „Alten Molkerei“ zu erledigen. Damit kommt das Amt zum Bürger – und nicht umgekehrt.

Der Bürgerkoffer der Bundesdruckerei, der ist mit allem ausgestattet, was Amtsmitarbeiter benötigen, um ihre Dienstleistungen auch außer Haus und vor Ort bei den Menschen zu erbringen. Ein komplettes Bürgeramt in einem Koffer – und das für rund 6000 Euro.

Der Koffer aus Berlin ist kompakt: 65 Zentimeter breit, 49 Zentimeter tief und 22 Zentimeter hoch. Und sein Inhalt überrascht. Er beinhaltet alles, was ein Bürgeramtsmitarbeiter benötigt, um etwa einen Personalausweis oder Reisepass zu beantragen.

Soll etwa ein Personalausweis beantragt werden, ruft der Mitarbeiter mit dem integrierten Laptop die Daten des Bürgers auf. Die dafür nötige Software des Meldeamtes wird über einen sicheren Zugang im kommunalen IT-Netz bereitgestellt.

Mit einer Kamera wird ein biometrisches Gesichtsbild des Antragstellers aufgenommen, der Scanner erfasst die Fingerabdruckbilder, und auf dem Pad unterschreibt der Bürger. Über ein geschütztes VPN-Netz und via schneller LTE-Verbindung werden die Daten versendet. Die erfassten Daten werden nicht lokal im Bürgerkoffer-Laptop gespeichert, sondern direkt auf einen sicheren Server der Behörde übertragen.

„Wir prüfen derzeit, welche Möglichkeiten uns dieser Koffer bietet und welche Ausstattung für uns notwendig ist“, erklärte Olaf Humke von der Auetaler Gemeindeverwaltung. Dann müssten noch die Gelder dafür bereitgestellt werden. Ab wann das „mobile Bürgerbüro“ eingesetzt werden kann, konnte Humke noch nicht sagen.

Die Mitglieder des Auetaler Senioren- und Behindertenbeirates sind mit dieser Lösung zufrieden. Ob die betreffenden Bürger schließlich zu Hause besucht werden oder im Spiegelsaal oder in der Finanzabteilung des Rathauses – beides befindet sich in der Alten Molkerei und ist durch den Fahrstuhl barrierefrei zu erreichen –, werden die Mitarbeiter des Bürgerbüros von Fall zu Fall entscheiden.

Das Rathaus wird rechtzeitig bekannt geben, ab wann das mobile Bürgerbüro einsatzbereit ist.




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