weather-image
21°

Vorführung beeindruckt Politiker und Feuerwehrleute / Anschaffung trotzdem zunächst zurückgestellt

„Cobra“-Löschsystem überzeugt - aber zu teuer

REHREN. „Wenn nur das liebe Geld nicht wäre“ – das ist nämlich der Grund für die Entscheidung des Feuerschutzausschusses vom Donnerstagabend, zwar wie geplant das neue Feuerwehrfahrzeug für die Ortsfeuerwehr Rolfshagen anzuschaffen, zunächst nicht aber das von Brandmeister Ralf Kopczinsky beantragte „Cobra“-Löschsystem für 50 000 Euro.

veröffentlicht am 12.04.2019 um 14:47 Uhr
aktualisiert am 12.04.2019 um 15:20 Uhr

270_0900_131066_a_cobra2_1304.jpg
Kerstin Lange

Autor

Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zu der Sitzung im Feuerwehrhaus in Rehren sind zahlreiche Feuerwehrleute gekommen. Es gab ein offizielles Wiedersehen mit Ehrengemeindebrandmeister Karl-Heinz Nothold, der das „Cobra“-Löschsystem der Firma ColdCut-Systems aus Schweden anhand von Fotos und Filmen erläuterte und schließlich auf dem Gelände des Bauhofs Kopczinsky an die Löschlanze ließ.

In wenigen Sekunden durchbohrte Kopczinsky eine fünf Zentimeter dicke Stahl- und eine Betonplatte und aus der Löschlanze trat mit großem Druck Wassernebel aus. So können Brände von außen effektiv gelöscht werden und die Feuerwehrleute sind in Sicherheit.

Nothold hatte zuvor beeindruckende Filme und Fotos von Einsätzen gezeigt. Hierdurch war deutlich geworden, wie schnell Brände, auch in Wänden Zwischendecken oder Hallen mit der „Cobra“ problemlos gelöscht werden können. Die Feuerwehrleute stehen beim Löschen sicher draußen, können früher und ohne Risiko in die Gebäude und da mit Druck und Tröpfchen gelöscht wird, entsteht fast kein Wasserschaden.

„Nach einem Dachstuhlbrand ist es fast immer möglich, dass die Wohnungen eine Etage tiefer nicht geräumt werden müssen, denn mit diesem System verursachen die Einsatzkräfte beim Löschen keinen Wasserschaden.

„Zweifellos ist das Cobra-Löschsystem für nahezu jede Feuerwehr eine interessante Ergänzung der Einsatzmöglichkeiten. Das will wohl niemand in Abrede stellen“, sagte Bürgermeister Heinz Kraschewski nach dem Vortrag und der Vorführung. Er gab aber zu bedenken, dass gerade erst der Haushalt 2019 beschlossen wurde und in den Haushaltsreden aller Fraktionen und auch in seinem Beitrag die Kernaussage zum Inhalt gehabt hätte, dass man mit den knappen Mitteln sehr sorgsam umgehen muss. Durch das 2018 beschlossene Fahrzeugkonzept würde die Gemeinde in den nächsten Jahren 900 000 Euro in neue Feuerwehrfahrzeuge investieren.

„Wie schon so oft gesagt, müssen wir das Wünschenswerte dem zwingend Erforderlichen unterordnen“, so Kraschewski. „Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ist das Cobra-Löschsystem für die Einsatzfähigkeit der Ortsfeuerwehr Rolfshagen beziehungsweise der Feuerwehren im Auetal von so großem taktischen, dass es im Ergebnis keine Alternative zu einer kurzfristigen Beschaffung gibt und es als zwingend erforderlich einzustufen ist. Muss eine kleine Gemeinde wie das Auetal mit knappen finanziellen Mitteln Vorreiter sein?“

Bela Lange (Grüne) sagte: „Ich habe das jetzt das erste Mal gesehen und ich muss sagten boah, das ist richtig cool.“ Aber auch Lange gab zu bedenken, ob es sinnvoll ist, dass die kleinste Gemeinde dieses System als Erste im Landkreis anschafft. „Wir reden uns oft die Köpfe heiß um 2000 Euro. Wir können eine solche Anschaffung einfach nicht stemmen“, so Lange. Außerdem würde die Ortsfeuerwehr Rolfshagen sicher immer angefordert, wenn die Technik irgendwo gebraucht würde. „Dann ist das Auetal im ganzen Landkreis unterwegs und das wären zusätzliche Einsätze“, gab Lange zu bedenken. Die Gemeinde Auetal habe das Geld für eine solchen Anschaffung nicht. Man müsse nach Möglichkeiten suchen, wie den Zusammenschluss mehrer Gemeinden oder die Ausstattung der Kreisfeuerwehr.

„Wir sehen das zwiegespalten“, sagte Thorsten Niedert (CDU). „Rolfshagen ist eine Stützpunktwehr mit vielen Einsätzen auf der Autobahn. Da ist eine gute Technik notwendig und da wenige Leute für den Einsatz mit dem System benötigt werden, tun wir uns schwer zu sagten, dass das Geld fehlt.“

„Wenn man ein solches System anschafft, dann sollte es in einem extra Fahrzeug sein, das man zentral einstellt. Sonst macht das alles wenig Sinn“, meinte Jürgen Tegtmeier (SPD).

„Wir sind da nicht einstimmig in der WGA“, sagte Andreas Tegtmeier, er meine aber, dass zunächst das Fahrzeug angeschafft werden solle. Das System sei ein zusätzlicher Bonus, der derzeit nicht drin sei, aber eventuell nachgerüstet werden könnte, falls noch Geld fließe.

Gemeindebrandmeister Michael Möller sieht das System als sinnvoll, personal- und wassersparend an. „Eine Anschaffung ist wünschenswert und es wäre schade, wenn wir es jetzt ganz ablehnen“, so Möller. „Man muss eine perspektivische Entscheidung treffen und taktieren.“ Ihm sei es aber wichtig, dass das Fahrzeug jetzt bestellt werde. Vielleicht könne man später noch einmal über die Cobra sprechen.

Somit einigte man sich schließlich einstimmig darauf, das neue Feuerwehrfahrzeug jetzt auszuschreiben und zu prüfen, wie das „Cobra-Löschsystem“ bis Ende 2021, wenn das Fahrzeug voraussichtlich ausgeliefert wird, doch finanziert und nachgerüstet werden könnte.

Information

Das Löschsystem „Cobra“ der Firma ColdCut-Systems aus Schweden arbeitet mit einem Druck von 300 bar und einer Durchflussmenge von 60 l/min. Zum Durchdringen von Materialien wie Türen, Wänden oder Blechen kann ein Abrasiv, in diesem Fall Eisenoxid, beigegeben werden. Die aufgrund des hohen Druckes kleine Tröpfchengröße sowie die Geschwindigkeit der Tropfen führen zu einem sehr hohen Wärmeaufnahmevermögen. Der Strahl verlässt die Löschlanze zuerst gebündelt, dies ist zum Durchtrennen von Material in Verbindung mit dem Abrasiv notwendig. Nach zirka sieben Metern zerfällt er zu einer Wassertröpfchenwolke. Die Kühl- und somit Löschwirkung des Systems ist dort am größten. Da das „Cobra-Löschsystem“ von außen eingesetzt wird, ist der Bediener im Vergleich zum klassischen Innenangriff einer geringeren Gefährdung durch Branphänomene sowie Wärme und Rauch ausgesetzt.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare