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Die Auetaler Grünen feiern steigende Mitgliederzahl mit einem Gartenfest – und Bela Lange erzählt von ihrer Niederlage

Der ländliche Raum hat Stärken

Rolfshagen. Gerade in den ländlichen Gebieten stehen die Menschen vor großen Herausforderungen und Dr. Norbert Bachmann zählt einiges von dem auf, was im ländlichen Raum fehlt oder verbesserungswürdig ist: schlechte Infrastruktur, zu wenig Arbeitsplätze, wenig Kulturangebote – das alles führe zu einer schleichenden Abwanderung.

veröffentlicht am 07.10.2015 um 17:34 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Aber, und dieses ABER ist eines in ganz großen Buchstaben, der ländliche Raum hat auch Stärken, er hat nämlich Gärten, und bietet damit Erholung, Entspannung, Lebensraum für Mensch und Tiere, hier kann man sich sein gesundes Obst und Gemüse selbst pflücken und ernten, hier lernt man die Vielfalt schätzen. Der Garten ist eine Oase, er ist ein Teil des Lebens, sagt Bachmann, in dem man zu Hause ist.

Bachmann und Peter Weiner wissen durchaus, wovon sie an diesem Nachmittag sprechen werden, ihr gemeinsamer Garten ist 4500 Quadratmeter groß und es ist ein Garten, der wirklich vielfältig ist; er ist eine Herausforderung, wenn man berufstätig ist, und er hat sich entwickelt, er wurde nicht am Reißbrett entworfen.

Offiziell sind die Auetaler Grünen die Gastgeber, auch weil sich die Mitgliederentwicklung in der letzten Zeit von einer erfreulichen Seite gezeigt hat, wie Vorsitzender Rolf Wittmann erklärt, und da habe man überlegt, ob man nicht bei einem Tag der offenen Tür alle zusammenführt. Und was habe näher gelegen, als das Thema Garten zu wählen? Welcher Grüne, welcher Mensch interessiert sich dafür nicht?

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Bachmann und Weiner können verschiedenste Arten von Gärten auf ihrem Grundstück zeigen: Den Schattengarten, den Obstgarten, den Gemüsegarten, den Steingarten, die Hühnerwiese, die Kräuterspirale und den Teich, und natürlich haben sie Fehler gemacht, wer macht sie nicht im Garten. Den Walnussbaum etwa, den haben sie viel zu dicht an das Haus gesetzt, sagt Bachmann, aber so ist es eben: Man probiert und irrt, und nach 20 Jahren sind sich die Nachbarn darüber einig, dass man über den berühmten Daumen verfügt. Im Garten, erklärt Expertin Anke Schurtzmann, die die Führung übernimmt, im Garten könnte sich der Mensch über die Arbeit mit den Händen und Fingern wieder erden.

Nicht geerdet werden muss Bela Lange, eher im Gegenteil: Sie ist wütend. Die Grüne aus Rannenberg hat den Wahlkampf um den Bürgermeistersessel in Rahden verloren, aber nicht die Niederlage an sich ärgert sie, es sind die Umstände. Bis zwei Wochen vor dem Urnengang habe sie gedacht, sie gewinne die Wahl, erzählt sie, dann hätten sich die drei dortigen Tageszeitungen auf die Seite des CDU-Bewerbers gestellt, es habe Leserbriefe gegen sie und ihre Politik gegeben, ohne Ende, und da habe man ihr unterstellt, sie wolle die ärztliche Versorgung ausdünnen – das sei in einer ländlich strukturierten Gegend wie Rahden für den Kandidaten der Todesstoß. Die letzten beiden Wochen habe sie nur noch wieder und wieder erläutern können, dass sie die Ärzteversorgung natürlich nicht antasten werde – vergeblich. Strategisch, so Lange, sei das Vorgehen ziemlich brillant gewesen. Den Rest des Satzes lässt sie in der Luft hängen, aber jeder weiß, was sie meint: Anständig geht anders.

Wer einen Garten anlegt, wer einen Baum pflanzt, sagt Anke Schurtzmann, der sollte sich vorher informieren: Wie groß wird ein Baum überhaupt? Das schütze vor der falschen Standortwahl, bei Obstbäumen sollte man mindestens zehn Meter Entfernung dazwischen lassen, wirft Wittmann ein. Neu gepflanzt, so Norbert Bachmann, habe man einen Mammutbaum, er würde 3000 Jahre alt, man plane ja schließlich auch für das Alter, merkt er augenzwinkernd an.

Alte morsche Bäume und Baumstümpfe, so Schurtzmann, könne man auch stehen lassen, sie könnten den Höhlenbrütern Nahrung und Platz bieten, das habe aus Naturschutzsicht einen hohen Wert. Und selbst wer keinen 200 Quadratmeter großen Teich sein Eigen nennen kann, der könne mit einem Maurerkübel für Wasser und Pflanzen durchaus Angebote für die Tierwelt schaffen; Bachmann und Weiner erzählen über die tierische Vielfalt, die sie beobachten konnten: So wurden etwa kleiner und großer Buntspecht, Grünspecht, Feuersalamander, Fledermäuse und Frösche gesichtet.

Was generell auffällt: Bei allen Gestaltungsarten tritt hier an der Obernkirchener Straße das lebendige Element, die Pflanze, niemals in den Hintergrund. Als Solitär erfüllt sie ähnliche Funktionen wie eine Skulptur, als Blickfang oder als Akzentuierung des Raumes. Und was Gott sei Dank fehlt, das ist eine monotone Rasenfläche, die noch immer vor viel zu vielen Häusern den Sieg über die Natur feiert. Rasen ist kein Garten, Rasen ist ein Irrtum, denn auf einem Rasen ist nichts mehr sichtbar, was das Leben in der Natur ausmacht: keine Vielfallt, keine Blüte, keine Frucht und damit wenige Angebote an die Tierwelt – nur noch dumpfes grünes Dahinvegetieren als totes Bild des Lebens. Bachmann und Weiner haben vor ihrem Haus eine Wiese – und das ist etwas völlig anderes.

Ganz unten, nach Süden gelegen, finden sich im Gemüsebereich Bohnen, Rote Bete, Pastinaken, Rosenkohl, Mangold in rot und gelb, und die Beete sind so angelegt, dass sie von geschwungenen Wegen aus bearbeitet und abgeerntet werden können, clever und praktisch das Ganze.

Zwei Stunden halten sich die Gäste im Garten auf, dann klingt die kleine Versammlung so langsam in der Diele aus: genug Gesprächsstoff ist ja vorhanden.

Grünes Wissen statt Bratwurst – sehr schön, das alles.

Hier lernt man die Vielfalt schätzen: Impressionen eines grünen Nachmittags in einer 4500 Quadratmeter großen Oase.rnk (4)/pr




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