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Vakanz ist vorbei: Dorothea Mecking in Amt eingeführt / „Manchmal braucht es, bis das Fundament aufgeschüttet ist“

„Die Gemeinde ist nicht die Spielweise der Pastorin“

Rolfshagen (rnk). Als sich Dorothea Mecking ihre mögliche neue Arbeitsstelle und das dazu gehörende Wohnhaus im Sommer ansah, da wurden gerade von der Kirchenjugend die Auetaler Hol(l)ydays gefeiert. Und die Jugendlichen hatten einen guten Rat für Kirchenvorstandsvorsitzende Angelika Held, die Dorothea Mecking damals begleitete und herumführte: „Wenn die Neue keine Hol(l)ydays will, braucht sie gar nicht erst kommen.“

veröffentlicht am 11.12.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 22:22 Uhr

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Am Sonntag wurde Dorothea Mecking in ihr neues Amt als Pastorin eingeführt, nach eineinviertel Jahren ist die Vakanz in der Kirchengemeinde Karohagen beendet. Und das die neue Pastorin die „Hol(l)ydays“ als eines der Aushängeschilder der Kirchengemeinde nicht weiterführt, ist wohl ausgeschlossen, schließlich gehört die Kinder- und Jugendarbeit zu dem Bereich, der mit am stärksten unter der Vakanz gelitten hat: Selbst der engagierteste Kirchenvorstand kann nicht alle Lücken füllen, wenn der Pastor an vielen Ecken und Enden fehlt; hier ist einiges nachzuholen.

Die Biografie von Dorothea Mecking ist schnell erzählt: 52 Jahre alt, in Uelzen aufgewachsen, verheiratet mit einem mittlerweile pensionierten Pastor, zwei erwachsene Töchter. Vor Karohagen war sie vier Jahre als Pastorin in der Gemeinde Floh bei Schmalkalden in der kurhessischen Landeskirche tätig.

Das lässt auf eine späte Berufung schließen, doch genau dieses Wort, nämlich Spätberufung, das mag sie nicht, weil sie es unzutreffend findet. Sie stammt aus einem christlichen Elternhaus, schon als Kind hat sie ehrenamtlich mitgeholfen, die guten Pastoren in der Jugendarbeit haben sie durchaus mitgeprägt, nach dem abgeschlossenem Studium der Kirchenmusik hat sie 22 Jahre als Kantorin gearbeitet – und gemerkt: „Ich möchte Pastorin werden.“ Vor zehn Jahren begann sie in Göttingen das Studium der Theologie, das sie 2006 mit dem Examen abschloss. Es folgte das Vikariat in Kassel. Und wenn sie jetzt zurück kommt in den (halbwegs) hohen Norden, dann ist dies auch eine Rückkehr: zur gewohnten Sprache, zur gewohnten Landschaft.

Daher hat sie sich zwischendurch durchaus informiert, ob es freie Pastorenstellen gibt in der hannoverschen Landeskirche; in der Heimat. Und hat sich dabei dreimal die Ausschreibung für Karohagen angesehen. Sie hat sich gewundert, auch dies dreimal: Das klingt doch gut, warum finden die keinen, der da hin will? Nachdem die Landeskirche grünes Licht zur ihrer Übernahme gegeben hatte, da rief die Dezernentin sie an: Ich habe was, das liegt im Landkreis Schaumburg. Es ist Karohagen.

Bingo.

Natürlich trifft Dorothea Mecking auf einen (fast ausschließlich weiblichen) Kirchenvorstand, der sehr selbstbewusst auftreten kann, nachdem er 15 Monate bewiesen hat, dass ein Gemeindeleben auf hohem Niveau auch ohne Pastor möglich ist; und erhält dafür eine Frau, die ihren Weg im Leben eigenständig beschritten hat und bislang zwei Kirchengemeinden mit zwei getrennten Kirchenvorständen leiten musste: In Karohagen kann sie ihre Kräfte bündeln.

„Die Gemeinde ist aber nicht die Spielwiese der Pastorin“, sagt Dorothea Mecking, und natürlich werde gemeinsam Hand in Hand gearbeitet. Man wird sich also jetzt erst einmal beschnuppern, und man wird sich auf beiden Seiten Zeit nehmen, um sich kennenlernen zu können. Die neue Pastorin formuliert es so: „Es braucht manchmal lange, ehe das Fundament aufgeschüttet ist.“

Ein Vorteil ist unbestreitbar, dass die neue Pastorin viele Seiten einer Kirchengemeinde kennt, sie schon vier Jahre mit den Augen einer Pastorin betrachtet hat und auch als Kirchenmusikerin. Apropos: „Es ist wahrscheinlich, dass ich mich selbst einmal an die Orgel setze.“ Und sie beschreibt ihren neuen Arbeitsplatz so: „Es ist die Verbindung von Wort und Musik, dieses Zusammenwirken, das wichtig ist.“

Als neue Pastorin habe sie es hier mit anderen Menschen als an ihrem bisherigen Wirkungsort zu tun, sagte Ortsbürgermeister Rüdiger Teich in einer kurzen Ansprache: Die neue Pastorin müsse auf neue Menschen zugehen und sie kennenlernen, um sich ihrer Fragen und Nöten anzunehmen, die ihr Glaube und die Auseinandersetzung mit ihm aufwerfen mag. Viel Zeit, so Teich, werde diese Hinwendung zum Menschen erfordern: „Zeit, die man häufig nicht zu haben scheint und die dennoch so wichtig und wertvoll ist.“ Er sei sich aber sicher, dass das Gefühl der Spannung, das angesichts eines neuen Seelsorgers in der Gemeinde naturgemäß immer vorhanden sei, sehr rasch der Überzeugung gegenseitigen Vertrauens weichen werde.




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