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Abschalten der Straßenlaternen sorgt für Diskussion und Ärger

„Eine Einladung für Einbrecher“

ROLFSHAGEN. Abends im Auetal. Henry Wolfram steht auf der Feldstraße in Rolfshagen. Jeden Abend geht er mit seinem Hund im Ort spazieren. Die Straße ist dunkel, die Laternen sind aus – und das schon seit Anfang Mai. Seit Jahren schaltet die Gemeinde in den Sommermonaten die Straßenbeleuchtung aus – um Geld zu sparen und um die Umwelt zu schützen, wie Bürgermeister Heinz Kraschewski erklärt.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 17:58 Uhr
aktualisiert am 17.05.2019 um 23:30 Uhr

Für Henry Wolfram ist es unverständlich, dass die Gemeinde die Laternen im Auetal ausgeschaltet hat. „Ich finde das sehr gefährlich“, sagt der Rolfshäger. Foto: leo
Leonhard Behmann

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Für Wolfram ist das unverständlich. „Ich finde das sehr gefährlich“, sagt der Rolfshäger. Gerade, weil es kaum Bürgersteige im Auetal gebe, sei das Abschalten für Fußgänger eine Gefahr. „Ohne Taschenlampe kann man abends nicht mehr auf die Straße gehen – es ist stockdunkel. Man sieht sonst nichts und wird von Autofahrern auch nicht gesehen“, sagt Wolfram. Henry Wolfram ist sauer. Abgesehen von der Gefahr für Fußgänger, sei das Abschalten der Laternen eine „Einladung für Einbrecher“, sagt Wolfram. Für ihn ist es unverständlich, weshalb die Laternen ausgeschaltet werden. Schließlich habe die Gemeinde die Lampen erst vor gar nicht langer Zeit auf sparsames LED-Licht umgerüstet. Wolfram würde sich wünschen, dass wenigstens im Mai die Leuchten anbleiben. Dann sei es noch recht früh dunkel.

Bürgermeister Heinz Kraschewski kann den Ärger nicht verstehen. Handlungsbedarf sieht der SPD-Politiker nicht. „Wir schalten die Laternen von Mai bis Mitte August ab. In dieser Zeit ist es abends länger hell. Wenn es dunkel ist, ist sowieso niemand mehr im Auetal unterwegs“, sagt Kraschewski auf Anfrage. Mit dem gesparten Geld könnten außerdem an anderer Stelle Projekte umgesetzt werden, argumentiert der Bürgermeister. Bei der CDU-Fraktion im Auetal sieht man das anders. „Wir fordern, dass die Beleuchtung einen Monat später abgeschaltet und einen Monat wieder früher angeschaltet wird“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Niedert. Ein entsprechender Antrag sei jedoch im Rat an der Mehrheit von SPD und den Grünen gescheitert. Immerhin habe man erreicht, dass in der Zeit vom 16. August bis zum 30. April – also in der Zeit, wo abends die Laternen angehen – die Lichter erst eine Stunde später um 1 Uhr nachts und eine halbe Stunde früher als vorher, um 4.30 Uhr angehen, sagt Niedert. „Die Verlängerung ist gerade für Schichtarbeiter und Zeitungsträger sehr wichtig“, erklärt Niedert. Seit Anfang des Jahres lief diese Regelung bereits. „Für uns ist das Thema aber noch nicht vom Tisch. Wir werden einen weiteren Antrag stellen, damit das Licht auch in der Zeit von Mai bis August länger anbleibt“ kündigt Niedert an.

Bei den Grünen steht bei der Diskussion vor allem der Umweltschutz im Vordergrund. „Das LED-Licht hat schlechte Auswirkungen auf den menschlichen Körper und auf die Tiere. Dem Körper wird durch das Licht suggeriert, dass es Mittag ist. Das führt zu Schlafstörungen“, sagt Bela Lange, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. Aus diesem Grund sei es richtig, das Licht abzuschalten. Von einer Verkürzung der Abschaltzeiten hält Lange nichts. „Dann brauchen wir ja gar nicht mehr abschalten“, sagt sie. Dennoch sei eine weitere Diskussion zu dem Thema notwendig. „Wir müssen einen Kompromiss zur Verkehrssicherheit finden“, sagt sie auf Anfrage.

Für Henry Wolfram ist klar: „Im Mai wird es noch zu früh dunkel, um die Beleuchtung abzuschalten.“ „Ich finde das unverschämt. Die Gemeinde sollte auch etwas für ihre Bürger tun. Schließlich zahlen wir die Steuern“, ärgert sich Wolfram.




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