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„Medium“ an Autobahn unterwegs

Elfenbeauftragte an A2: Einsatz von Melanie Rüter schlägt Wellen

AUETAL/STADTOLDENDORF.Die Meldung in unserer Zeitung hat riesige Wellen geschlagen: „Medium“ Melanie Rüter aus dem Kreis Holzminden war als Elfenbeauftragte an der A2 unterwegs. Das hat viel Häme nach sich gezogen – und eine Stellungnahme vom Niedersächsischen Verkehrsministerium.

veröffentlicht am 10.08.2018 um 17:00 Uhr

Melanie Rüter führt eigentlich einen Hundesalon, doch nebenher arbeitet sie als Medium und Elfenexpertin. Jüngst war sie an der A 2 im Einsatz. Foto: pr.
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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AUETAL/STADTOLDENDORF. 15. Juli: Zwei Autos prallen ineinander, drei Personen werden leicht, eine schwer verletzt. 11. Juli: Zwei Lkw fahren ineinander, die Autobahn wird gesperrt, es gibt kilometerlangen Rückstau. Dies sind nur einige der schrecklichen Meldungen, die es derzeit von der Autobahn 2 besonders im Abschnitt zwischen Lauenau und Bad Eilsen zu hören gibt, der durchs Auetal führt. Der starke Verkehr und die Baustellen lassen es mehrmals im Monat krachen und scheppern, teils mit tragischen Folgen.

Dies war Anlass für Melanie Rüter, der „Todesstrecke“, wie die Zeitung „Neue Presse“ titelte, im Juni einen Besuch abzustatten. „Eine gute Freundin hatte mich gefragt, ob ich nicht einmal versuchen wollte, dagegen etwas zu machen“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Melanie Rüter bezeichnet sich als „Heilerin der Seele, Medium, Elfenberaterin“, wie sie auf ihrer Homepage schildert. Sie sehe und empfinde besondere Bindungen zu den Menschen und der Natur, sagt sie am Telefon.

Und so machte sie sich an jenem Junitag auf zur A 2 im Abschnitt zwischen Lehrte und Braunschweig. Ihr Ziel: Mit aufgebrachten Naturwesen wie Elfen oder Trollen zu kommunizieren, um diese zu beruhigen, da ihnen durch die Autobahn ein Stück Natur weggenommen worden sei.

Unfälle, Kollisionen, Verletzungen, Staus: Regelmäßig kracht und scheppert es auf der A 2, wie hier am 11. Juli. Foto: tol/Archiv
  • Unfälle, Kollisionen, Verletzungen, Staus: Regelmäßig kracht und scheppert es auf der A 2, wie hier am 11. Juli. Foto: tol/Archiv

Auf den Bericht über ihren Einsatz in unserer Zeitung am 2. August folgte Häme: „Ich musste mich vergewissern, dass heute nicht der 1. April ist“, schrieb etwa ein Nutzer auf unserer Facebookseite, oder „Hat sie auch ihre Wünschelrute dabei?“ Auch die Medien schlugen hämische Töne an: „Eine ‚Elfenbeauftragte‘ soll für die Verkehrsbehörde die A 2 sicherer machen“, titelte etwa der jugendliche Spiegel Online-Ableger „bento“, „Niedersachsen setzt Elfenbeauftragte gegen Unfälle ein“ die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Diese Schlagzeilen wurden dem Niedersächsischen Verkehrsministerium anscheinend zu viel: Spiritualität sei kein „geeignetes Mittel, um den Straßenverkehr sicherer zu machen“, so das Ministerium Anfang dieser Woche gegenüber dem NDR. Dies werde der Ernsthaftigkeit des Themas Verkehrssicherheit nicht gerecht. Die bisher getroffenen Maßnahmen zur Verkehrssicherheit würden hierdurch konterkariert. Das Ministerium werde sicherstellen, dass sich ein „derartiger Vorfall nicht wiederholt“.

Rüter reagierte auf die (ungewollte) Aufmerksamkeit: „Unsere Absicht war es, der Natur, den Menschen, den Tieren und allen unsichtbaren Wesen zu helfen“, schrieb sie dazu auf ihrer Homepage. An der darauffolgenden „Sensationslust“ habe sie „kein Interesse“ und nehme Abstand: „Unsere Arbeit basiert auf dem Niveau der Liebe des Respekts und der Achtsamkeit.“

Rüter glaubt, dass sie etwas Gutes bewirken konnte. Dass ihre Anfrage überhaupt positiv beschieden wurde und sie ein Team der zuständigen Landesstraßenbaubehörde begleiten durfte, habe sie selber überrascht: „Es ist toll, wenn sich Menschen darauf einlassen“, sagt die 48-Jährige.

Auch positive Zuschriften erreichten unsere Zeitung: „In spirituellen Kreisen sind diese Themen ganz normal, aber in der normalen Presse nicht. Einen großen Dank dafür!“, schrieb etwa Amira Meyer.

Rüter versteht sich als Übersetzerin: „Ich kommuniziere mit der Natur und ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen.“ Sie will Negatives neutralisieren (und bietet das auch für Menschen an. Preis: ab 60 Euro pro Stunde). Zuvor arbeitete sie 16 Jahre lang als Hundetrainerin, nun führt sie einen Hundesalon im Ort Braak im Kreis Holzminden.

Für sie war der Einsatz an der A 2 etwas Besonderes, doch ihrer Meinung nach sollte es das nicht sein. „In Island gibt es das schon längst“, sagt Rüter. Dabei sei Island ein wohlhabendes Land. Immer wieder müssen dort nach Protesten Baustellen verlegt werden, um die angeblichen Heime von Elfen zu schützen.

Rüter hofft, dass in Deutschland bald ähnlich über das Thema gedacht wird. Die Existenz der Autobahn an sich wolle sie nicht kritisieren, sagt Rüter: „Eine Bewertung steht mir nicht zu.“ Der Mensch handele nun einmal so, wie er es für richtig halte. Man müsse damit umgehen und das beitragen, was man könne. „Die Welt retten, das schaffen wir nicht“, sagt Rüter. Von ihrem Einsatz an der A 2 ist sie überzeugt: „Es hat funktioniert.“




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