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Jahrgangsübergreifende Eingangsstufe bald auch an der Grundschule Auetal?

Erste und zweite Klasse gemeinsam unterrichten im Auetal?

REHREN. Kinder lernen von Kindern, Stärkere helfen den Schwächeren, jeder lernt in seinem Tempo. Arbeitspläne für zwei Jahre werden von den „Ersties“ und „Zweities“ abgearbeitet und ob die Grundschüler für diese Pläne der Eingangsstufe zwei oder drei Jahre benötigen, das ist völlig egal.

veröffentlicht am 30.11.2018 um 14:45 Uhr

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Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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Lars Eberst, Leiter der Grundschule Remlingen, hat das Modell „Jahrgangsübergreifendes Lernen in der Eingangsstufe“ am Donnerstagabend an der Grundschule Auetal vorgestellt. Auetaler Lehrkräfte haben sich mit der Schulform auseinander gesetzt und in Remlingen hospitiert. Während sich bei den Lehrkräften eine positive Tendenz in Richtung jahrgangsübergreifende Eingangsstufe abzeichnet und auch die Erzieherinnen der Kitas wohl mehrheitlich hinter dem Modell stehen, waren Eltern eher skeptisch.

„Das war ich anfänglich auch, aber diese Unterrichtsorganisation bietet eine große Chance, den Unterschieden in der Klasse entgegen zu kommen. Man wird einfach den Kindern gerechter, indem man die Starken nicht ausbremst und die Schwächeren nicht durchzieht, denn jeder kann wirklich da lernen und arbeiten, wo er gerade steht“, erklärte die Lehrkraft Jacqueline Drelichowksi. Jeder könne in seinem Tempo arbeiten und mit den Arbeitsplänen, die die Lehrer erstellen müssten, werde die Unterrichtszeit zu 100 Prozent ausgeschöpft, da jeder sinnvoll arbeitet. Die Lehrer würden als Lernbegleiter in eine andere Rolle schlüpfen und hätten mehr Zeit für einzelne Schüler. „Das ist zwar alles anfangs viel Arbeit, aber lohnend, wenn alle davon profitieren“, so Drelichowski.

Wegfallen würde auch das Sitzenbleiben, da Kinder nur einfach länger in der Lerngruppe bleiben. „Jeder so, wie er es braucht – ohne Gleichmacherei, denn die Schüler sind nicht gleich“, erklärte Eberst. Man könne nicht, um es gerecht zu machen, allen Kindern die gleiche Aufgabe geben. „Das wäre ungerecht, denn nicht jedes Kind kann jede Aufgabe ausführen“, so Eberst. Er nannte ein tierisches Beispiel: Ein Affe, ein Elefant und ein Goldfisch bekämen die Aufgabe auf einen Baum zu klettern – der Goldfisch werde das nie schaffen, egal was er anstellt.

„So ist das auch mit den Kindern. Manche kommen als Sechsjährige in die Schule und können kein Deutsch, andere sind motorisch schwächer und andere wiederum verhaltensauffällig“, so Eberst. Man müsse die Kinder dort abholen, wo sie sind. „Die Schüler müssen Spaß haben am Lernen, nur dann lernen sie gut und kommen nicht mit Unmut in die Schule“, so der Schulleiter.

In der Eingangsstufe würden die Kinder die Regeln des Zusammenlebens lernen. Wenn zum Beispiel der Erstie am Computer eine Aufgabe lösen soll, die Aufgabenstellung aber nicht lesen kann, dann sollte ein Zweitie vorlesen und erklären. „Das steigert die Lesekompetenz und Erklärtes sitzt auch besser. Zunächst sollen die Kinder immer die älteren Schüler fragen. Die Lehrer sind Lernbegleiter, sorgen für Ruhe und beaufsichtigen“, so Eberst.

Jeder Lernabschnitt wird durch einen Test – „Geheimaufgabe“ genannt – überprüft. Nur wer das Soll erfüllt, darf die nächst Aufgabe beginnen.

„Ich finde das gut, und zwar nicht nur für lernschwache Kinder, sondern auch für die besseren. Die sind dann Experten, wenn sie den Schwächeren etwas erklären können und werden so selbstbewusster. Das Modell knüpft an den Kindergarten an, wo die Kindern lernen zusammen zu spielen und zu leben und der Übergang zur Schule wäre mit der Eingangsstufe weniger stufig“, meinte Kathrin Möller, Erzieherin in Rolfshagen.

„Bei diesem Modell müssen Schüler die Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Daher ist ein hohes Maß an Vertrauen notwendig. Aber Kinder wollen ihre Lernziele erreichen und Geheimaufgaben machen“, so Eberst.

Das Kollegium der Grundschule Auetal möchte weiter in Remlingen hospitieren und im Mai daüber abstimmen, ob die Eingangsstufe eingeführt werden soll. Falls ja, würden nächstes Jahr die Arbeitspläner erstellt und 2020 mit der Starterklasse und im Schuljahr darauf mit der Eingangsstufe gestartet“, so Drelichowski. Entscheiden muss der Schulvorstand.




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