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Gespräch mit dem Kandidat für das Europäische Parlament Jörn Lohmann aus Rehren

„Es wird Zeit, mit diesem Ritual zu brechen“

Jörn Lohmann kandidiert für das Europäische Parlament. Die SZ/LZ hat mit dem Rehrener über seine Kandidatur, Ziele, Europa und die Wahl gesprochen.

veröffentlicht am 22.05.2019 um 18:08 Uhr
aktualisiert am 22.05.2019 um 23:30 Uhr

Jörn Lohmann ist Kandidat für das Europäische Parlament. Foto: pr.
Leonhard Behmann

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Herr Lohmann, Sie wollen Mitglied des Europäischen Parlaments werden und stehen auf der Landesliste der CDU. Warum haben Sie sich aufstellen lassen?


Für die Volkspartei CDU ist es überlebensnotwendig, nicht nur den Anspruch zu haben, die Gesellschaft in ihrer Breite zu vertreten, sondern dies auch tatsächlich zu tun. Daher war es für mich wichtig, auch junge Köpfe auf der Landesliste der CDU wiederzufinden. Gemeinsam mit meinem Schaumburger Kollegen Fabian Heine haben wir als CDU in Niedersachsen alleine aus Schaumburg zwei Kandidaten unter 30 aufstellen können. Damit haben wir anderen vermeintlichen Volksparteien in Schaumburg schon einiges voraus.


Was würden Sie gern verändern?


Ein hehres, aber wichtiges Ziel ist es, die Europäische Union als Institution nahbarer und transparenter zu machen. Das kann am Ehesten dadurch gelingen, das Parlament mit weiteren Rechten auszustatten. Außerdem halte ich das derzeitige Sitzungsmodell für fragwürdig. Warum müssen die Plenartagungen in Straßburg und die parlamentarischen Ausschüsse in Brüssel tagen? Es wird Zeit, mit diesem „Ritual“ zu brechen, den EU-Vertrag entsprechend zu ändern und die hierfür aufgewandten Steuergelder in Form von Reisekosten zu sparen. Außerdem können wir die Vorzüge der EU mit einfachen Maßnahmen zugänglicher machen: Mit einem kostenfreien Interrail-Ticket für alle Auszubildenden und Studenten innerhalb der EU, würden die vier Grundfreiheiten der EU für die junge Generation erlebbarer und das Verhältnis der nächsten Generation verschiedener Mitgliedsstaaten zueinander gestärkt.


Wie stehen Ihre Chancen bei der Wahl?


Mit Platz 22 auf der Landesliste bin ich relativ aussichtslos platziert. Sollte nichts absolut Überraschendes passieren, werde ich also nicht einziehen. Aber man weiß ja nie.

Ärgert es Sie eigentlich, dass Ihre Partei Sie mit einem schlechten Listenplatz ausgestattet hat?

Tatsächlich nicht. Zur Zeit befinde ich mich noch in den letzten Zügen meines Studiums, sodass ein Einzug in das Parlament, das ja bekanntlich noch in Straßburg und Brüssel tagt, eine starke Umstellung bedeuten würde. Im Zweifel müsste ich meine Ausbildung unterbrechen. Ich bin zwar als Kandidat für das Europäische Parlament, sehe mich aber vor allem als Ansprechpartner und Multiplikator im ländlichen Raum, wenn es um die Wahl des nächsten Europäischen Parlaments geht. Als die Partei angerufen und gefragt hat, ob ich mich nicht auf der Liste platzieren lassen wolle, habe ich mich sehr gefreut. Der Listenplatz war da zweitrangig.


Die Wahlbeteiligungen bei Europa-Wahlen sind traditionell sehr gering... Woran glauben Sie, liegt das?


Für viele Menschen ist das, was in Brüssel und Straßburg passiert, wenig greifbar. Wenn die Menschen politische Entscheidungen mitbekommen, geht es oftmals um den Krümmungsgrad von Gurken, Staubsauger oder Glühlampen. Das führt oftmals zu einem Gefühl der Bevormundung – die EU ist aber viel mehr als das. Ich komme aus dem Auetal, der ländliche Raum profitiert immens von Europäischen Fördermitteln, beispielsweise des LEADER-Programms. Hier unterstützt die EU finanzielle Projekte – unter anderem den Hochwasserschutz in meinem 1200 einwohnergroßen Heimat- und Wohnort Rehren. Die Liste an Beispielen lässt sich aber endlos weiterführen. Die EU wirkt also in fast jedem Ort der Bundesrepublik unmittelbar für dessen Einwohner. Darüber wird viel zu wenig gesprochen.


Warum ist es wichtig, wählen zu gehen?


Wenn wir es nicht schaffen, die breite Mehrheit der Bevölkerung diesen Sonntag zur Wahlurne zu bewegen, überlassen wir das Europäische Parlament Populisten, die es am liebsten morgen abschaffen würden. Was passiert, wenn strukturell-populistische Parteien mit tatsächlicher Macht ausgestattet werden, haben wir vergangene Woche in Österreich am Beispiel von Heinz-Christian Strache erleben müssen. Die Kernfragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens auf diesem Kontinent lassen sich nur lösen, wenn wir bereit sind, ernsthaft miteinander zu sprechen und zu verhandeln. Das wird uns mit Abgeordneten aus populistischen Parteien, die bereit sind, die Bevölkerung für einen persönlichen Vorteil zu verkaufen und zu verraten, nicht gelingen. Deshalb sollten wir diesen Sonntag auf jeden Fall den Weg zum Wahllokal finden. Die Europäische Union – das Leben, wie es für meine Generation selbstverständlich ist – steht auf dem Spiel.




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