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Helmut Büttner: „Wir Auetaler müssen frühzeitig und massiv gegen die Bahntrasse auf die Barrikaden gehen!“

Flammender Appell für Bürgerinitiative

Die Planungen für eine Bahntrasse durch das Auetal sind im Rat der Gemeinde Auetal angekommen. Ein Einwohner forderte mit einem flammenden Appell die sofortige Gründung einer Bürgerinitiative, um das zu verhindern.

veröffentlicht am 15.03.2019 um 15:18 Uhr
aktualisiert am 15.03.2019 um 17:40 Uhr

Heinz Kraschewski äußert sich zur geplanten Bahntrasse. Fotos: la
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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REHREN. Der Schienenverkehrsprojekt Hannover-Bielefeld und die geplante Hochgeschwindigkeitstrasse, sind Thema bei der jüngsten Ratssitzung gewesen. Bürgermeister Heinz Kraschewski stellte dazu fest, dass Enak Ferlemann vom Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur für Klarheit in Sachen Ausbau- oder Neubauplanungen auf der Strecke Hannover-Bielefeld sorgen muss. Bislang habe sich Ferlemann dazu nur sehr vage geäußert.

Kraschewski zitierte wörtlich aus einer Antwort Ferlemanns: „Die Umsetzung aller für den Deutschland-Takt unterstellten Infrastrukturen, die zusätzlich zum Bedarfsplan Schiene notwendig sind, steht unter dem Vorbehalt einer abschließenden positiven Bewertung im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung. Erst danach können Detailplanungen, etwa zur Trassierung, beginnen. Dies gilt auch für die von den Gutachtern derzeit unterstellten Infrastrukturmaßnahmen auf der Strecke Hamm-Seelze-Berlin.“

Deutlich werde aus dem Antwortschreiben jedoch, dass eine Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h auf der gesamten Strecke angestrebt wird. Auf weitere Nachfrage der Bundestagsabgeordneten Marja-Liisa Völlers wurde seitens des Verkehrsministeriums bestätigt, dass diese Geschwindigkeit durch einen trassennahen Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Minden definitiv nicht zu erzielen sei.

Helmut Büttner

„Spätestens durch die Veröffentlichung dieser Aussage in der Presse wurden deshalb Mutmaßungen über verschiedene Neubaustrecken durch das Schaumburger Land geäußert. Eine mögliche Streckenführung ist meines Erachtens entlang der A 2 nicht denkbar. Selbst wenn man alle sowohl technischen als auch ökologischen Bedenken außer Acht lässt, würde diese Streckenführung zwangsläufig die Landschaft und Ortschaften durchtrennen und Mensch und Natur in einem nicht vertretbaren Ausmaß belasten“, so Kraschewski.

Der Landkreis Schaumburg lehne vehement jeglichen trassenfernen Neubau ab und favorisiert ausschließlich einen streckennahen Ausbau der Bestandsstrecke für das Kreisgebiet. Bereits 2002 habe der Kreistag eine entsprechende Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan beschlossen, in der ausdrücklich einer zusätzlichen Streckenführung durch den Landkreis eine klare Absage erteilt werde. Diese Beschlusslage gelte weiterhin.

„Ich habe als Bürgermeister der Gemeinde Auetal vor Panikmache gewarnt, weil ich unter Betrachtung der topographischen Gegebenheiten eine Neubaustrecke, die das Auetal zwangsläufig derart stark schädigen würde, allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausschließe. Tunnel und Brücken würden sich in loser Folge aneinanderreihen“, so Kraschewski.

Nichtsdestotrotz halte sich das Gerücht hartnäckig, dass eine Streckenführung entlang der A 2 durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

„In Bernsen hat der Heimatverein eine Unterschriftenaktion gestartet und eine Petition an mich gerichtet, in der darum gebeten wird, sich bei den zuständigen Stellen auf Kreis-, Landes- und Bundesebene über die Pläne zum Bau einer Hochgeschwindigkeits-Bahntrasse durch das Auetal zu informieren und diese Infos den Bürgern zur Verfügung zu stellen. Des Weiteren wird darum gebeten, dass mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln gegen den Bau einer Bahntrasse durch das Auetal vorgegangen werden soll, um diese zu verhindern“, so der Bürgermeister. Die Petition sei von 221 Personen der Ortschaft Bernsen mit ihren 391 Einwohnern unterzeichnet worden.

Für die nächste Ratssitzung will der Bürgermeister eine mit den Fraktionen abgestimmte Fassung einer Resolution gegen eine Neubautrasse einbringen.

Rüdiger Teich (SPD) sah eine solche Resolution als wichtige Sache an, forderte darüber hinaus aber die Gründung einer Bürgerinitiative (BI) im Auetal.

„Eine Resolution ist ein guter Ansatz. Bevor jedoch eine BI gegründet wird, müssen wir handfest Infos für die Bürger haben. Auf Panikmache sollte verzichtet werden“, meine Anke Schmidt (Grüne). Dem schloss sich Jörn Lohmann (CDU) an.

Siegbert Held (WGA) stellte fest: „Laut einiger Fachleute ist es bei der Steigung im Auetal mit dem notwendigen Radius, überhaupt nicht möglich, hier eine Bahntrasse zu bauen“, so Held.

Einen flammenden Appell für eine BI gab es in der Einwohnerfragestunde von dem Bernser Helmut Büttner. „Ich war hier 20 Jahre Ratsherr und wenn ich eins gelernt habe, dann, dass man frühzeitig, massiv auf die Barrikaden gehen muss, wenn man etwas erreichen möchte!“ Ökologisch und ökonomisch sei eine solche Bahntrasse durch das Auetal ein Einschnitt, der alle Auetaler angehe. „Wir müssen uns in einer Bürgerinitiative organisieren, und zwar die Auetaler aller Ortsteile und gemeinsam gegen die Bahntrasse und die Ferlemannsche Verschleierungspolitik protestieren“, so Büttner.




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