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Mit Treckern und Muskelkraft: Grabfundamente entfernt, Rasen gesät, Platz für Süntelbuche gefunden

Friedhof im Umbruch

HATTENDORF. Mit Treckern und Muskelkraft sind auf dem Hattendorfer Friedhof Grabfundamente entfernt und Rasen gesät worden. An der Nordseite des Kirchhofs wurde ein Platz für die Anpflanzung einer Süntelbuche ausgesucht.

veröffentlicht am 10.10.2018 um 14:49 Uhr
aktualisiert am 10.10.2018 um 16:20 Uhr

Aus dem Friedhof wird der Kirchhof: Nur noch wenige Gräber finden sich rund um das Gotteshaus. Foto: rnk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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HATTENDORF. Der Rasen ist ein Problem. Frisch eingesät, aber der Dürre-Sommer hat auch hier seine Spuren hinterlassen, großflächig braun statt sattgrün.

Aber sonst? „Sind wir stolz“, sagt Pastor Peter Radow und meint damit nicht nur den Kirchenvorstand, sondern vor allem ein Team von acht, neun Männern, die rund um Friedhofsmitarbeiter Siegfried Dornbuch in diesem Sommer mehr als einmal drei Trecker angespannt und dazu kräftig in die Hände gespuckt haben, denn der Bereich rund um die Kirche befindet sich im Wortsinne im Umbruch, aus dem Friedhof wird ein Kirchhof.

Die großen Grabplatten, die entlang der Mauer auf ihre Abholung warten, erzählen die Geschichte dieses Sommers: Im unteren Bereich der Kirche wurde der gesamte Boden mit dem Bagger durchgearbeitet, es wurden die Grabfundamente mit Treckern und Muskelkraft entfernt, von den gefundenen Steinen gar nicht zu reden. Der Bereich wurde mit Mutterboden gefüllt, eingeebnet, geharkt, abgefahren, gesät und gewalzt. Bis in eine Tiefe von 90 Zentimetern wurde gearbeitet, „das entspricht der Urnentiefe“, erklärt Radow.

Viel Platz wurde in diesem Sommer geschaffen. Foto: rnk
  • Viel Platz wurde in diesem Sommer geschaffen. Foto: rnk
Die Mauer ist ein Sanierungsfall, und nein, billig wird das nicht. Foto: rnk
  • Die Mauer ist ein Sanierungsfall, und nein, billig wird das nicht. Foto: rnk

Der Wandel der Gesellschaft hat bekanntlich die Friedhöfe längst ereilt. Vor geschätzten 40 Jahren wurde noch ein zweiter Gottesacker angelegt, weil der erste, der Friedhof bei der Kirche, bald gefüllt sein würde, doch dann änderte sich die Bestattungskultur, gefragt waren nicht mehr große und damit auch aufwendig zu pflegende Erdgräber, sondern Urnengräber. Das habe man in Hattendorf schon vor langer Zeit erkannt, erklärt Christa Sahlfeld, daher habe man schon vor fast zwei Jahrzehnten beschlossen, auf dem Friedhof an der Kirche keine neuen Gräber mehr zuzulassen, sondern besser Bäume anzupflanzen, für einen künftigen Park rund um das Gotteshaus. Nun werde es immer noch ein Park rund um die Kirche, in dem aber Urnengräber zulässig seien, sagt die Kirchenvorstandsvorsitzende.

Denn der Kirchenvorstand hat im Dezember die Friedhofsordnung geändert, der Friedhof wird zu etwa zwei Dritteln als „Kirchhof“ und nicht mehr als Friedhof geführt, und auf dem restlichen Drittel ist künftig eine Urnenbestattung unter Bäumen möglich, „diese Form der Bestattung auf einem kirchlichen Friedhof trägt dem Wandel und der Vielfalt der Bestattungskultur in unserer Gesellschaft Rechnung. Immer weniger Menschen können oder wollen eine intensive Grabpflege leisten“, wird auf der Homepage der Kirchengemeinde der Beschluss begründet. Zugelassen sind Grabplatten mit eingelassenen Buchstaben, nicht mehr erlaubt sind Figuren, und Vasen werden nicht mehr toleriert, außer am Ewigkeitssonntag, sagt Pastor Radow. Man werde, so sagt Christa Sahlfeld, auch noch einen genauen Plan entwerfen, aber man habe ja Zeit, weil die Nachfrage nach den Urnengräbern zwar vorhanden, aber doch überschaubar ist.

Muskelkraft und Trecker werden im oberen Bereich des Kirchhofes, zur Straße hin, nicht ausreichen, und auch Radow spricht von der größten Sorge, wenn die Sprache auf die dort anstehenden Arbeiten kommt. Denn hier verläuft der Friedhof terrassenförmig, weil die anfallende Erde nach dem Grabaushub über all die Jahre kurzerhand locker verteilt wurde, der Bereich wuchs zum einen nach oben, zum anderen drückt die aufgefüllte Erde stark gegen die Friedhofsmauer, sie ist baufällig, außerdem mögen Holunder und Flieder hübsch anzusehen sein, aber ihre Wurzeln sprengen auch Beton.

Es sind Arbeiten, die kosten werden. Rund 26 000 Euro hat ein erster Kostenvoranschlag für die Sanierung der Mauer und für einen neuen Sicherheitszaun ergeben, er soll aber nicht das letzte Wort sein. Wo das Geld herkommt? „Gute Frage“, sagt Christa Sahlfeld, dann zählt sie auf: Rücklagen, Zuschüsse, freiwilliges Kirchgeld, Einnahmen durch den Friedhof, „finanziell wird es nicht einfach“, sagt Radow. Bei den Arbeiten wird sehr viel Erde abgetragen werden. Der Friedhof werde dort oben Stück für Stück abgetragen und komme wieder auf das Niveau von einst, erklärt Radow; er wird, wenn man so möchte, tiefergelegt.

Beschlossen ist auch die Anpflanzung einer Süntelbuche; sie wird ihren Standort für drei bis vier Jahrhunderte an der Nordseite des Kirchhofes finde; dort, wo jetzt noch der Schutt liegt.

Und sie wird Platz erhalten: Wie die Anpflanzung der Süntelbuche vor Raden zeigt, benötigt die Mutation der Rotbuche ihn auch.

Und auch der Rasen wird nachgesät, Radow hat sich bei einem Experten erkundigt, selbst im Dezember wäre eine Aussaat kein Problem.




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