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Fahndung nach Falschfahrer / ADAC hat Phänomen erforscht

„Geister“ auf der Autobahn

REHREN. Die Autobahnpolizei Garbsen fahndet mit Hochdruck nach einem Falschfahrer. Am Donnerstagabend um 18.02 Uhr hatten Autofahrer der Leitstelle gemeldet, dass ein Lastwagen auf der Autobahn 2 in Höhe der Ausfahrt Rehren entgegengesetzt zur Fahrrichtung fährt. Sofort wurden Radiodurchsagen veranlasst, auch die Verkehrsmangementzentrale in Hannover sendete eine Warnung vor dem Falschfahrer aus.

veröffentlicht am 03.05.2019 um 16:58 Uhr
aktualisiert am 03.05.2019 um 19:20 Uhr

In Höhe der Autobahnausfahrt Rehren fuhr der Unbekannte mit seinem Lastwagen rückwärts. Foto: leo
Leonhard Behmann

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REHREN. Die Autobahnpolizei Garbsen fahndet mit Hochdruck nach einem Falschfahrer. Am Donnerstagabend um 18.02 Uhr hatten Autofahrer der Leitstelle gemeldet, dass ein Lastwagen auf der Autobahn 2 in Höhe der Ausfahrt Rehren entgegengesetzt zur Fahrtrichtung fährt. Sofort wurden Radiodurchsagen veranlasst, auch die Verkehrsmangementzentrale in Hannover sendete eine Warnung vor dem Falschfahrer aus. In Garbsen machte sich die Besatzung eines Streifenwagens mit Blaulicht und Sirene auf den Weg ins Auetal.

Zeugen hätten beschrieben, dass der Lastwagenfahrer zunächst an der Ausfahrt Rehren vorbeigefahren und dann auf der Autobahn rückwärts gefahren sei, erklärt Polizeisprecherin Antje Heilmann auf Anfrage. „Vermutlich hat der Fahrer die Abfahrt verpasst“, mutmaßt Heilmann. Als herbeigeeilte Polizeibeamte am Einsatzort eintrafen, war der Lastwagen allerdings verschwunden.

„Leider konnte keiner der Zeugen, die das gefährliche Manöver beobachtet haben, sagen, wie das Kennzeichen des Lastwagens lautet“, sagt Heilmann. Die Ermittler suchen deshalb Zeugen, die sich das Kennzeichen des Lastwagens gemerkt haben. „Dann können wir gezielt nach dem Fahrer fahnden“, erklärt Heilmann.

Der ADAC beobachtet und untersucht das Phänomen der sogenannten „Geisterfahrer“ auf der A 2 seit Langem. Besonders viele Warnmeldungen vor Falschfahrern würden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ausgestrahlt, heißt es. „Unsere Auswertungen zeigen, dass besonders an Wochenenden Geisterfahrer unterwegs sind“, sagt Alexandra Kruse vom ADAC. 20 Prozent aller Falschfahrten wurden an Sonntagen, 17 Prozent an Samstagen registriert. Die anderen Wochentage kamen auf Anteile von zwölf bis 14 Prozent. „Zwischen 5 und 9 Uhr morgens besteht das geringste Risiko, einem Falschfahrer zu begegnen, zwischen 22 und 5 Uhr morgens ist die Gefahr am größten“, sagt Kruse auf Anfrage. Etwa die Hälfte der Falschfahrerwarnungen würden bei Dunkelheit ausgestrahlt.

Das Niedersächsische Verkehrsministerium plane derzeit zudem ein Modellprojekt. „Geisterfahrer sollen dabei durch hell scheinende Leuchtdioden in der Fahrbahn, die ein Durchfahrtverbot anzeigen, an den Autobahnauffahrten gestoppt werden“, sagt Kruse.

Über das Jahr gesehen sei ein deutlicher Anstieg an Geisterfahrern während der Sommermonate zu registrieren. Dabei gibt es eine klare Tendenz beim Geschlecht: „Mehr als 70 Prozent aller Geisterfahrer sind männlich“, sagt Kruse. Bei den Falschfahrern gebe es zwei auffällige Gruppen. Besonders junge Fahrer unter Alkohol- und Drogeneinfluss sowie ältere Fahrer, die durch Medikamente beeinträchtigt sind, seien gefährdet, heißt es. Gut die Hälfte der Falschfahrten habe ihren Ausgangspunkt an Anschlussstellen – wie bei dem Fall am Donnerstag bei Rehren. „Aber auch an Autobahnkreuzen und -dreiecken, Rastanlagen sowie auf der freien Strecke beginnen Falschfahrten durch Wenden auf der Autobahn“, sagt Kruse.

Der ADAC empfiehlt flächendeckend die Anbringung von doppelseitigen Verkehrszeichen höchster Retroreflexion. „Auch der Einsatz zusätzlich innen durchleuchteter Verkehrszeichen oder ein Umbau der Verkehrsführung kann sinnvoll sein“, sagt Kruse. „An Anschlussstellen und Rastanlagen sollten außerdem regelmäßig alle vier Jahre Nachtverkehrsschauen zur Überprüfung der Sichtbarkeiten und Begreifbarkeit der Markierung, der wegweisenden Beschilderung und der Verkehrszeichen durchgeführt und Mängel zeitnah beseitigt werden.“

Zeugenhinweise zu dem Falschfahrer auf der A 2 bei Rehren nimmt die Autobahnpolizei Hannover unter der Rufnummer (05 11) 1 09 89 32 entgegen.




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