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Ehemalige Leichenhalle in Hattendorf abreißen oder sanieren?

Gibt es Ideen- und Geldgeber?

Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist marode, doch bevor die Kirchengemeinde es abreißen lässt, sollen die Gemeindemitglieder die Gelegenheit bekommen, die ehemalige Leichenhalle zu „retten“.

veröffentlicht am 22.11.2018 um 14:29 Uhr
aktualisiert am 22.11.2018 um 15:50 Uhr

Christa Sahlfeld vom Kirchenvorstand und Pastor Ulf Peter Radow zeigen die Fenster, die demnächst wohl einstürzen. Fotos: la
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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HATTENDORF. Ganz früher war das im 19. Jahrhundert erbaute Gebäude zwischen Kirche und Bushäuschen in Hattendorf eine kleine Schule. Später wurden dort zu Trauerfeiern Särge aufgebahrt und seit einigen Jahren dient es als Lagerraum für Gartengeräte und alles Mögliche der Kirchengemeinde.

„Dazu ist das Häuschen eigentlich viel zu schade“, stellte Pastor Ulf Peter Schade im Gespräch mit dieser Zeitung fest. „Aber es ist auch völlig marode.“ Der bauliche Zustand sei absolut beklagenswert. Die Tür zum Parkplatz ist seit Jahrzehnten marode, die Fenster könnten demnächst in sich zusammenfallen und auch das Dach müsste erneuert werden. „Ob die Balken noch in Ordnung sind, müsste geprüft werden“, so Radow. Unter Denkmalschutz steht die ehemalige Leichenhalle nicht und so ist jetzt im Kirchenvorstand wieder die Diskussion aufgekommen, ob man das Gebäude abreißen sollte oder ob es Möglichkeiten zur Nachnutzung gibt. „Dabei ist selbstverständlich die entscheidende Frage, ob und wie man eine Sanierung finanzieren kann, denn Kirchensteuermittel dürfen wir dafür nicht verwenden“, so der Pastor. Zuschüsse vom Kirchenkreis oder der Landeskirche sind ebenfalls nicht zu erwarten.

„Wir wollen zwar das Pfarrhaus zum Jahresende hin verkaufen, aber auch diese Einnahmen können wir nicht für die Sanierung der ehemaligen Leichenhalle verwenden. Davon möchten wir das Gemeindehaus für die nächsten 25 Jahre zukunftsfähig machen“, erklärte Radow. Dort war vor zwei Jahren der Gemeindesaal renoviert worden, aber das Dach müsse erneuert werden, das Gemeindehaus barrierefrei gestaltet, die Toilettenanlagen erneuert und ein Büro für die Pfarrsekretärin geschaffen werden. „Außerdem planen wir, vor dem Gemeindehaus eine gemütliche Sitzecke einzurichten. Das Ganze soll ein Ort der Begegnung werden und dafür müssen auch Stufen weg, denn egal ob ältere Menschen oder Mütter mit Kinderwagen, Barrierefreiheit ist unbedingt notwendig“, so der Pastor. Die 1500 Gemeindemitglieder müssten das Gemeindehaus als ihr kleines Zentrum erhalten.

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Doch zurück zur Leichenhalle, deren Sanierung laut Radow sicher eine hohe fünfstellige Summe verschlingen würde.

„Wir haben hier schon viel geschafft in der jüngsten Zeit. Der Kirchenfriedhof wurde umgestaltet und ist jetzt wieder ansehnlich. Urnenbeisetzungen sind dort jetzt möglich. Allerdings reicht die eine Urnenbeisetzung im Jahr nicht aus, um die Pflege des Friedhofs zu finanzieren. Da ist für das sanierungsbedürftige Gebäude schon längst nichts mehr übrig“, erzählt der Pastor.

Ob das kleine Gebäude, das ja doch irgendwie zu dem historischen Ensemble gehört, abgerissen oder saniert werden soll, möchten weder der Pastor noch der Kirchenvorstand alleine bestimmen. „Deshalb nehmen wir die Gemeindemitglieder mit ins Boot. Sie sollen uns Vorschläge und Ideen für eine mögliche Nachnutzung nennen und vielleicht findet sich ja auch ein Finanzier“, so Christa Sahlfeld vom Kirchenvorstand. So dicht an Kirche und Friedhof könne man aber nicht jede Nutzung zulassen. „Ein Haus für eine Krabbelgruppe, eine Eventscheune, eine Vermietung als Kiosk oder für eine Fahrradwerkstatt verbieten sich aus Pietät“, stellt Sahlfeld fest.

Pastor Radow schlägt Toilettenanlagen für die Kirchenbesucher vor. „Allerdings wird das auch schwierig und teuer, denn dann müssten Wasser- und Abwasserleitungen sowie eine Heizung in das Gebäude verlegt werden – und das wird teuer.

Bis Ende Januar 2019 wollen der Pastor und der Kirchenvorstand den Menschen in der Kirchengemeinde, die das Gebäude retten wollen, die Chance geben, ihre Stimmen und Meinungen vorzutragen. Danach soll und wird eine Entscheidung fallen. Einen Abriss hält Radow aber für die wahrscheinlichste Lösung. „Aber ganz gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich ein Geldgeber findet. Ideen gibt es dann bestimmt“, so Radow.




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