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Die Tierfotografie ist eine Wissenschaft für sich

Mein Hund – mein Glück

Rolfshagen. Wie darf man sich das denn vorstellen, wenn gut 40 Hundebesitzer mit ihren vierbeinigen Lieblingen unter einem Dach darauf warten, dass der Fotograf das Tier in Szene setzt? Ein einziges Knurren, Bellen und Zähnefletschen? Nein, erklärt Dr. Norbert Bachmann, so war es nicht, ganz im Gegenteil, es war sehr harmonisch und entspannt.“ Und das hatte seinen Grund: Alle Hundebesitzer, die erschienen waren, arbeiten und leben mit ihren Tieren, eine Erziehung ergibt sich da (fast) nebenbei.

veröffentlicht am 31.01.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:19 Uhr

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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Der Rolfshäger Tiermediziner hatte zum 25. Arbeitsjubiläum nicht nur zum Tag der offenen Tür geladen, sondern mit Volker Wybranietz auch einen Fotografen engagiert, der die Tiere auf einem Sofa ablichten und das Bild den Hundebesitzern per E-Mail zukommen lassen wollte, als schöne Erinnerung.

Und bei der Tierfotografie ist die Erziehung ein Aspekt, der nicht zu unterschätzen sei, erklärt Wybranietz. Denn nicht jeder Hund ist gleich; der eine möchte, dass Herrchen in der Nähe bleibt, weil er auf ihn fixiert ist, beim nächsten sind drei, vier Meter Abstand überhaupt kein Problem.

Unterhält man sich mit Wybranietz, den unsere Zeitung in der Vorankündigung übrigens unentschuldbarerweise zu einem reinen Tierfotografen degradiert hat, und mit Bachmann selbst, der ebenfalls einschlägige Foto-Praxis vorweisen kann, über die Fotografie von Hunden, so wird schnell klar: Es ist eine kleine Wissenschaft für sich. Sicher, der Hund wird auf Augenhöhe abgelichtet, aber auch die Haltung ist wichtig: Locker soll das Tier auf dem Sofa sitzen, nicht verkrampft, und selbstsicher. Das alles geht nur, wenn zwischen Hund und Herrchen ein unsichtbares Band besteht.

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40 Hundehalter wollten ein Foto, und was sie erhielten, konnte Bachmann in zwei Worten zusammenfassen: schöne und ausdrucksstarke Bilder.

Und sie, diese schönen Bilder, hängt man sich als Herrchen gerne auf, und wenn der Fotograf einen guten Tag hatte, dann kann man alles aus dem Bild herauslesen, was der Halter am Tier schätzt: Klugheit, Mut, Arbeitseifer, Mitgefühl und natürlich die Treue. Nicht ohne Grund erzählt Homer in einer der ältesten Hundegeschichten der Welt, wie Argos als Jagdhund des Odysseus im Palast von Ithaka 20 Jahre lang auf seinen Herrn wartet. Bei Odysseus’ Rückkehr erkennt Argos ihn als Einziger. Er ist aber zu schwach, wedelt nur mit dem Schwanz und stirbt.

Selbst die therapeutischen Fähigkeiten des Vierbeiners sind seit Jahrhunderten bekannt: „Gib dem Menschen einen Hund – und seine Seele wird gesund“, wusste schon im Mittelalter die kluge Hildegard von Bingen.

Was einst als Zweckgemeinschaft begann, als der Mensch mit dem Hundvorläufer Wolf lebte, wurde mit der Zeit Freundschaft und ist heute im besten Fall Liebe; und meistens ist es eine beidseitige Liebe.

Viereinhalb Stunden lichtet Wybranietz in dem Bachmann-Tagungsraum an diesem Nachmittag die Hunde ab, fast 70 Prozent sind Berner Sennenhunde, weil der Tierarzt auch Erster Vorsitzender des Schweizer Sennenhund-Vereins für Deutschland ist.

Wybranietz hat für seine Bilder eine Profi-Fotoanlage aufgebaut, drei Blitze neben und vor dem Tier postiert, und wenn das Fell punktuell aufgehellt werden muss, dann ist das heute auch kein Problem mehr – ein paar Klicks am Computer, und schon ist jedes Haar der Brustseite deutlich zu sehen. Der Rolfshäger hat praktisch sein ganzes Leben selbst einen Hund besessen, Probleme mit den Tieren hat er nicht, er versteht sie, wenn man so möchte. Und er hat so seine kleinen Tricks: Wenn der Hund nicht in die Kamera gucken möchte, dann geht Herrchen hinter dem Fotografen von links nach rechts, und wenn die Augen des Tieres dem Besitzer dabei folgen, muss Wybranietz nur auf den richtigen Moment warten – und dann macht es Klick.

Das einzige Problem ist an diesem Nachmittag tatsächlich eine gute Erziehung: Immer dann, wenn das Tier bei seinem Besitzer daheim nicht auf das Sofa darf – und hier eben genau dort hinauf soll.

Das Ergebnis des Tages der offenen Tür: Fast 40 Hundehalter, die das Fotoangebot gerne annahmen, rund 100 Gäste, die sich die Praxisräume ansahen, und Spendendosen, in denen sich 285 Euro ansammelten, die Bachmann für die Behandlung herrenloser Hunde verwenden wird. Zwar ist es rein rechtlich so, dass derjenige die Tierarztrechnung bezahlen muss, der das Tier bringt, aber, so sagt es Bachmann, „man will ja helfen – und ist dann eben kulant“. Schon am nächsten Tag konnte er einen herrenlosen Husky betreuen, den zwei Rolfshäger bei ihm vorbeibrachten.

Aber nicht jedes Tier, sagt Bachmann, braucht Hilfe, auch wenn der Mensch dies glaubt. Das Paradebeispiel ist das Hasenjunge, dass der Mensch allein in seiner Kuhle vorfindet und anschließend retten will. Man sollte es dort liegen lassen, denn Mama holt es wieder ab. Hat der Mensch dagegen das Tier angefasst, wird sich Mama abwenden – und das Tier wird sterben. Und auch nicht jeder Vogel, der gegen eine Scheibe geknallt ist, muss vom Tierarzt umgehend versorgt werden – den meisten geht es nach einer kurzen Pause besser; man sollte den Vogel erst einmal beobachten.

Übrigens: Einen Stargast, wenn man so möchte, gab es beim Tag der offenen Tür auch: eine zwölfeinhalbjährige Berner Sennenhündin „Gipsy“. Genau dorthin möchte Züchter Bachmann, der im Bereich der Sennenhunde-Lebenszeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover forscht und zusammenarbeitet: Zurzeit liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Berner Sennenhunden bei ungefähr acht Jahren, Bachmann möchte sie merkbar erhöhen.

Wer Interesse an einem Porträt hat: Der Fotograf Volker Wybranietz ist unter (0 171) 4 46 20 80 erreichbar.

Unsere Redaktion hat beim Fotografen Volker

Wybranietz nachgefragt, ob wir ein paar Beispiele des tierischen Fotoshootings drucken dürfen. Der Rolfshäger hatte keine Einwände. Zum Glück, finden wir. Also viel Spaß beim Betrachten. Das Foto unten rechts zeigt übrigens Dr. Norbert Bachmann.




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