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Landwirt Burkhard Löcken baut Silphie als Alternative zu Mais an

Spannendes Experiment im Auetal

Auetaler Landwirte zeigen sich experimentierfreudig und bauen Silphie anstelle von Mais an. Ob im nächsten Jahr wirklich ein drei Meter hohes gelbes Blütenmeer in Escher zu sehen ist?

veröffentlicht am 16.10.2018 um 16:27 Uhr

Im ersten Jahr bleibt sie noch klein und unscheinbar, doch schon im zweiten soll die Silphie zu einer großen gelb blühenden Staude heranwachsen. Fotos: cm
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Claudia Masthoff Reporterin
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ESCHER. Die Erkenntnis, dass es nicht besonders viel bringt, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen und sich zu kritisieren, sondern dass es sinnvoller ist, in den konstruktiven Austausch zu gehen, hat sich bei Imkern und Landwirten längst herumgesprochen, und jetzt kann man im Auetal das Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit bestaunen: In Escher ist, einmalig in unserer Region, das erste Versuchsfeld für die Donau-Silphie (Silphium Perfoliatum, L) angelegt worden. Verantwortlich für diese Initiative sind Landwirt Burkhard Löcken auf der einen und sein Schwager, der Imker Friedrich Wilhelm Rehmert, auf der anderen Seite.

„Die Donau-Siphie ist eine hochwachsende, gelb blühende Staude. Sie wird als mögliche insektenfreundliche Alternative zum Maisanbau gehandelt“, erklärt Burkhard Löcken. Imker würden diese aus Nordamerika stammende Pflanze schon seit vielen Jahren kennen. Sie ziere so manchen Imkergarten und unterstütze dort in der blütenarmen Zeit von Juli bis September die Bienenvölker. „Mein Schwager hat mich immer wieder auf neue Entwicklungen beim Silphie-Anbau hingewiesen“, schmunzelt der Landwirt. Der sei anfangs nämlich nicht besonders praktikabel gewesen. Die erste Generation Silphie-Stauden hätte noch vorgezogen und per Hand einzeln verpflanzt werden müssen. „Doch jetzt haben Saatgutentwickler deutliche Fortschritte erzielt“, fährt Löcken fort.

Es gebe heute Sorten mit einer Keimgarantie, die gedrillt werden können. „Und man hat sich bei den Firmen, die solches Saatgut vertreiben, auch Gedanken gemacht, wie man die Umstellung für die Bauern am wirtschaftlichsten gestalten kann“, erklärt der Escheraner, der als Zulieferer für eine benachbarte Biogasanlage die Sachzwänge im Bereich der Agrarwirtschaft sehr gut kennt. „Im ersten Jahr treibt die Silphie nur aus und liefert keinen Ertrag. Um diese Zeit zu überbrücken, haben die Firmen eine besondere Technik entwickelt. Sie drillen in einem Arbeitsgang abwechselnd eine Reihe Mais und eine Reihe Silphie. Den Mais kann man am Ende der Saison ernten, hat also Einnahmen, und die Silphie bleibt stehen. Sie liefert dann im nächsten Jahr das erste Mal selbst Erträge“, erläutert der Agrarfachmann.

Silphie-Pioniere im Auetal: Friedrich-Wilhelm Rehmert (l.) und Burkhard Löcken.
  • Silphie-Pioniere im Auetal: Friedrich-Wilhelm Rehmert (l.) und Burkhard Löcken.

In Süddeutschland sei der Silphie-Anbau schon weiter verbreitet. Dort gebe es auch erste Studien zur Wirtschaftlichkeit. „Man hat festgestellt, dass die geerntete Biomasse etwas geringer ausfällt als beim Maisanbau“, weiß Löcken. Auf der anderen Seite brauche die Silphie, die bis zu 20 Jahre alt werden kann, wenn sie angegangen ist, kaum noch Pflege. „Man düngt einmal im Frühjahr und erntet dann im Herbst. Mehr ist nicht nötig“, beschreibt der Landwirt die Vorteile. „Dichte Wurzeln verhindern, dass sich andere Ackerkräuter ausbreiten, und Schädlinge scheinen die Silphie auch nicht besonders zu mögen.“ Auf Herbizide und Pestizide könne also getrost verzichtet werden, ergänzt sichtlich begeistert Imker Rehmert. Das mache den Silphie-Anbau auch aus gesamtökologischer Sicht so interessant.

Dass sie sehr robust ist, konnte die Staude schon in diesem Jahr unter Beweis stellen. Trotz Starkregens kurz nach der Aussaat und der langen sommerlichen Dürre sind die jungen Pflanzen auf Löckens Acker gediehen. Jetzt sind Imker und Bauer gespannt, wie das Versuchsfeld wohl im nächsten Jahr aussehen wird. Wird da wirklich, wie erhofft, ein drei Meter hohes gelbes Blütenmeer entstehen?




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