weather-image
Von wegen Tiere ausstopfen: Für Tierpräparator Carsten Grobek ist es eine Berufung

Tierpräparator: „Ich bin Kunsthandwerker“

Tiere werden nicht ausgestopft sondern präpariert. Damit will Carsten Grobek aus Rolfshagen junge Menschen an die Natur heranführen.

veröffentlicht am 02.11.2018 um 16:16 Uhr

270_0900_113949_a_tierpraep_FREI_0111.jpg

Autor:

Sofia Menninger
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

AUETAL. Für den Beruf des Tierpräparators ist eine Vielzahl von Fertigkeiten und Kenntnissen notwendig. Erstes Basiswissen vermittelt die Schule – Biologie ist ein Schulfach, in dem man aufpassen muss. Carsten Grobek ist seit mittlerweile mehr als 30 Jahren Tierpräparator und arbeitet seit 2005 in seiner Auetaler Werkstatt.

Dass der Beruf des Tierpräparators genau das Richtige für ihn ist, wusste er schon ganz früh. Bereits als kleines Kind beobachtete er Vögel und war fasziniert von den Lebewesen der Natur. Mit sieben Jahren bekam er einen präparierten Vogel zum Geburtstag geschenkt und seine Neugierde war geweckt. „Eigentlich wusste ich schon mit zehn Jahren, dass der Beruf des Tierpräparators mein Traumjob ist“, erzählt Grobek. Nachdem er erste praktische Erfahrungen in Form von Schulpraktika sammeln durfte, stand für ihn endgültig fest, dass er sich diesem Beruf widmen wollte.

Der Auetaler stopft die Tiere nicht aus, sondern präpariert sie. „Ausstopfen ist umgangssprachlich und auch falsch. Ein ausgestopftes Tier sieht meistens sehr unnatürlich aus. Da passt sich die Haut nämlich nicht mehr richtig an den ausgestopften Körper des Tieres an. Deshalb modellieren wir. Bei einer Präparation stopft man nämlich nicht den Körper des toten Tieres aus. Lediglich die erste Hautschicht des Tieres wird abgezogen“, erklärt Grobek.

270_0900_113948_Logo_Was_macht_ihr_da.jpg

Der Tierpräparator möchte mit seiner Arbeit die Schönheit der Natur darstellen. Deshalb habe er auch ethisch-moralische Grenzen. „Ich würde niemals Haustiere oder Tiere präparieren, zu denen der Auftraggeber eine starke emotionale Beziehung aufgebaut hat. Teilweise haben manche ja ein besseres Verhältnis zum Hund als zur eigenen Verwandtschaft. Das ist nicht mehr natürlich. Da fokussiere ich mich lieber auf die freien, wild lebenden Tiere in der Natur“, erklärt der Handwerker.

Auch die Restaurierung bereits präparierter Tiere gehört zu seinem Beruf. „Es macht total Spaß, ein beschädigtes präpariertes Tier in die Einzelteile zu zerlegen, um es danach wieder ordentlich, ansehnlich, realistisch und schlichtweg wieder schön zu machen“, erklärt Grobek. Für Restaurierungen braucht man in jedem Falle Zeit, Ruhe und Geduld. Eine Maschine kann diese Arbeit nicht erledigen. „Hier wird richtig gehandwerkt. Ich bin quasi Kunsthandwerker“, ergänzt Grobek.

Als Präparator arbeitet man jedoch nicht ausschließlich nur am Tier, sondern sei auch als Modellbauer sehr gefragt. Beispielsweise modellierte er bereits einen Kartoffelacker für das Technische Museum in Berlin – Kartoffelkäfer in verschiedenen Stadien auf Kartoffelpflanzen. Weit über tausend Blätter einzeln nachgefertigt.

Aufträge kommen von Jägern, privaten oder öffentlichen Institutionen, etwa Museen oder Schulen. Für viele von ihnen präpariere man die Tiere als Sammlungsobjekte, die rein der Wissenschaft dienen. „Ich finde es sehr schade, die Tiere zu präparieren, nur damit sie in Schränken gelagert werden, die für immer geschlossen bleiben“, erzählt Grobek.

Am liebsten präpariert der Handwerker die Tiere deswegen für pädagogische Einrichtungen.

„Durch die Digitalisierung gehen die meisten Menschen seltener nach draußen und gerade junge Menschen verlieren den Bezug zum Tier“, erklärt der Tierpräparator. „Mit meiner Arbeit, kann ich Schüler an die Natur heranführen, und das finde ich gut. Sie können beispielsweise das Aussehen des Vogels besser betrachten als im Schulbuch oder auf einem Arbeitsblatt.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare