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Drei Hündinnen in Sicherheit gebracht

Veterinäramt lässt illegale Kampfhundezucht auffliegen

SCHOHOLTENSEN. Obwohl bereits im Juli 2018 eine Hausdurchsuchung bei einem Paar in Schoholtensen durchgeführt und eine illegale Hundezucht festgestellt wurde, machten die „Züchter“ weiter. Dr. Ulf Güber vom Veterinäramt des Landkreises kam ihnen auf die Spur und hat die Kampfhundezucht am Mittwoch mit massiver Polizeiunterstützung unterbunden.

veröffentlicht am 14.03.2019 um 15:06 Uhr
aktualisiert am 14.03.2019 um 18:20 Uhr

Dieser Welpe wurde bereits 2018 von der Polizei aus dem Haus in Schoholtensen gerettet. Jetzt wurden die Muttertiere von Kreisveterinär Dr. Ulf Güber in Obhut genommen. Foto: Polizei
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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SCHOHOLTENSEN. Begleitet von sechs Polizeibeamten und zwei Hundeführern mit ihren Tieren hat der Veterinär des Landkreises Schaumburg, Dr. Ulf Güber, am Mittwochmorgen eine Hausdurchsuchung in Schoholtensen durchgeführt. „Bereits vor knapp einem Jahr hat es bei der Frau und ihrem Lebensgefährten eine Hausdurchsuchung gegeben. Damals wurden dort eine illegale Hundezucht und eine nicht artgerechte Haltung der Tiere festgestellt“, erklärte Güber auf Anfrage dieser Zeitung.

Im Juli 2018 waren zeitgleich Wohnungsdurchsuchungen in Hannover durchgeführt und insgesamt 18 Welpen sowie zwei Hündinnen gerettet worden.

„Selbstverständlich bleibt man da als Veterinär dran und kontrolliert weiterhin, ob dort trotz Verbotes wieder gezüchtet wird“, so Güber. Er habe ausreichend Beweise dafür gesammelt, dass dort weiterhin eine illegale Zucht von sogenannten Kampfhunden betrieben wird und die Tiere außerdem nicht artgerecht gehalten werden. Das reichte, um einen richterlichen Beschluss für eine Hausdurchsuchung zu erwirken.

„Da ich die Leute kenne und weiß, dass deren Aggressionspotenzial hoch ist, habe ich die massive Unterstützung der Polizei für die Hausdurchsuchung angefordert“, so Güber. Sechs Polizeibeamte und zwei Hundeführer mit ihren Tieren seien am Mittwoch bei der Durchsuchung dabei gewesen.

„Die Polizeihunde habe ich angefordert, da dort Hunde gehalten wurden, die für mich nicht berechenbar sind. Ein von mir nicht erkennbares Zeichen der Hundebesitzer – und die Tiere hätten auf uns losgehen und uns angreifen können“, erklärte der erfahrene Veterinär.

Es sei aber nichts dergleichen passiert. Die Hundehalter seien zwar uneinsichtig gewesen, als er – aufgrund der illegalen Zucht und der nicht artgerechten Haltung der Tiere – die Inobhutnahme von drei fortpflanzungsfähigen Hündinnen angeordnet habe, so Güber, aber alles sei friedlich verlaufen.

„Wir haben zwar diesmal keine Welpen angetroffen, aber Anzeichen dafür, dass dort welche waren“, so Güber, der vermutet, dass es eine Dependance zu dem Zuchtort Schoholtensen gibt.

Die Hündinnen waren in einem schlechten Zustand. „Sie waren in einem viel zu kleinen Zwinger untergebracht – und es stank dort sehr. Die Tiere waren mit Kot beschmiert, der überall herumlag – und Urin und Müll waren reichlich in dem Zwinger vorhanden“, so der Veterinär. „Die Tiere weisen bereits Schäden an der Rute auf. Hier wurde klar tierschutzwidrig gehandelt.“

Die drei Hündinnen seien in neutralen Wagen abtransportiert und an unterschiedlichen Orten untergebracht worden. „Die Orte sind geheim und werden von der Polizei bewacht, denn es ist nicht auszuschließen, dass die Hundehalter versuchen, ihre Tiere zurückzuholen“, so Güber. Schließlich würde jede Hündin einen Wert von mehreren Tausend Euro haben, und für die Eigentümer seien diese Tiere ein Wirtschaftsgut.

Bei den Hunden handelt es sich um American Pitbull Terrier – eine Rasse, die von Züchterverbänden nicht offiziell anerkannt ist. „Die Welpen werden im Internet als Pitbull-Welpen gehandelt, und zwar unter den Namen ,Rednose‘ oder ,Grayline‘ und als triebstark und unbestechlich angepriesen“, erklärte Güber.

Der Veterinär wird nun gegen das Paar aus Schoholtensen eine Ordnungswidrigkeitsstrafe verhängen, und zwar aufgrund der nicht artgerechten Haltung der Hunde sowie der unerlaubten Zucht.

„Wer ein Hundepärchen zu Hause hat und sich ab und zu mal über einen Wurf freut und die Kleinen verkauft, der darf das. Wer aber drei oder mehr fortpflanzungsfähige Hündinnen hält, der muss beim Veterinäramt einen Antrag stellen“, erklärt Güber. Er würde die Personen genau überprüfen, und diese müssten dann auch ihre Fähigkeit als Züchter unter Beweis stellen. „Da schaue ich schon sehr genau hin, bevor ich eine Zuchtgenehmigung erteile“, so der Veterinär.

Einen älteren Mischlingshund darf das Paar übrigens behalten. Das Tier wird artgerecht gehalten, ist ein Familienhund und darf daher zunächst bleiben.




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