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Richie Arndt nimmt sein Publikum mit auf eine musikalische Reise

„Von Memphis über die Road 442 nach Rolfshagen“

ROLFSHAGEN. Elvis Presley, B. B. King, Louis Armstrong – alle waren sie mit von der Partie. Die musikalische Reise, zu der der in Bielefeld geborene Musiker Richie Arndt sein Publikum unter dem Motto „Songs along the Road“ eingeladen hatte, ging den guten alten Mississippi entlang. Der Kulturverein Auetal konnte sich als Veranstalter über ein volles Haus freuen.

veröffentlicht am 10.02.2019 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 10.02.2019 um 19:30 Uhr

Mit 60 kein Stück leise: Richie Arndt. Foto: vhs

Autor:

Volkmar Heuer-Strathmann
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ROLFSHAGEN. Elvis Presley, B. B. King, Louis Armstrong – alle sind sie mit von der Partie gewesen. Die musikalische Reise, zu der der in Bielefeld geborene Musiker Richie Arndt sein Publikum unter dem Motto „Songs along the Road“ eingeladen hatte, ging den guten alten Mississippi entlang. Der Kulturverein Auetal konnte sich als Veranstalter über ein volles Haus freuen.

Zunächst jedoch wähnte man sich in einem der in Deutschland einst so beliebten Lichtbildervorträge. „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, zitiert Arndt den Dichter Matthias Claudius und legt los. Er zeigt Wahrzeichen und Meilensteine der Musikgeschichte und erzählt. Dann der erste Song an der Gitarre, das Konzert beginnt und gefällt.

„I never saw the Mississippi“, das gilt nun nicht mehr. „Walking in Memphis“ erklingt später, Münder gehen mit bei der eingängigen Melodie. Die Geburtsstätten des Rock ‘n‘ Roll, des Blues, des Soul und des Jazz hat Arndt gesehen und sich inspirieren lassen. Es geht „Crossroads“, wo die Fernstraßen mit den Nummern 49 und 61 aufeinanderstoßen. Wo immer es geht unterwegs, wird musiziert, umsonst und draußen. Ein Schock gegen Ende: die Gebiete, in denen Hurrikan „Katharina“ 2005 wütete – in und um New Orleans, der Stadt des Jazz.

So bleibt der Blues als Grundton bestimmend auf dieser Reise im Jahr 2014. Die brutale Politik der Rassentrennung wird nicht verharmlost. Legendäre Lokale und Straßen mit reichlich Lichtreklame blenden die Menschen nicht. Bretterbuden sind zu sehen, Hotels oder Motels. Manche Behausung ist Museum geworden und steht nun im Licht als Station einer denkwürdigen Karriere. Von Alkohol und anderen Drogen ist auch immer wieder die Rede.

„Graceland“ ist ein Höhepunkt der Reise. Für die echten Elvis-Fans sei dessen Landsitz so etwas wie ein Wallfahrtsort, sagt Arndt. So hat jede Gemeinde ihre Tempel. An Mark Twain kommt der wortgewandte Mann natürlich nicht vorbei. Die Augen leuchten, wenn von Tom Sawyer und Huckleberry Finn und ihrem Eigensinn die Rede ist. Die Welt der steinreichen Südstaatler wirkt dagegen eher fremd. Zu blutig ist die Geschichte. Darüber können die hell getünchten Villen im klassischen Stil auf den gut ausgeleuchteten Fotos nicht hinwegtäuschen.

Worte tiefer Bewunderung findet Arndt für den ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King. Aber er will seine kleine Kulturgeschichte nicht auf Rassismus und weiße Selbstherrlichkeit reduziert wissen. „Das wäre so, als würde man ausländischen Touristen in Deutschland nur die Konzentrationslager zeigen“, so Arndt. Die Wirklichkeit sei heute anders, bei aller Bedeutung der schrecklichen Spuren. Immer wieder geht es darum, welche Kraft die Musik den unter-drückten Menschen gegeben habe, auch die Gospels und die Spirituals.

Arndts Auftritt hat manchmal etwas von einem Straßenmusikanten, so bescheiden wirkt sein technischer Aufwand. Da knarzt es schon mal in der Box, doch das stört nicht. Natürlich singt hier nicht Jonny Cash. Hier interpretiert ein Solist mit Band-Erfahrung seine Idole. Parodiert wird nicht, schon aus Respekt, nur nachempfunden und nähergebracht.

Richie Arndt hat Bodenhaftung behalten. Das kommt sehr gut an bei den Menschen im Auetal. An keiner Stelle war zu merken, dass der heutige Hüllhorster sein Brot sonst als Lehrer an einer Gesamtschule verdient. Die Fächer? Natürlich Musik und Deutsch. Englisch liefe sicherlich auch. Die Schüler wären zu beneiden. So viel Feuer, das steckt an und macht Freude – auch an der „Road 442“ in Rolfshagen.




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