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Zuschussbedarf im Kita-Bereich steigt Jahr für Jahr explosionsartig / Eltern fordern mehr Plätze und längere Betreuungszeiten

Wie viele Kita-Plätze kann Auetal sich leisten?

Mehr Ganztagsbetreuung in den Kitas und für Krippenkinder und eine weitere integrative Gruppe in Escher, das wünschen sich die Auetaler Eltern. Aber ist das noch zu bezahlen? In den vergangenen zehn Jahren sind die Kosten für die Kinderbetreuung explodiert. Mehr als eine Million Euro musste die Gemeinde 2018 mehr berappen als 1998.

veröffentlicht am 04.06.2019 um 16:29 Uhr

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Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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AUETAL. Das Auetal ist familienfreundlich und möchte das auch, vor allem mit Hinblick auf die angestrebte Ansiedlung junger Familien, weiterhin bleiben. Zur Familienfreundlichkeit gehören ausreichend Kindergarten- und Krippenplätze und ausgedehnte Betreuungszeiten. Beides wurde in den vergangenen Jahren immer mehr erweitert. Das hat allerdings auch zu einer Kostenexplosion geführt.

Gab es in der Gemeinde Auetal im Jahr 1998 noch einen Zuschussbedarf im Kindergartenbereich in Höhe von 220 000 Euro, so ist dieser in zehn Jahren, also bis 2018, auf 1 227 000 Euro angestiegen. Also um mehr als eine Million Euro.

Nun fordern Eltern in der Kita Rehren weitere Betreuungsplätze im Ganztagsbereich für Krippenkinder und Kinder ab dem dritten Lebensjahr. Auch eine weitere Integrationsgruppe mit 18 Plätzen soll zum 1. August dieses Jahres in Escher und außerdem eine Betreuungszeit von sieben Stunden in der Zeit von 7.30 bis 14.30 Uhr eingerichtet werden. Bislang beträgt die Betreuungszeit 6,25 Stunden täglich.

Hierüber und über eine Erhöhung der Betreuungskosten für Krippenkinder werden die Mitglieder des Jugend- und Sozialausschusses am Donnerstag, 6. Juni, um 17 Uhr im Spiegelsaal der Alten Molkerei in Rehren diskutieren und einen Beschluss fassen.

„Die Kostensteigerung beruht einerseits auf den tariflichen Steigerungen der Vergütungen des Kita-Personals. Daneben hat die Gemeinde Auetal bereits in den vergangenen Jahren ihre Betreuungsangebote stetig erweitert und allein deshalb den Personalbestand ausweiten müssen“, erklärte Bürgermeister Heinz Kraschewski gegenüber dieser Zeitung.

Die Ausschussmitglieder müssen nun bei den anstehenden Entscheidungen sowohl für die Kita Rehren als auch für die Kita Escher den Aspekt der Familienfreundlichkeit als sogenannter „Weicher Standortfaktor“ gegenüber der durchaus als schwierig zu bezeichnenden Haushaltssituation der Gemeinde abwägen. Grundsätzlich ist die Gemeinde gesetzlich nicht verpflichtet, Ganztagsangebote in dem von Elternseite gewünschten Umfang vorzuhalten. Allerdings geht der allgemeine Trend nachweislich in die Richtung, dass beiden Elternteile eine Berufstätigkeit ermöglicht werden soll, wenn man den Wettbewerb unter den Kommunen ins Auge fasst – sogar muss.

Auch die Einrichtung einer zusätzlichen integrativen Gruppe in Escher ist unter diesem Aspekt zu bewerten. Für dieses zusätzliche Angebot besteht keine gesetzliche Verpflichtung für die Gemeinde Auetal. Allerdings ist der Bedarf vorhanden. Die Eltern müssten andernfalls an Einrichtungen in anderen Kommunen verwiesen werden.

„Der Fachdienst Eingliederungshilfe des Landkreises Schaumburg hat sich für die Einrichtung einer weiteren Integrationsgruppe ausdrücklich ausgesprochen, ohne allerdings zusätzliche Finanzierungszusagen machen zu können“, ist in der Vorlage zur Ausschusssitzung zu lesen.

Die Gruppe im integrativen Kindergarten in Escher verfügt derzeit über 14 Regelbetreuungsplätze und vier Plätze für Kinder mit einem erhöhten Förderbedarf. Diese vier Plätze dürfen nur an diese Kinder vergeben werden, wenn durch das Sozialamt der erhöhte Förderbedarf festgestellt wurde. Seit Einrichtung der Gruppe waren diese Plätze nahezu zu 100 Prozent belegt und für das Kindergartenjahr 2019/2020 liegen der Leiterin Andrea Schwarz-Geddert Zahlen vor, die belegen, dass für das kommende Kindergartenjahr mindestens sechs Kinder für einen Integrationsplatz infrage kommen könnten.

In der Kita Rehren sollen 15 neue Ganztagsplätze für Krippenkinder und 25 Ganztagsplätze für Kinder ab drei Jahren eingerichtet werden, und zwar durch die Erweiterung der Betreuungszeit. Damit würden die Wünsche von Eltern erfüllt, die permanent nach längeren Betreuungszeiten fragen. Der Bedarf ist also da.

Allerdings würde diese Erweiterung der Betreuungszeiten auch Personalmehrkosten verursachen, und zwar in der Zeit von August bis Dezember 2019 für die Krippe rund 6000 Euro, für die Ü3-Kinder knapp 8600 Euro und für 2020 im Krippenbereich 12 730 Euro und 20613 Euro für die Ü3-Kinder. Erhebliche Mehrkosten also, über die die Ausschussmitglieder entscheiden müssen.

„Sollte die politische Entscheidung am Donnerstag für die Erweiterung des Kita- und Krippenangebots fallen, steht die Verwaltung nicht nur vor den entstehenden Mehrkosten, sondern vor einem fast größeren Problem. Es gibt einfach keine Erzieherinnen, die für die Fehlzeiten eingestellt werden könnten“, so Kraschewski.




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