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Drei Jahre und drei Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung / Opfer lebt seit der Bluttat in Angst

24-Jähriger stach zu: Zuerst Haft, dann Abschiebung

BAD NENNDORF/STADTHAGEN. Knapp sieben Monate nach einem blutigen Streit in der Küche einer Bad Nenndorfer Unterkunft hat das Stadthäger Schöffengericht einen Flüchtling aus Somalia wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Aus Wut hatte der 24-Jährige einem anderen Bewohner (40) dreimal eine Schere in Nacken und Schulter gerammt. In Deutschland wird der Mann nicht mehr auf freien Fuß kommen, urteilte Richter Kai Oliver Stumpe.

veröffentlicht am 18.02.2019 um 11:44 Uhr
aktualisiert am 18.02.2019 um 20:10 Uhr

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BAD NENNDORF/STADTHAGEN. Knapp sieben Monate nach einem blutigen Streit in der Küche einer Bad Nenndorfer Unterkunft hat das Stadthäger Schöffengericht einen Flüchtling aus Somalia wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Aus Wut hatte der 24-Jährige einem anderen Bewohner (40) dreimal eine Schere in Nacken und Schulter gerammt.

Einen weiteren Stich, der offenbar den Kopf treffen sollte, konnte der Mann aus Pakistan abwehren, wurde dabei aber an der Hand verletzt. Ein Grund für die recht hohe Strafe ist der schlechte seelische Zustand des Opfers. Der 40-Jährige hatte einen Job als Hausmeister, kann diese Tätigkeit aber nicht mehr ausüben. „Seit der Tat hat er Angst, sein Zimmer zu verlassen, und geht nur noch in Begleitung raus“, erklärt Richter Kai Oliver Stumpe. Das Opfer hatte bis zu drei Zentimeter tiefe Stichwunden erlitten.

Zum Streit war es gekommen, weil der angetrunkene Täter vor dem Gebäude abgestellte Fahrräder umgetreten hatte, darunter auch den Drahtesel des späteren Opfers. Nach einem Wortgefecht aus der Entfernung, bei dem der ältere Mann aus dem Fenster guckte, eskalierte der Streit später im Gebäude vollends. Der Somalier hatte sich zwischenzeitlich die Schere besorgt und war damit in die Küche gestürmt, wo sich sein Widersacher gerade Essen zubereiten wollte.

Zur Tatzeit hatte der Angreifer etwa ein Promille Alkohol im Blut. „Für sich allein genommen ist das nicht sehr viel, im Zusammenwirken mit THC aber recht heftig“, so Richter Stumpe. Zur Erklärung: Der Somalier hatte auch Marihuana geraucht. Der Wirkstoff darin heißt THC.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass der Somalier zugestochen hat. Zuvor hatte ihn ein anderes Gericht zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er im Juli 2017 mit einem Taschenmesser auf einen anderen Mann losgegangen war, der am Rücken verletzt wurde. Damals lebte der Asylbewerber in einer Unterkunft im Landkreis Osnabrück. „Der Angeklagte neigt offenbar zu solchen Taten, wenn er unter Alkohol steht“, stellte Richter Stumpe fest. Auf Malta soll er bereits ein Jahr Haft wegen Körperverletzung verbüßt haben.

In Deutschland kommt der 24-Jährige wohl nicht mehr auf freien Fuß. Voraussichtlich sitzt er einen Teil seiner Strafe ab und wird dann abgeschoben Ein Ausweisungsbeschluss ist seit Dezember 2018 rechtskräftig. Verurteilt hat das Gericht den Angeklagten außerdem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Im April 2018 soll der Flüchtling mit einem Stuhlbein auf einen anderen Bewohner der Nenndorfer Unterkunft losgegangen sein. Als ihn daraufhin Polizisten in Gewahrsam nehmen wollten, trat er nach den Beamten, bespuckte und beleidigte sie. Eine Polizistin erlitt eine Schulterprellung.

Verteidiger Michael Einars hatte sich für eine bewährungsfähige Strafe von höchstens zwei Jahren starkgemacht, biss bei Kai Stumpe aber auf Granit. Das Gericht geht von einem Rücktritt vom versuchten Totschlag aus. Hintergrund: Nachdem der Täter das Blut seines Opfers gesehen hatte, ließ er von diesem ab. ly




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