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Bald fällt die Hälfte der Schaumburger Anlagen aus der Förderung

70 Prozent Windenergie bis 2030

LANDKREIS. Auch zwischen Sachsenhagen und Rinteln, Bückeburg und Rodenberg hat man sich an den Anblick von Windrädern gewöhnt. Sie liefern einen Teil jener „erneuerbaren Energien“, die Deutschland aus der Abhängigkeit von Kohle und Atomkraft führen sollen – so will es die Politik. Um die „Energiewende“ abzusichern, bezuschusst der Staat diese Art der Stromgewinnung – bis Ende 2020. Was wird dann aus den Windrädern?

veröffentlicht am 28.11.2018 um 17:03 Uhr

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Autor

Arne Boecker Reporter
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LANDKREIS. Das Klimaschutzkonzept des Landkreises sieht in der Windenergie „kurz- und mittelfristig das wirtschaftlichste Ausbaupotenzial im Bereich der erneuerbaren Energien“. Bis 2030 soll sie in Schaumburg mindestens 70 Prozent des Strombedarfs decken, so will es das Klimaschutzkonzept. Nach Auskunft der Kreisverwaltung stehen zurzeit 41 Windräder in Schaumburg, die 43 Megawatt Leistung liefern. Auch der Verein „Bürgerenergiewende Schaumburg“ lobt die Windenergie als „kostengünstig und sehr flächeneffizient“. Die „Bürgerenergiewende“-Macher haben errechnet, dass 50 „moderne Windenergieanlagen“ nötig sind, um dieses Ziel zu erreichen.

Zurück in die Gegenwart: Windräder wirtschaften derzeit auf der Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das aus dem Jahr 2000 stammt. Das EEG garantiert den Betreibern, dass der Strom zunächst mit 9,10 Cent pro Kilowattstunde vergütet wird (im Laufe der Zeit sinkt dieser Festpreis). Die staatliche Subvention ist jedoch auf 20 Jahre begrenzt. Die Fachagentur „Windenergie an Land“ (FA Wind), an der Bund, Länder, Kommunen, Wirtschafts- und Naturschutzverbände beteiligt sind, sieht deshalb für die Zeit ab 2021 Probleme auf Windmüller zukommen. Ein Weiterbetrieb der Anlage werde „nur für einen sehr geringen Anteil der Anlagen wirtschaftlich darstellbar“ sein, so das Ergebnis einer Umfrage der FA Wind. Für den Landkreis Schaumburg kann die Verwaltung das Problem genau beziffern: Zwischen 2021 und 2025 fallen 22 der 41 Windkraft-Anlagen aus der EEG-Förderung.

Ohne diesen Zuschuss wird sich der Windstrom auf dem freien Markt behaupten müssen. Den regelt die Strombörse „European Energy Exchange (EEX), die in Leipzig sitzt. Statt die staatliche Maximalförderung von 9,10 Cent pro Kilowattstunde über das EEG einzustreichen, müssen sich Windmüller an der Strombörse derzeit mit etwa 3,5 Cent zufrieden geben. Burghard Massante, Windkraft-Experte im Verein „Bürgerenergiewende Schaumburg“, ist dennoch nicht so pessimistisch, wie es die Umfrage der Fachagentur „Windenergie an Land“ vorgibt. „Zum einen sind die Anlagen nach 20 Jahren durchfinanziert“, sagt der Lindhorster, „bis auf Wartung und Reparatur fallen keine Kosten mehr an.“ Zum anderen rechne er damit, dass sich der Preis an der Strombörse in Richtung 5 Cent pro Kilowattstunde bewegen werde. Er könne sich also gut vorstellen, dass einige der Alt-Anlagen auch nach 2020 erfolgreich betrieben werden könnten.

Grundsätzlich geht die Tendenz dazu, die Wirtschaftlichkeit von Windkraft-Anlagen zu erhöhen, indem man sie technisch aufrüstet; „Repowering“ heißt dieser Effekt in der Branche. Aber es wird immer schwieriger, dafür Genehmigungen zu bekommen. „Ein Ersatz durch modernere Anlagen ist aus baurechtlichen Gründen nicht an jedem Standort möglich“, heißt es bei der FA Wind. Hintergrund: Einige Anlagen stehen auf Flächen, auf denen heute keine mehr genehmigt würden. Auch dazu die Zahl aus Schaumburg: Sieben der 41 Windräder stehen auf Flächen, die heute nicht mehr als „Vorranggebiete“ eingestuft sind. In diesem Fall bleibt nur das, was unter Fachleuten „geordneter Rückbau“ heißt.




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