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Landvolk Weserbergland begrüßt Überlegungen im Bundesagrarministerium

Öko-Brachen für hungerndes Vieh?

WESERBERGLAND. Im Weserbergland wird das Futter für tierhaltende Betriebe knapp. In Niedersachsens Dürregebieten geht der Bauernverband von einem Verlust beim Grünland von bis zu 70 Prozent aus. Mittels einer neuen Regelung will das Bundesagrarministerium daher in Regionen, in denen Landwirte ihr Vieh nicht mehr sattkriegen, auch Flächen mit Zwischenfruchtmischungen nach einer „Standzeit“ von mindestens acht Wochen ab der Einsaat zur Futternutzung freigeben.

veröffentlicht am 10.08.2018 um 13:33 Uhr

Auf ihrer verbrannten Weider, wie hier in Hohenrode, suchen Rinder Schatten in der Mittagshitze. Foto: Wille
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Henry Griesefell Reporter
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Auch wenn sie im Agrarantrag als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) angemeldet sind. Welche Gebiete unter diese Regelung fallen und welche Bedingungen an den Nachweis des einzelbetrieblichen Bedarfs gestellt werden, ist noch offen.

Das Landvolk Weserbergland begrüßt den Plan der Politik, Flächen mit Zwischenfruchtmischungen zur Futternutzung freizugeben. Der Landvolk-Vorsitzende Karl-Friedrich Meyer sieht darin eine „sinnvolle Maßnahme, Flächen mit einem bestehenden Futterpotenzial mitzubenutzen, um damit betroffenen Landwirten in dieser Notsituation unbürokratisch zu helfen“. Ohne finanziellen Mehraufwand würde man so die bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen können, so Meyer weiter. Schnell müsse deshalb jetzt der rechtliche Rahmen geklärt werden, fordert der Landvolk-Vorsitzende, der sich hierzu auch im Austausch mit der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast befindet.

Aus Sicht des Milchkuhhalters Frank Kohlenberg, der als Vorsitzender im Landkreis Holzminden im Vorstand des Landvolkes Weserbergland aktiv ist, stelle die geplante Regelung eine notwendige Ergänzung zu den bereits gelockerten Nutzungseinschränkungen von ökologischen ) dar. So dürfen Landwirte seit dem 18. Juli etwa auch spezielle Flächen beispielsweise mit Blühpflanzen für Futtermittelzwecke nutzen. „Der Wert solcher Flächen bleibt für die Gewinnung von Kuhfutter allerdings sehr überschaubar“, beschreibt Kohlenberg ihre Relevanz. So könne eine Milchkuh die mittlerweile verholzten Sonnenblumen und Ähnliches energetisch gesehen nur relativ schlecht aufnehmen. Anders verhalte es sich da bei Zwischenfrüchten wie Ackergras, Erbsen oder auch Lupinen, so Kohlenberg, deren Verwertbarkeit deutlich besser sei und damit effektiver zur Gewinnung beitrage.

Die nun vom Bundesagrarministerium angestrebte Regelung soll rückwirkend gelten, das heißt, auch für Flächen möglich sein, die bereits mit Zwischenfruchtmischungen bestellt sind. Als Beginn der „Standzeit“ ohne Nutzung ist das Datum maßgeblich, an dem alle ÖVF-Schläge vom Betrieb mit einer zugelassenen Mischung eingesät wurden. Allerdings will das Bundesagrarministerium für die Anerkennung als ÖVF-Greeningfläche weiterhin an den Arten- und Mischungsregeln festhalten. Das heißt: Ackergras in Reinsaat ist daher weiter ausgeschlossen. Es gibt aber auch zugelassene Mischungen, die für die Futternutzung geeignet sind. Auch eine organische Düngung ohne Mineraldünger und ohne chemischen Pflanzenschutz ist zulässig

Die Zwischenfruchtmischungen auf den ökologischen Vorrangflächen könnten – soweit die angekündigten Niederschläge und ein Ende der Tropenhitze dies zulassen – bereits jetzt ausgesät werden. Eine Nutzung für Futterzwecke wäre dann bereits ab Anfang Oktober möglich.

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