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Von Leitung unterschätzt:

Übergriffe unter Kindern an Grundschule

Minden. Die Polizei ermittelt derzeit an einer Grundschule in Minden, an der es zu Übergriffen unter Kindern gekommen ist.

veröffentlicht am 13.12.2018 um 16:12 Uhr

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MINDEN. Konkret geht es laut Auskunft von Sprecher Ralf Steinmeyer um den Verdacht der Körperverletzung und der sexuellen Nötigung. Die Eltern eines Mädchens hatten den Fall am 18. November angezeigt und sich gleichzeitig per Mail an die Beratungsstellen gegen sexualisierte Gewalt sowie die Obere und Untere Schulaufsicht gewandt. Die Pressestelle der Kreisverwaltung bestätigt das. Die Schulleitung meldete den Vorfall am selben Tag bei der Behörde.

Bekannt war das Problem allerdings bereits seit Anfang November. Die Erstklässlerin soll von einer Gruppe von bis zu acht Jungen über Wochen gemobbt und auch körperlich attackiert worden sein, bestätigt die Polizei. Vier von ihnen sollen dabei besonders aktiv gewesen sein. Weil alle Beteiligten minderjährig sind, werden weder Angaben zur Schule noch zum Wohnort oder Alter gemacht.

Die Erstklässlerin vertraute sich in den Herbstferien schließlich ihren Eltern an, die die Schulleitung kontaktierten und um Hilfe baten. Dennoch eskalierte die Situation weiter, bis hin zu einem sexuellen Übergriff. Die Eltern warteten rund 14 Tage vergeblich auf konkrete Maßnahmen seitens der Schule, bis sie sich schließlich an die Polizei wandten.

Dass es soweit überhaupt kam, hinterlässt bei Experten Ratlosigkeit. Astrid Krämer von Wildwasser, der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Kreis Minden-Lübbecke, äußert sich zwar nicht konkret zum Fall, sagt aber grundsätzlich: „Ziel ist immer, so etwas innerhalb der Schule zu klären.“ Dann, so ihre Einschätzung, blieben bei keinem Kind Schäden zurück. Auch Birgit Thinnes von der Kriminalprävention Opferschutz der Polizei betont, dass größtmögliche Transparenz auch bei unangenehmen Themen wichtig ist. „Es muss adressiert werden: Hier gibt es ein großes Problem, wir sind dran, haben einen Plan und informieren euch offen.“

Die Schulleitung verweist gemeinsam mit dem Kreis darauf, dass es zur Sache einen Elternbrief gegeben hat. Er wurde am 21. November, drei Tage nach der offiziellen Anzeige und zwei Wochen nach der ersten Meldung vom Fall, versandt. Darin steht: „An unserer Schule soll es zu einigen übergriffigen Situationen unter Kindern gekommen sein. Bis zur umfassenden Aufklärung des Sachverhalts haben wir, neben bereits vorhandenen, weitere Maßnahmen ergriffen, damit unsere Schülerinnen und Schüler ihren Schulalltag bei uns sicher verbringen können.“ So seien Kollegium und Ganztag sensibilisiert und die Pausenaufsicht erhöht worden. Das Thema werde in den Klassen und mit den Eltern erörtert.

Rückfragen werden seitdem abgeblockt, obwohl die verunsicherten Eltern verzweifelt nach Antworten suchen. Die Schulleitung verweist auf die laufenden Ermittlungen. „Da die Eltern Strafanzeige gestellt haben und es sich nunmehr um ein polizeiliches Ermittlungsverfahren handelt, können dazu keine weiteren Aussagen gemacht werden“, nimmt der Kreis Stellung. Eine Rückfrage bei der Polizei zeigt: Das ist nicht korrekt. Da es sich ausschließlich um minderjährige Beteiligte handele, die ohnehin nicht strafrechtlich verfolgt würden, könne die Schule durchaus offen agieren. Dazu gab es auch bereits Gespräche mit der Schule. „Wer solche Themen nicht offen angeht, macht das Problem nur größer“, sagt Thinnes.

Das Jugendamt der Stadt Minden wurde kontaktiert, wie die Pressestelle dort bestätigt. Zeitnah sei auch eine Sitzung der Schulpflegschaft einberaumt worden, so der Kreis. Sie fand gestern statt und ist offenbar von den Eltern initiiert worden. mt/Nina Könemann




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