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Viele Betriebe stellen in diesem Jahr mehr Azubis ein, weil es 2020 an Abiturienten fehlt

Abi nach 13 Jahren: Es schlägt zum letzten Mal 12!

LANDKREIS. In den allgemeinbildenden Gymnasien wird es im nächsten Jahr keine Abifeiern geben, keine schick gekleideten Schüler, die ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen und vor ihren stolzen Eltern für Erinnerungsfotos posieren. Denn nach den Sommerferien gilt in Niedersachsen wieder G 9 – also das Abitur nach 13 Jahren. Während die Zwölftklässler in diesem Jahr ihre Abschlusszeugnisse erhalten, werden die Elftklässler sich noch zwei Jahre gedulden müssen. Allgemein wird dieses Zurück begrüßt, doch welche Auswirkungen hat es auf Betriebe und Unternehmen? Stehen die im kommenden Jahr ohne Auszubildende da?

veröffentlicht am 28.02.2019 um 18:21 Uhr

Auf den aktuellen Abishirts der Ratsgymnasiasten ist der Wechsel zu G 9 bildlich dargestellt. Foto: erü

Autor:

mira colic
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LANDKREIS. Frühzeitig darüber informiert hat die Arbeitsagentur Stadthagen. „Wir haben Presseinformationen rausgegeben, haben die Situation bei den Studien- und Berufsinformationstagen in der Stadthäger Festhalle und bei den Hochschulinformationstagen in Hameln thematisiert“, sagt Leiterin Cornelia Kurth. Sie befürchte jedoch, dass es dennoch Betriebe gebe, denen das nicht bewusst sei.

Die Banken reagieren, indem sie für dieses Jahr die Zahl ihrer Azubis aufstocken. „Regulär hätten wir dieses Jahr fünf bis sieben Auszubildende eingestellt“, sagt Sabine Schnauder, Ausbildungsleiterin der Volksbank in Schaumburg. Aufgrund der Entwicklung von G 8 zu G 9 plant das Geldinstitut jedoch, 2019 bis zu zehn neue Auszubildende aufzunehmen. Auch die Sparkasse Schaumburg verfährt so und erhöht „in diesem Sommer die Einstellungsquote ein wenig“, wie Unternehmenssprecher Jörg Nitsche erklärt. „Für das nächste Jahr planen wir, die übliche Quote beizubehalten. Der Fokus liegt dann auf Schulabgänger aus anderen Schulformen.“ Einen Engpass erwartet die Volksbank Hameln-Stadthagen eher für 2021. „In den vergangenen Jahren konnten wir zunehmend beobachten, dass viele Abiturienten nach erfolgreichem Abschluss ein Jahr ,Auszeit‘ nehmen. Viele der jungen Menschen nutzen die Zeit für ‚Work and Travel‘ oder absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr“, sagt Sprecherin Sinah Koelman. Für das im August startende Ausbildungsjahr habe die Bank zwei zusätzliche Ausbildungsstellen geschaffen.

Eine klare „Verschärfung des Fachkräftemangels“ sieht Martin Wrede. „Zum Glück ist dies ein einmaliger Effekt“, sagt der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Stadthagen. Zumal die Unternehmen in Schaumburg ein Interesse daran hätten, Auszubildende zu bekommen. Er könne an die Betriebe nur appellieren, sich frühzeitig um Nachwuchs zu kümmern und Verträge abzuschließen. „Die meisten orientieren sich auch in diese Richtung und schließen schon in diesem Jahr mehr Verträge ab. Es hat in diesem Bereich schon deutliche Zuwächse gegeben.“

5000 bis 6000 Polizei-Anwärter werden jährlich in Niedersachsen eingestellt. „Insbesondere die hohe Anzahl der zusätzlichen Einstellungen in den Vorjahren trägt maßgeblich dazu bei, das in Sachen Nachwuchsgewinnung in allen Arbeitsbereichen schwierige Jahr 2020, ohne besorgniserregende Defizite zu überstehen“, heißt es dazu vom Innenministerium. Gegebenenfalls würden in darauffolgenden Jahren frei gebliebene Einstellungsmöglichkeiten kompensiert.

Keine Probleme bei der Besetzung der Ausbildungsstellen im Verwaltungsbereich sieht der Landkreis. „Für die neun Stellen in diesem Bereich hatten wir in den vergangenen Jahren immer etwa 100 Bewerbungen. Selbst wenn es für 2020 etwas weniger werden sollten, wird das keine Änderung unserer Besetzungsplanung zur Folge haben“, erklärt Kreissprecher Klaus Heimann.

Auch für das Handwerk befürchtet Fritz Pape „keine spürbaren Auswirkungen“. „Schließlich streben zwei Drittel der Abiturienten ohnehin ein Studium an“, sagt der Vorsitzende der Kreishandwerkerschaft Schaumburg.

„Selbstverständlich werden weiterhin Schüler an den Gesamtschulen, Abendgymnasien, Kollegs und an den beruflichen Gymnasien in dem entsprechenden Jahr ihr Abitur ablegen. Diese Abiturienten machen rund ein Viertel aller aus“, sagt Peter Bräth, Staatssekretär des Niedersächsischen Kultusministeriums. Damit sei die Umstellung auch für den Arbeitsmarkt und für die Betriebe nicht problematisch, da gerade die Absolventen der beruflichen Gymnasien häufig eine betriebliche Ausbildung beginnen würden.




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