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Agaplesion will trotz 12-Millionen-Minus nicht am Schaumburger Krankenhaus rütteln

Agaplesion: „Der Konzern steht zu diesem Haus“

VEHLEN. Das „katastrophale Ergebnis“ des Schaumburger Klinikums im vergangene Jahr dürfte auch in der Agaplesion-Konzernzentrale in Frankfurt für Aufmerksamkeit gesorgt haben. 12 Millionen Euro Verlust verzeichnet das Krankenhaus im ersten Jahr nach der Neueröffnung. Für den Leiter der Unternehmenskommunikation, Dominique Meyer, dennoch kein Grund am Standort Vehlen zu zweifeln.

veröffentlicht am 09.04.2019 um 16:51 Uhr

In zwei Jahren soll das Schaumburger Klinikum schwarze Zahlen schreiben.
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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„Der Konzern steht zu diesem Haus“, betont er. Man habe nicht umsonst eine derartig große Investition im Landkreis getätigt. Die Gesamtkosten für den Neubau von etwa 140 Millionen Euro wurden durch 95 Millionen Euro Steuergeld bezuschusst. Weitere 45 Millionen Euro brachte der Agaplesion-Konzern alleine für den Neubau mit ein.

„Das sind allerdings nicht direkt Schulden, sondern Investitionen, die über viele Jahre abgeschrieben werden“, erklärt Geschäftsführer Marko Ellerhoff auf Nachfrage dieser Zeitung. Sprich: Die Investition soll sich über viele Jahre für Agaplesion rechnen. Schon alleine aus diesem Gesichtspunkt wäre es nicht wirtschaftlich, den Neubau bei den ersten Startschwierigkeiten direkt wieder zu verkaufen.

Anders sieht es bei den insgesamt 20 Millionen Euro Verlust im laufenden Geschäft aus, die das Krankenhaus 2017 und 2018 erwirtschaftet hat. Für diese wurden keine nachhaltigen Werte geschaffen, auf die das Unternehmen zurückgreifen kann. Sie müssen also – so wie der Verlust des Jahres 2016, eine Million Euro – zur Gänze über Kredite finanziert und zusätzlich wieder über den laufenden Krankenhausbetrieb finanziert werden.

Wie schmal die Gewinnmarge im Krankenhausbetrieb sind, zeigt auch der Blick über die Landkreisgrenzen. Das etablierte Sana-Klinikum in Hameln erwirtschaftete 2017 einen Gewinn von 327 000 Euro. Würde das Schaumburger Klinikum einen ähnlichen Gewinn erwirtschaften, würde es mehr als 60 Jahre dauern, alleine um die Verluste der ersten beiden Jahre auszugleichen.

Allerdings ist der Krankenhaus-Konzern Agaplesion, der in Person von Dominique Meyer dem Schaumburger Krankenhaus den Rücken stärkt, kein finanzielles Leichtgewicht. Die Aktiengesellschaft besitzt 20 Krankenhäuser in ganz Deutschland, dazu viele weitere Pflegeeinrichtungen. Der Umsatz aller Einrichtungen beträgt etwa 1,2 Milliarden Euro. Im Jahr 2017 wurde konzernweit ein Überschuss von 7 Millionen Euro erwirtschaftet.

Für die Zukunft sehen die beiden Geschäftsführer Diana Fortmann und Marko Ellerhoff die Weichen gut gestellt. Man Plane deutlich mehr Patienten zu behandeln, und das Krankenhaus dann auch unter „Volllast“ zu führen. Von 437 Betten sind derzeit nur 360 aktiv in Benutzung. Für mehr fehle das Personal, außerdem habe man von Anfang an zukunftsweisend geplant.

Fortmann und Ellerhoff sind sich einig, dass unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen die medizinische Versorgung nicht leiden werde. Dafür sei der Krankenhausneubau auch ein in Stahlbeton gegossenes Zeichen. „Gerade die ländlichen Regionen werden vielfach von hochwertiger medizinischer Versorgung abgeschnitten“, so Meyer. Nicht so in Schaumburg. So sei etwa am 6. März das Brustzentrum rezertifiziert worden, am 2. April folgte das Endoprothetikzentrum.

Außerdem binde man seit letzten Jahr als Lehrkrankenhaus junge Mediziner an die Region.




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